Niedrigzinsen: Banken parken Geld lieber bei der EZB, als es zu verleihen

Niedrigzinsen: Banken parken Geld lieber bei der EZB, als es zu verleihen

, aktualisiert 08. März 2017, 10:35 Uhr
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Mit Negativzinsen will die EZB eigentlich das Kreditgeschäft anschieben. Doch der Erfolg ist mäßig.

Quelle:Handelsblatt Online

Statt die Einlagen ihrer Kunden als Darlehen weiterzureichen und damit zu verdienen, zahlen Banken im Euro-Raum lieber Milliarden von Euro, um das Geld bei der Europäischen Zentralbank zu parken. Dafür gibt es vor allem einen Grund.

FrankfurtSeit Juni 2014, als die EZB die Zinsen unter Null gesenkt hat, sind die Einlagen bei Banken aus dem Euro-Raum um 802 Milliarden Euro geklettert, zeigen Daten der Zentralbank bis Ende Januar. Die Ausleihungen an Unternehmen außerhalb des Finanzsektors und Verbraucher im Währungsraum sind im gleichen Zeitraum um 169 Milliarden Euro gestiegen, während die Einlagen bei der EZB, die über die erforderlichen Reserven hinausgehen, um 1,1 Billionen Euro zugelegt haben.

Negativzinsen sollen eigentlich die Fremdkapitalkosten nach unten drücken und dadurch das Kreditgeschäft anschieben. Aber in einigen Ländern der Euro-Zone haben Banken die Darlehensvergabe reduziert, weil sie mit Bergen von notleidenden Krediten und schwacher Kapitalausstattung zu kämpfen haben. Zwar sind die Banken mittlerweile finanziell solider, aber es gibt wenig Nachfrage nach Geld wegen der Unsicherheiten über die Zukunft des Welthandels und das Wachstum in der Region. Banken- und Staatsschuldenkrisen in einigen Euro-Ländern haben auch die grenzüberschreitende Kreditvergabe gedämpft.

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„Es handelt sich um Probleme der Nachfrageseite in den skandinavischen Ländern, Deutschland, Österreich und den Niederlanden“, sagt Jan Schildbach, Leiter Analyse für Banken- und Finanzmärkte bei der Deutschen Bank in Frankfurt. „Im Süden ist es die Angebotsseite.“

Die EZB hat den Einlagensatz in vier Stufen auf minus 0,4 Prozent gesenkt. Das bedeutet, dass Banken jährlich 0,4 Prozent für die von ihnen bei der EZB geparkten Überschussreserven zahlen. Die an die Notenbank im vergangenen Jahr gezahlten Zinsen auf diese Gelder summieren sich auf 3,6 Milliarden Euro, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen.

Auch wenn die Negativzinsen nicht zu einer Kreditwelle führten, haben sie zumindest den Rückgang gestoppt. In den zwei Jahren vor Juni 2014 sind Kredite an Unternehmen außerhalb des Finanzsektors und an private Haushalte um 5,2 Prozent gesunken. 2015 sind sie um 0,5 Prozent und 2016 um 1,4 Prozent gestiegen.

Einige Banken haben Unternehmenskunden für Einlagen zur Kasse gebeten, und dennoch sind die von Unternehmen außerhalb des Finanzsektors gehaltenen Mittel um 18 Prozent gestiegen, seit die Zinsen in den Negativ-Bereich abgerutscht sind, zeigen EZB-Daten. Die Spareinlagen von Privatpersonen, die für Einlagen nicht belastet werden, haben um 7,6 Prozent zugelegt.


Deutschlands Banken gelten als besonders ineffizient

Negative Zinsen schmälern auch die Rentabilität der Banken, da sie die Zinsmargen drücken. Banken verdienen an der Differenz zwischen dem, was sie ihren Sparern an Zinsen zahlen und dem, was sie von Kreditnehmern erhalten. Wenn die Zinsen nahe Null sind, verringert sich der Abstand zwischen diesen beiden Einnahmequellen. Einlagen, die nicht in Kredite fließen, kosten nur: Nämlich die Strafgebühr, die die EZB von Banken für kurzfristig geparktes Geld verlangt.

Die Netto-Zinserträge für die 20 größten Banken der Euro-Zone sind im vergangenen Jahr um fünf Prozent gesunken, während die Rückstellungen für Kreditverluste um 27 Prozent geklettert sind, wie aus von der Deutschen Bank zusammengestellten Daten hervorgeht. Das führte zu einem Rückgang von fast 50 Prozent bei den Nettogewinnen auf 33 Milliarden Euro, schrieb die Bank kürzlich in einer Studie.

Eine zu hohe Zahl an Banken in einigen europäischen Ländern beeinträchtige ebenfalls die Rentabilität, sagt Algebris Investments, ein auf Finanzinstitute konzentrierter Hedgefonds. „Selbst die EZB sagt, dass effiziente Banken dem Wirtschaftswachstum helfen, aber viele europäische Banken sind weiterhin ineffizient„, erklärt Alberto Gallo, Partner bei Algebris in London. „Es gibt zu viele Banken, zu viele Filialen, zu wenig Konsolidierung.“ 

Portugal, Italien und Deutschland haben laut Effizienz-Index des Hedgefonds die am wenigsten effizienten Banken in Europa. Diese Ineffizienzen verstärken sich, wenn Extra-Ersparnisse in einem Land nicht dahin fließen können, wo das Geld benötigt wird. Seit 2010 haben Geldhäuser in nördlichen Ländern ihr Engagement bei Banken, Staaten und Unternehmen im Süden reduziert.

Wachsende Ungleichgewichte zwischen den Forderungen und Verbindlichkeiten, die nationale Zentralbanken gegenüber einander haben, zeigen, dass die Kapitalabflüsse aus Peripheriestaaten anhalten, wie Bruegel, ein Brüssel beheimatetes Research-Institut, angibt. Das Anleihenkaufprogramm der EZB, auch als quantitatives Lockerungsprogramm (QE) bezeichnet, hat dies aber nicht stoppen können.

„Das bedeutet, dass eine deutsche Bank oder ein Fonds, die im Rahmen des QE-Programms italienische Staatsanleihen an die EZB verkaufen, die Mittel nicht zurück nach Italien fließen lassen“, sagt Guntram Wolff, Direktor bei Bruegel. „Das verringert auch die Effektivität von QE, weil die Länder, die geldpolitische Stimuli benötigen, diese nicht wirklich erhalten.”

Quelle:  Handelsblatt Online
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