Niedrigzinsen bedrohen Ertragsbasis: Bafin schreibt kleinen Banken feste Kapitalquoten vor

Niedrigzinsen bedrohen Ertragsbasis: Bafin schreibt kleinen Banken feste Kapitalquoten vor

, aktualisiert 12. Januar 2016, 19:31 Uhr
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Im Umgang mit Fintechs will Bafin-Chef Felix Hufeld Interessenkonflikte vermeiden – und den Start-ups nicht „Eimerchen und Schippchen“ in Form einer Erfolgstauglichkeitsprüfung bereitstellen.

von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Die anhaltenden Niedrigzinsen bedrohen nicht nur Sparguthaben, sondern auch Bankengewinne. Die Bafin will deshalb die Risiken der Finanzinstitute verringern. Vor allem kleinere Banken geraten ins Visier der Aufseher.

FrankfurtDie Finanzaufsicht Bafin will die Zinsrisiken der von ihr überwachten 1500 kleinen und mittleren Banken künftig gründlicher kontrollieren und ihnen konkrete Vorgaben für Risikopuffer machen. „Wir werden künftig explizit festlegen, wie hoch die Eigenmittelausstattung sein muss, um sämtliche Risiken abdecken zu können, also auch das Zinsrisiko im Anlagebuch“, sagte Bafin-Präsident Felix Hufeld auf dem Neujahrsempfang der Behörde in Frankfurt.

Die Höhe der Kapitalquote soll bei individuellen Risiko- und Geschäftsmodell-Prüfungen ermittelt werden. Solche Individualprüfungen, im Fachjargon SREP genannt, gibt es bislang nur für die europaweit 129 europäischen Großbanken, die von der Europäischen Zentralbank direkt kontrolliert werden. Die Bafin will sich ein Beispiel daran nehmen: „Das machen wir nach und nach bei allen 1500 kleineren und mittelgroßen Banken, die wir direkt beaufsichtigen, und wir werden auch in Zukunft so vorgehen“, sagte Hufeld.

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Kleinere und mittelgroße Kreditinstitute werden damit an einer deutlich kürzeren Leine geführt als bislang. Denn bei diesen Individualprüfungen dürfen die Bankenaufseher auch Kapitalquoten festlegen, die deutlich über das gesetzliche Minimum hinausgehen.

Hintergrund für das drastische Vorgehen der Bafin sind die niedrigen Zinsen, die an der Ertragsbasis der Kreditinstitute nagen. Bislang machen Zinsgewinne etwa drei Viertel der Erträge deutscher Banken aus. Bei kleinen Instituten liegt der Anteil oft auch bei 80 Prozent.

Doch die niedrigen Zinsen schmälern die Ertragschancen von Banken, die vor allem Kredite vergeben und diese mit Spareinlagen gegenfinanzieren. Der Abstand zwischen Einlagen- und Kreditzinsen ist durch die Geldpolitik der EZB schmerzlich geschrumpft. Um überhaupt noch etwas zu verdienen, könnten Banken nun besonders langfristige Kredite, wie Immobiliendarlehen, mit besonders kurzfristigen Einlagen wie Tagesgeld gegenfinanzieren. So ein Vorgehen würde die Institute gefährden, wenn die Zinsen plötzlich wieder steigen würden.

Bislang gibt es keine gesetzlichen Vorgaben über die Höhe von Sicherheitspuffern für solche Zinsrisiken. Eben das will die Bafin durch SREP-Prüfungen ändern. Diese räumen der Bafin große Spielräume ein – die diese auch nutzen will: „Die Institute, deren Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch besonders hoch ist, können sich unserer besonderen Aufmerksamkeit gewiss sein“, sagte er.

Einer Sonderbehandlung von Fintech-Startups erteilte Hufeld eine Absage. „Warum baut die Bafin keinen Sandkasten, in dem die Unternehmen ihre innovativen Geschäftsideen erst einmal auf Erfolgstauglichkeit testen können, bevor sie eine Erlaubnis beantragen“, fragte Hufeld rhetorisch. Die Antwort: „Weil sie das Mandat nicht hat – und zwar aus gutem Grund: Das Sandkastenmodell birgt Interessenkonflikte.“

Es könne nicht die Aufgabe sein als Aufsicht „Eimerchen und Schippchen“ bereitzustellen. Da sei der Markt gefragt. Er sieht die Aufgabe der Bafin darin, durch „fortlaufende und engagierte“ Aufsicht dafür zu sorgen, dass Kunden einem Fintech vertrauen könnten.

Als Bollwerk der etablierten Banken gegen die junge Konkurrenz will Hufeld aber auch nicht dienen. „Fintechs mit überbordender Bürokratie und unüberwindbaren Markteintrittsbarrieren zu drangsalieren, wäre ebenso falsch wie aufsichtliches Hätscheln“, sagte er.

Quellle:  Handelsblatt Online
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