Neues Gebührenmodell: Postbank schränkt Gratiskonten ein

Neues Gebührenmodell: Postbank schränkt Gratiskonten ein

, aktualisiert 19. August 2016, 10:06 Uhr
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Kunden der Postbank stehen vor einer Filiale am Geldautomaten: Die Postbank schränkt die Zahl der Gratiskonten drastisch ein.

Quelle:Handelsblatt Online

Die größte Privatkundenbank Deutschlands ändert ihr Geschäftsmodell: Deutlich weniger Kunden wird künftig ein kostenloses Girokonto angeboten - eine Folge der anhaltend niedrigen Zinsen.

BonnViele Kunden der Postbank müssen künftig für ihr Girokonto Geld bezahlen. Die größte Privatkundenbank Deutschlands kündigte am Freitag eine Neuausrichtung ihrer Kontolandschaft und ein verändertes Preismodell an. Hintergrund ist die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB): Die anhaltend niedrigen Zinsen machten es immer schwerer, mit dem Girokonto Geld zu verdienen, begründete Postbank-Vorstand Susanne Klöß den Schritt.

Erstmals führt die Postbank ein Online-Konto mit einer monatlichen Grundgebühr von 1,90 Euro ein. Ein flexibles Konto mit einem Entgelt von 3,90 Euro gibt es für Kunden, die ihre Bankgeschäft sowohl online als auch in Filialen abwickeln wollen. Neben dem Basis-Konto bietet die Postbank auch künftig ein Premium-Konto mit umfassenderen Leistungen an, das monatlich weiter 9,90 Euro kostet. „Es wird bei uns aber nach wie vor ein kostenloses Girokonto geben“, sagte Klöß der Deutschen Presse-Agentur; nämlich für junge Leute und für Kunden mit einem Geldeingang von 3000 Euro pro Monat.

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Das neue Gebührenmodell wirkt sich laut Süddeutscher Zeitung so aus, dass es für Kunden mit weniger als 1000 Euro Gehaltseingang billiger wird – 3,90 statt bisher 5,90 Euro im Monat. Klöß beziffert ihre Zahl auf rund eine Million. Die Mehrheit der Kunden, jene mit einem Gehaltseingang zwischen 1000 und 3000 Euro, zahlen künftig erstmals eine Gebühr – 3,90 Euro im Monat. Über 3000 Euro Gehaltseingang können Kunden wiederum das kostenlose Premium-Konto nutzen.

„Wir müssen raus aus dieser Welt, in der Girokonten querfinanziert wurden“, begründete Postbank-Vorstand Susanne Klöß im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ die Umstellung. Die derzeitige Gratis-Kultur habe die Postbank selber mitbegründet. In der Zwischenzeit habe sich aber der Rahmen völlig verändert. In einer Welt mit höheren Zinsen habe eine Bank die Einlagen der Girokonto-Kunden anlegen und daher auf ein Entgelt für die Kontoführung verzichten können. „Natürlich geht es uns auch um die Erträge“, sagte Klöß. Die Postbank habe Mitarbeiter und Gesellschafter, denen sie gerecht werden müsse: „Wir brauchen ein nachhaltiges Geschäftsmodell.“

Auf die Frage, ob mit dem neuen Gebührenmodell die meisten Kunden mehr zahlen, sagte Klöß: „Ja, das ist so.“ Aber sie bekämen auch etwas dafür: die komplette Kontoführung, das Online-Banking, mehr als 1000 Filialen, 9000 Stellen zur Bargeldversorgung. „Wenn man in Frankfurt eine Stunde parkt, kostet das 2,50 Euro“, sagte Klöß, die im Postbank-Vorstand für Produkte zuständig ist. „Darüber diskutiert kein Mensch. Hier reden wir von 3,90 im Monat, und da stelle ich nicht für zwei Stunden ein Auto ab, sondern bekomme einen echten Gegenwert in Form einer Dienstleistung.“

Die Postbank hat rund 14 Millionen Kunden, darunter mehr als 5 Millionen mit einem Girokonto. Sie ist damit nach den Sparkassen und Volksbanken die größte Privatkunden-Bank Deutschlands. Die Zahl der Girokonten, die 2015 stagnierte, ist nach den Worten von Klöß im ersten Halbjahr 2016 wieder gestiegen. „Aber klar, einige werden sich jetzt umorientieren. Ich bin nicht blauäugig“, sagte sie.

Vor knapp 20 Jahren hatte das Institut erstmals Gratis-Girokonten eingeführt. Die Kontoführung sei immer schon eine Dienstleistung der Bank gewesen. Doch durch die Niedrigzinsphase sei ihr die Möglichkeit der Quersubventionierung genommen worden, sagte Klöß. Einige andere Banken und Sparkassen hatten in den vergangenen Monaten bereits Gebühren erhöht. 

Quelle:  Handelsblatt Online
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