NordLB übernimmt Bremer Landesbank: Kommt die Super-Landesbank?

NordLB übernimmt Bremer Landesbank: Kommt die Super-Landesbank?

, aktualisiert 02. November 2016, 16:27 Uhr
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Der Konzentrationsprozess geht weiter: Die große Schwester aus Hannover übernimmt die Bremer Landesbank.

Quelle:Handelsblatt Online

Mit der Übernahme der Bremer Landesbank durch die NordLB gibt es ein öffentlich-rechtliches Zentralinstitut weniger. Doch Puristen meinen: Sechs sind noch zu viel. Mehr als eine Landesbank brauche Deutschland nicht.

FrankfurtDer Befund ist verheerend: Die „Zersplitterung der Kräfte“ verursache „erhebliche Mehrkosten“, auf sich gestellt seien die vielen einzelnen Landesbanken nicht überlebensfähig. Am besten wäre es, die Kräfte in einem einzigen Institut zu bündeln. Dieser Rat von McKinsey-Beratern stammt aus dem Jahr 1989. Doch aus der „Super-Landesbank“ wurde bis heute nichts – obwohl die Idee einer stärkeren Konzentration im öffentlich-rechtlichen Lager immer wieder prominente Verfechter findet.

„Die meisten Landesbanken haben offensichtlich kein tragfähiges Geschäftsmodell“, urteilte beispielsweise im Frühjahr 2008 der damalige Bundespräsident Horst Köhler, von 1993 bis 1998 auch Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, und empfahl ein Zentralinstitut. Der Wegfall staatlicher Garantien 2005 hatte Bilanzen explodieren lassen und etliche Landesbanken in riskante Geschäfte getrieben.

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Immerhin: Die Finanzkrise der Jahre 2007 und 2008 zwang die Branche zum Umsteuern. Die kriselnde SachsenLB kam 2007 per Notverkauf unter das Dach der Landesbank-Baden-Württemberg (LBBW), die bis dato rechtlich selbstständige LBBW-Tochter Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) wurde rückwirkend zum 1. Januar 2008 vollständig in die größte deutsche Landesbank integriert. Die Düsseldorfer WestLB, ehemals stolze Nummer eins unter den öffentlich-rechtlichen Instituten, wurde zum 30. Juni 2012 zerschlagen. Die HSH Nordbank, einst größter Schiffsfinanzierer der Welt, muss auf Druck aus Brüssel bis 2018 verkauft werden.

Jüngster Akt in der Neuordnung der deutschen Landesbanken-Landschaft: Die Übernahme der angeschlagenen Bremer Landesbank (BLB) durch die NordLB. Damit schrumpft die Zahl der selbstständigen Landesbanken auf sechs, vor der Finanzkrise waren es noch elf.

Doch vielen geht das nicht weit genug. Im Sommer forderte der streitbare Präsident des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, Rolf Gerlach, unter der Überschrift „Sparkassen brauchen ein Spitzeninstitut“ in der „Börsen-Zeitung“ eine Zusammenführung der zur Hauptstadtsparkasse mutierten Landesbank Berlin, der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und des Sparkassen-Wertpapierhauses Dekabank: „Die Sparkassenorganisation sollte ... nicht noch länger zögern, ihre strukturellen Nachteile im Verbund zielgerichtet zu bearbeiten.“


„Nicht weit entfernt vom Optimum“

Auch Fitch-Analyst Roger Schneider meint: „Eine stärkere Zentralisierung wäre wünschenswert.“ Der Landesbankenkenner schränkt allerdings gleich ein: „Ich halte das für schwer realisierbar. Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen, dass man BayernLB und LBBW zu einer großen Süd-Landesbank zusammenbringt.“

Gunter Dunkel, Chef der NordLB und Präsident des Bankenverbandes VÖB, hält ohnehin nichts von radikalen Schritten. „Eine Superlandesbank käme auf eine Bilanzsumme von 1.000 Milliarden Euro. Das wäre eindeutig 'too big to fail'. Ein solches Institut will keiner finanzieren“, sagte Dunkel Ende September – wenige Wochen nach der Einigung in Sachen Bremen – im Gespräch mit dem Handelsblatt. Dunkel betonte: „Megadeals haben sich in der Vergangenheit meist als Wertvernichter erwiesen. Auch das gehört zur Realität.“

Zur Realität gehört auch, dass die Machtverhältnisse in den Gremien vieler Landesbanken große Veränderungen oft behindern. Landesbanken seien politische Veranstaltungen, meint die „Börsen-Zeitung“. „Die strategische Beteiligung der Länder an den Landesbanken ist historisch gewachsen“, erklärt Fitch-Analyst Schneider. „Die Institute haben als langfristige Partner der Länder etwa im Zahlungsverkehr oder bei der Finanzierung von Landesprojekten durchaus ihre Berechtigung.“

Die Sparkassen scheinen sich mit der neuen Realität abzufinden. „Wir sind mit der derzeitigen Zahl von Landesbanken nicht weit entfernt von einer optimalen Struktur“, sagte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon im März. „Von der Relevanz her reden wir von vier großen Landesbanken: Helaba, LBBW, BayernLB und NordLB.“

Und die schlagen sich ordentlich, wie die Helaba als viertgrößte deutsche Landesbanken in einer Studie aus dem Februar 2016 unterstreicht: „Als Bankengruppe sind die Landesbanken und Sparkassen mit Abstand die Hauptfinanziers der Gemeinden in Deutschland mit einem Anteil von 46 Prozent.“ Auch die Bedeutung der öffentlich-rechtlichen Institute für die Finanzierung der regionalen Wirtschaft sei enorm: Ende 2015 hatten die Sparkassen demnach 22 Prozent Anteil an Krediten an inländische Unternehmen, die Landesbanken kamen auf 19 Prozent, der genossenschaftliche Sektor auf 14 Prozent, große Privatbanken auf zwölf Prozent.

Die Helaba-Ökonomen schließen mit einer Warnung: „Die Schaffung eines einzigen Zentralinstituts könnte schon mittelfristig zu einer Kreditverknappung führen und einen erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten, da dann keine Identifizierung mit dem Wohlergehen der Stammregion mehr gegeben wäre.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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