Niedrigzinsen: EZB-Aufseher fordern Banken zum Umdenken auf

Niedrigzinsen: EZB-Aufseher fordern Banken zum Umdenken auf

, aktualisiert 23. März 2016, 13:25 Uhr
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„Ich glaube, Banken haben Spielräume für Veränderungen, Banken können effizienter arbeiten“, ist die Chefin der EZB-Bankenaufsicht überzeugt.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Europäische Zentralbank setzt den Leitzins auf null - ihre Bankenaufsicht warnt vor den Folgen. Sie sorgt sich um die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells von Kreditinstituten - und der Konkurrenz durch Fintechs.

FrankfurtZinstief, Strafzinsen, Fintech-Konkurrenz - keine leichten Zeiten für Europas Banken. Aufseher halten die Branche zwar für krisenfester als noch vor Jahren. Doch ausruhen sollten sich die Institute nicht. Die Aufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) mahnen Europas Banken angesichts des anhaltenden Zinstiefs zur Anpassung ihrer Geschäftsmodelle. „Ich glaube, Banken haben Spielräume für Veränderungen, Banken können effizienter arbeiten“, sagte die Chefin der EZB-Bankenaufsicht, Danièle Nouy, am Mittwoch in Frankfurt. Auch die zunehmende Digitalisierung von Finanzdienstleistungen (Fintech) fordere die Institute heraus, einige hätten noch mit einem Berg fauler Kredite zu kämpfen.

Insgesamt seien Europas Banken in den vergangenen Jahren wesentlich krisenfester geworden, erklärte Nouy. Die Turbulenzen Anfang dieses Jahres hätten jedoch gezeigt, dass sich viele Investoren Sorgen machten, ob die Institute auch auf Dauer profitabel arbeiten können. „Die Anpassung der Geschäftsmodelle ist auch aus unserer Sicht die größte Herausforderung für den europäischen Bankensektor“, betonte Nouy. Darum wollen die Aufseher in diesem Jahr die Geschäftsmodelle der Institute genauer unter die Lupe nehmen.

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Die EZB ist seit November 2014 für die Bankenaufsicht in der Eurozone zuständig und kontrolliert die 129 größten Institute im Währungsraum direkt („Single Supervisory Mechanism“/SSM). Eine generelle Sonderbehandlung kleinerer Banken lehnte Nouy ab - es müsse aber sichergestellt werden, dass die einheitlichen europäischen Vorgaben mit Augenmaß umgesetzt würden, um nationalen Besonderheiten Rechnung zu tragen. Deutschlands Sparkassen und Volksbanken sehen sich über Gebühr von schärferen Regeln belastet.

Zugleich ist es für die einheitliche europäische Aufsicht alles andere als ideal, wenn sie sich mit einer Vielzahl unterschiedlicher nationaler Rechtsvorschriften auseinandersetzen muss. In ihrem Jahresbericht bilanzieren die EZB-Aufseher: „Unser Ziel einer wahrhaft europäischen Bankenaufsicht haben wir zwar noch nicht erreicht, aber wir sind ihm ein gutes Stück näher gekommen.“ Sabine Lautenschläger, Vize-Chefin der EZB-Bankenaufsicht, bekräftigte: „Wir haben viel erreicht bei der Harmonisierung der Regulierung, aber es gibt immer noch viel zu tun.“

Als dritte Säule für ein stabileres Bankensystem in Europa neben Bankenaufsicht und gemeinsamen Regeln zur Abwicklung von Kriseninstituten macht sich die EZB für eine grenzübergreifende Sicherung von Spareinlagen stark. Die gemeinsame Einlagensicherung ist vor allem in Deutschland umstritten, wo es schon lange gut gefüllte Töpfe für den Notfall gibt. Die deutsche Branche will nicht für Altlasten aus anderen Eurostaaten haften müssen. Nouy forderte, der Abbau nationaler Risiken und die Vereinheitlichung der Sicherungstöpfe müssten parallel laufen.


Kapitalanforderungen sollen nicht verschärft werden

Auch nach Ansicht der deutschen Wirtschaftsweisen birgt die Politik der Notenbank größere Risiken für die Geldhäuser. „Mittelfristig stellt vor allem die Niedrigzinsphase im Euro-Raum das Geschäftsmodell der Banken grundsätzlich infrage“, heißt es in dem am Mittwoch aktualisierten Konjunkturausblick der Forscher. Auch Kreditrisiken aus dem Ölgeschäft lasteten auf den Instituten. Die Experten sprechen von einer „zunehmenden Aushöhlung des Geschäftsmodells der Banken“. Diese dürfte demnach zu den deutlichen Aktienkursverlusten der Finanzinstitute im Februar beigetragen haben. „Es handelte sich vermutlich nicht um reine Übertreibungen.“

Die Zeit immer schärferer Kapitalanforderungen für Geldhäuser neigt sich nach Einschätzung der EZB-Bankenaufsicht dem Ende zu. „Es wird keine signifikanten weiteren Erhöhungen der Kapitalanforderungen geben“, sagte die oberste Bankenaufseherin der Europäischen Zentralbank (EZB), Daniele Nouy, am Mittwoch in Frankfurt. Die regulatorische Reform sei fast abgeschlossen. „Wir diskutieren kein Basel IV.“ In der Bankenbranche gab es zuletzt die Sorge, es könne zu einer weiteren Regulierungswelle kommen - von Fachleuten „Basel IV“ genannt.

Nach den Erfahrungen aus der Finanzkrise wurden international schärfere Kapitalanforderungen für Banken festgelegt. Diese strengeren Basel-III-Regeln sollen in Europa schrittweise bis 2019 eingeführt werden. Die Institute müssen dabei vor allem dickere Kapitalpolster aufbauen, um mögliche Verluste abzufedern.

Quelle:  Handelsblatt Online
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