Neuer LBBW-Chef Neske: „Nicht schlecht“ gilt als Begeisterung

Neuer LBBW-Chef Neske: „Nicht schlecht“ gilt als Begeisterung

, aktualisiert 02. März 2017, 20:31 Uhr
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Der neue LBBW-Chef will die Bank stärker digitalisieren und das Geschäft mit Firmenkunden ausbauen, wie er auf seiner ersten Pressekonferenz sagte.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Seit vier Monaten ist Rainer Neske Chef der LBBW. Der frühere Vorstand der Deutschen Bank hat sich in Stuttgart eingelebt und demonstriert bei seinem ersten öffentlichen Auftritt schwäbisches Understatement.

Stuttgart Das sei jetzt „schwäbisch gemeint“, stellte Rainer Neske gleich zweimal klar. „Zufriedenstellend“ habe sich das wichtige Geschäft mit Unternehmenskunden entwickelt, hatte der Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zuvor gesagt. Zufriedenstellend als Lob – der Schwabe geht damit gerne sparsam um. „Nicht schlecht“ gilt hier schon als Begeisterung.

Seit November steht Neske, früher Privatkundenchef der Deutschen Bank, an der Spitze der Stuttgarter Landesbank. Am Donnerstag präsentierte er die Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr, in dem wesentlich noch sein Vorgänger Hans-Jörg das Geldhaus geführt hatte – der erste öffentliche Auftritt Neskes.

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Dabei musste der neue Chef einen deutlichen Gewinnrückgang verkünden, der sich auch vor allem im im Segment Unternehmen (Corporates) zeigt. Operativ verdiente die LBBW insgesamt im vergangenen Jahr mit etwa 520 Millionen Euro ähnlich viel wie 2015. Doch auf den Firmenwert der Tochter SachsenLB schreibt der Konzern fast 380 Millionen Euro ab. Dabei handelt es sich um eine so genannte Goodwill-Abschreibung. Die lange Phase extrem niedriger Zinsen mache die Vollabschreibung des Goodwills erforderlich, so Neske.

Die Abschreibung fällt in das Segment Unternehmen, wo das Ergebnis dadurch abrutscht. Nach Steuern verdiente der LBBW-Konzern nur elf Millionen Euro. Das liegt auch daran, dass er im Geschäft mit Privatkunden, das über ihre Tochter BW-Bank läuft, sogar einen Verlust hinnehmen musste. Die LBBW baut die BW-Bank gerade um, schließt und modernisiert zum Beispiel Filialen und erneuert die IT.

Gleichwohl will Neske nun vor allem das Geschäft mit Firmenkunden ausbauen und es in bestimmten Branchen verstärken. Angesichts des Hauptsitzes in Baden-Württemberg hat die LBBW besonders viele Kunden in der Autoindustrie und Maschinenbauer – was man als riskant betrachten kann. Es sei eine gewisse Exposition in diesen Branchen, so Neske. „Das ist ein Risiko, dem wir uns stellen. Es ist aber die Aufgabe von Bank, die Kunden im Strukturwandel zu begleiten.“ Parallel beschäftigt sich das Geldhaus damit, in anderen Branchen verstärkt Kunden anzusprechen.


Anders als der Vorgänger

Die LBBW hat eine harte Kernkapitalquote – der Indikator für die Widerstandsfähigkeit einer Bank - von zuletzt 15,5 Prozent. Die Kapitalstärke eröffne Spielraum, „um bei Bedarf zusätzliche Kredite an unsere Kunden zu vergeben.“ Das wolle man künftig stärker nutzen. Die Bank hat sehr lange auf Risiko- und Bilanzabbau gesetzt.“ Das sei aber kein Unternehmenszweck. Eigentlich gehe es darum, Geschäft zu machen.

Damit hebt Neske sich von seinem Vorgänger Hans-Jörg Vetter ab. Vetter war angetreten, um die LBBW zu sanieren. Die Landesbank hatte sich in der Finanzkrise verspekuliert und mit einer Milliarden schweren Staatshilfe ihrer Eigentümer, Land Baden-Württemberg, Stadt Stuttgart und regionale Sparkassen, gerettet worden. Daraufhin verkaufte sie Problemportfolios und schrumpfte die Bilanz.

Große Risiken sieht Neske derweil durch geopolitische Themen und die anstehenden Wahlen in mehreren europäischen Ländern, in denen es antieuropäische Tendenzen gibt. Verstärkte Währungsschwankungen beispielsweise auch Auswirkungen auf die Banken. Die LBBW könne deshalb auch „nicht Vollgas geben“, wenn es um mehr Geschäft geht.

Seit der Finanzkrise gibt es noch vier große Landesbanken, neben der LBBW die BayernLB, die Landesbank Hessen-Thüringen und die NordLB. Die HSH Nordbank, ein sehr großer Schiffsfinanzierer, muss auf Geheiß der EU-Kommission verkauft werden. Der Veräußerungsprozess läuft derzeit. Interesse soll die NordLB bekundet haben. Die anderen Landesbanken winken ab. Auch für die LBBW würde sich der Sinn eines HSH-Kaufes selbst "auch den dritten Blick nicht erschließen", so Neske.

Quelle:  Handelsblatt Online
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