Neue Berechnungen: Banken klagen über die Kosten der Regulierung

Neue Berechnungen: Banken klagen über die Kosten der Regulierung

, aktualisiert 09. Juni 2017, 17:05 Uhr
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Die Ertragslage großer deutscher Banken gibt derzeit kein gutes Bild ab. Geplante Reformregeln dürften die Lage der Institute eher noch verschärfen, klagt ein wichtiger Branchenverband.

von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Der Verband deutscher Banken hat ausgerechnet, wie die geplanten Bankenreformen die Ertragskraft großer Kreditinstitute belasten könnten. Das Ergebnis wird jedoch durch die Misere eines Kreditinstituts massiv beeinflusst.

FrankfurtSicherheit hat ihren Preis, das gilt auch für die Bankenregulierung. Nach der großen Finanzkrise 2007 und zahlreichen teuren Bankenrettungen setzte in den vergangenen Jahren eine Regulierungswelle ein, die die Finanzbranche gehörig unter Druck gesetzt hat. Viele Jahre hatte sich das Augenmerk der Politik vor allem darauf gerichtet, künftige Krisen und Bankenrettungen mit Steuergeldern zu verhindern. Jetzt wird wieder stärker diskutiert, ab wann neue Regeln die Kreditvergabe der Banken zu stark bremst – und damit das Wirtschaftswachstum. Das lässt sich besonders gut an der Debatte um die Bankenreform beobachten, die im Fachjargon „Basel IV“ genannt wird.

Kommende Woche treffen sich Vertreter internationaler Regulierungsbehörden, um einen Kompromiss für ein großes Bankenreformpaket zu finden. Der Basler Bankenausschuss, dessen Mitglieder aus 27 Ländern stammen, will neu regeln, wie Banken ihre Risiken kalkulieren. Eine schnelle Einigung gilt aber als unwahrscheinlich. Denn die deutschen Bankenaufseher dürften laut Lothar Jerzembek, dem Regulierungsexperten des Verbands öffentlicher Banken (VÖB), auf ihrer bisherigen Position beharren. Bei dem Reformpaket geht es vor allem darum, wie Banken künftig ihre Risiken kalkulieren müssen. Grundsätzlich gilt: Je riskanter ein Kredit ist, desto mehr Kapital müssen Banken dafür beiseite legen. Es gibt zwei Methoden: einen konservativen und einen bankeigenen Ansatz.

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Die bankeigenen Rechenmodelle ergeben häufig einen geringeren Kapitalbedarf. Doch deren Nutzung soll eingeschränkt werden, um zu verhindern, dass Banken Risiken kleinrechnen. Deshalb solle es eine Untergrenze (Output-Floor) geben, der festlegt, wie stark der Kapitalbedarf gegenüber der Standardmethode nach unten abweichen darf. Der Vorsitzende des Basler Bankenausschusses, Stefan Ingves, hatte vor kurzem einen Output-Floor von 75 Prozent ins Spiel gebracht. Das hieße, der Kapitalbedarf aus eigenen Rechenmodellen dürfte höchstens 25 Prozent nach unten abweichen.
Deutschland will aber offenbar auf eine Untergrenze von 70 Prozent pochen. „Wir sind froh, dass die deutsche Aufsicht signalisiert hat, dass 75 Prozent keine Verhandlungsbasis ist“, sagte Jerzembek. Der VÖB hat ausgerechnet, welche Folgen alle Regulierungspläne auf die Ertragskraft der 17 wichtigsten deutschen Banken hätte. Dazu wurde deren Bilanzpositionen summiert und anschließend durchgerechnet wie sich die bereits beschlossenen Reformen, die erst noch in Kraft treten, sowie die debattierte „Basel-IV“-Reform ausgewirkt hätten. Das Ergebnis: Im Jahr 2015 hätte die so gebildete „Musterbank“, schon bei einem Output-Floor von 70 Prozent, nur eine Eigenkapitalrendite von 0,5 Prozent erwirtschaftet. Und selbst ohne Zusatz-Regulierung wären es nicht mehr als zwei Prozent Eigenkapitalrendite gewesen.

Dieses Ergebnis klingt dramatisch, wurde allerdings durch den Rekordverlust der Deutschen Bank im Jahr 2015 auch stark verzerrt. Denn der Branchenprimus verbuchte damals einen Verlust von 6,8 Milliarden Euro nach Steuern, die vor allem durch hohe Kosten für Rechtsrisiken und ganz allgemein für die umfassenden nötigen Umbauarbeiten verursacht wurden. Repräsentativ für die Ertragsmöglichkeiten deutscher Banken war das also nicht unbedingt. Ohne den Einfluss der Deutschen Bank hätte die „Musterbank“ des VÖB in dem Jahr eine Rendite von immerhin 6,1 Prozent Rendite erwirtschaftet, wenn neue Regulierungspläne außen vorhaben. Und selbst inklusive aller künftigen Regulierungspläne wären es zumindest noch 3,9 Prozent gewesen. Gegenüber dem Vorjahreswert wäre das sogar eine Verbesserung gewesen, denn im Jahr 2014 hätte diese Musterbank – inklusive Regulierung, aber ohne die Deutsche Bank – gerade einmal 2,3 Prozent Eigenkapitalrendite erreicht. Die Kapitalkosten, die der Verband bei 7,9 Prozent ansetzt, wären damit allerdings auch noch nicht verdient.

Quelle:  Handelsblatt Online
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