Neuemissionen: Börsenkandidaten drängeln sich vor US-Wahl

Neuemissionen: Börsenkandidaten drängeln sich vor US-Wahl

, aktualisiert 02. September 2016, 17:03 Uhr
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Die Brexit-Debatte hatte schon im Mai und Juni für eine Zwangspause bei allen Börsengängen gesorgt, im November folgt eine weitere rund um die US-Wahl.

Quelle:Handelsblatt Online

Eon-Tochter Uniper eröffnet die Herbst-Saison der Börsengänge, RWE-Tochter Innogy und Office-First folgen. Bereits das Brexit-Votum sorgte für eine Zwangspause, nun wollen Börsenkandidaten der US-Wahl aus dem Weg gehen.

FrankfurtUniper gibt den Startschuss. Die Erstnotiz der Kraftwerkstochter von Eon an der Frankfurter Börse am 12. September läutet in diesem Jahr eine heftige, aber kurze Herbst-Saison für Börsengänge ein. Noch in der gleichen Woche werden laut Insidern die öffentlichen Ankündigungen („intention to float“) des IVG-Büroimmobilien-Konzerns Office-First und der RWE-Ökostromtochter Innogy erwartet.

Beide könnten – sofern nichts Unvorhersehbares passiert – vier Wochen später ebenfalls an der Börse gelistet sein. Die Zeit drängt: Denn alle wollen Donald Trump aus dem Weg gehen. Der Präsidentschafts-Wahlkampf in den USA ist auch für deutsche Investmentbanker ein Schreckgespenst.

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Sie fürchten ein heftiges Auf und Ab an den Börsen, wenn die Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Milliardär Trump und der ehemaligen Außenministerin Hillary Clinton anzeigen. „Wer weiß, welche überraschenden Wendungen das nimmt – und die Märkte sind in Bezug auf Überraschungen sehr sensibel“, sagt Georg Hansel von Bank of America Merrill Lynch.

Die Debatte um den Austritt Großbritanniens aus der EU hatte schon im Mai und Juni für eine Zwangspause bei allen Börsengängen gesorgt. Jeder versuche die zwei Wochen vor und nach dem US-Wahltermin am 8. November zu vermeiden. Schwankungen sind Gift für Börsengänge, weil sie Bankern und Investoren die Preisfindung erschweren.

Uniper ist davon kaum betroffen, werden die Aktien doch im Zuge der Abspaltung den Eon -Aktionären einfach ins Depot gebucht. Doch müssen die Investmentbanker von JP Morgan, Morgan Stanley und Citi in den Stunden und Tagen rund um die Erstnotiz möglichst kursschonend neue Eigentümer für mindestens ein Viertel der neuen Uniper-Aktien finden. Sie liegen zumeist bei Indexfonds, die den Leitindex Dax abbilden und daher nichts mit den Papieren anfangen können. Eon hofft, dass die „neue“ Eon und Uniper an der Börse getrennt mehr wert sind als der „alte“ Energieriese.

Das gleiche Kalkül treibt auch RWE beim Börsengang von Innogy. Doch das Modell ist ein ganz anderes: Während Eon über die Abspaltung die Mehrheit an Uniper abgibt, damit aber kein Geld einnimmt, versuchen die Essener mit dem Verkauf von neuen Innogy-Aktien zwei Milliarden Euro oder mehr einzusammeln. Ob sich darüber hinaus auch RWE von einem Teil seines Innogy-Aktienbestandes trennt, hängt von der Reaktion der Anleger ab.

„Bei Uniper und Innogy ist viel Musik drin. Die Investoren müssen sich entscheiden, ob sie Anteile an beiden Unternehmen halten wollen oder nur an einem“, sagt Hansel. Bei einigen Fondsgesellschaften dürften sich die Vorstände von Uniper und Innogy in den nächsten Wochen die Klinke in die Hand geben.


„Geld ist genug da“

Doch auch wenn Innogy nur zwei Milliarden Euro einnähme, wäre es einer der größten Börsengänge in Deutschland in diesem Jahrtausend. Wenn RWE weitere fünf Prozent auf den Markt wirft, könnte er sogar größer ausfallen als der von T-Online, der im April 2000 2,87 Milliarden Euro einbrachte. Die Entscheidung könnte sehr kurzfristig fallen. Investmentbanker überlegen, ob sich RWE im Börsenprospekt eine Aufstockungsoption einräumen lässt, um die Emission in letzter Minute größer zu machen, wenn die Anleger begierig zugreifen.

„Nach dem erfolgreichen Börsengang von Dong in Dänemark ist jetzt Versorger-Saison in Deutschland“, fasst Andreas Bernstorff von Citi den Trend zusammen. Der Windpark-Betreiber Dong Energy war mit 2,6 Milliarden Dollar der größte Börsengang weltweit im ersten Halbjahr.

In Deutschland herrschte dagegen Flaute. Mit der Biotechnologie-Firma Brain und dem Windanlagen-Hersteller Senvion schafften es gerade zwei Neuemissionen in den streng regulierten Prime Standard – mit einem Erlös von mageren 300 Millionen Euro.

Nun hoffen Banker, dass ihnen Innogy und Office-First das Jahr halbwegs retten. „Investoren haben sich zuletzt defensiv positioniert und Bargeld auf die Seite gelegt, das sie jetzt investieren wollen“, sagte Neuemissions-Experte Armin Heuberger von der UBS. „Die Volatilität ist über den Sommer gesunken, das Umfeld für Börsengänge ist derzeit gut.“ Auch Hansel rechnet mit großen Einzelorders. „Geld ist genug da.“

Darauf setzen auch die Eigentümer der IVG. Die 30 Hedgefonds aus den USA und Großbritannien wollen 40 bis 60 Prozent an der Büroimmobilien-Tochter Office-First des vor drei Jahren in die Pleite gerutschten Konzerns an den Markt bringen – wenn nicht doch noch der Finanzinvestor Blackstone dazwischengrätscht und Office-First als Ganzes kauft.

Drei Milliarden Euro auf die Hand sind ihnen allemal lieber als 700 bis 900 Millionen beim Börsengang – mit der vagen Aussicht, dass sich der Rest später lukrativer platzieren lässt. Dasselbe Kalkül vereitelt zurzeit auch zahlreiche Börsengänge von Unternehmen aus dem Besitz von Finanzinvestoren: Es findet sich fast immer ein Käufer, der gleich in bar zahlt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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