Nigel Farage vs. Bob Geldorf: Die Seeschlacht von Westminster

Nigel Farage vs. Bob Geldorf: Die Seeschlacht von Westminster

, aktualisiert 15. Juni 2016, 15:27 Uhr
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An der Brücke wurden die Brexit-Gegner bereits erwartet.

von Carsten HerzQuelle:Handelsblatt Online

Die Brexit-Debatte nimmt skurrile Züge an: Auf der Themse hupen Befürworter und Gegner des EU-Ausstiegs um die Wette. Mittendrin: Rechtspopulist Nigel Farage und Musiker-Legende Bob Geldof.

LondonDen ganz großen Auftritt, den kann Nigel Farage. Vor einer Woche kam der Anführer der rechten, europafeindlichen Ukip-Partei wie ein Star mit einem offenen, lilafarbenen Kampagnen-Bus zum TV-Duell mit dem britischen Premier David Cameron vor. Doch was ist schon ein Bus, wenn es auch eine ganze Flottille sein darf? Mit einer Parade britischer Fischkutter demonstrierte der Rechtspopulist am Mittwoch auf der Themse für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union – doch die fernsehtauglichen Bilder werden empfindlich gestört. Denn Lord Nigel und seine Flotte werden attackiert – und zwar von niemand geringerem als dem britischen Popstar Bob Geldof.

Die Seeschlacht von Westminster. Als knapp vor 12.30 Uhr britische Zeit rund 20 Schiffe mit tutenden Nebelhörnern die Tower Bridge und das Parlament passieren – geschmückt mit der britischen Flagge und Bannern – ist die Welt für Farage noch in Ordnung. „Leave, Save our Country“ (Tritt aus, rette unser Land) oder „The Only Way is Brexit“ (Der Brexit ist der einzige Weg) ist auf den Bannern zu lesen, die an vielen Schiffen hängen. Einige haben auch eine Piraten-Flagge gehisst. „Die EU-Mitgliedschaft hat unsere Industrie zerstört“, erklärte Farage, bevor er an Bord ging. Das Deck seines Schiffes war mit britischen Flaggen und Liegestühlen in den Farben des Union Jack bestückt. Bei der Flottille handele es sich nicht um eine Party, „sondern einen Protest mit Vollgas“, sagte der Politiker. „Wir wollen unsere Gewässer zurück.“

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Doch genau diese Gewässer sind umkämpfter als Farage sich das ausgemalt hat. Denn plötzlich fährt eine Gruppe kleiner Motor- und Schlauchboote mit großen, bunten „In“-Fahnen unter Führung des britischen Popstars Bob Geldof dem Konvoi in die Parade – und macht Kapitän Nigel immer wieder die Themse streitig. Andere EU-Befürworter buhen vom Ufer aus die Flottille aus. Schließlich geht ein großer, weißer Ausflugsdampfer längsseits zur Anti-EU-Flottille, auf dem Geldof per Megafon und Lautsprecher nun in den verbalen Nahkampf mit Farage geht. Lautstark beschallt er Publikum und Ukip-Anhänger mit dem Lied „In With The In Crowd“. Zudem ruft er immer wieder in Richtung des Rechtspolitikers: „Farage, Du bist ein Betrüger. Du bist überhaupt kein Freund der britischen Fischer.“

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace warf Farage „zynischen Opportunismus“ vor. Für die Probleme der Fischereiindustrie seien die von der britischen Regierung erdachten Fangquoten verantwortlich, nicht die EU. Aber Farage geht es an diesem Mittwoch nicht um sachliche Argumente, sondern vor allem um die Kraft der Bilder, weshalb die Piratenaktion des Aktivisten Geldof den Europakritiker gehörig auf die Nerven zu gehen scheint. Ein „In“-Boot vertreiben die Fischer anfangs noch mit einer Wasserkanone. Am 23. Juni wird Farage aber bessere Argumente brauchen, um Sieger in der EU-Schlacht auf der Insel zu bleiben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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