Norwegischer Staatsfonds: Der Ölfonds leckt

Norwegischer Staatsfonds: Der Ölfonds leckt

, aktualisiert 28. April 2016, 16:22 Uhr
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Im „Statens Pensjonsfond utland“, wie der Ölfonds offiziell heißt, soll der Wohlstand Norwegens für die Zeiten nach der Öl- und Goldära gewahrt werden.

von Matthias StreitQuelle:Handelsblatt Online

Der norwegische Staatsfonds ist schlecht ins Jahr 2016 gestartet. Im ersten Quartal verlor der Fonds mehr als neun Milliarden Euro. Vor allem die sinkenden Ölpreise und die Börsenturbulenzen machen dem Fonds zu schaffen.

Frankfurt am MainDer norwegische Ölfonds hat den Start in das Jahr 2016 verpatzt. Nach den ersten drei Monaten stehen 85 Milliarden norwegische Kronen Verlust zu Buche (umgerechnet 9,2 Milliarden Euro). Der größte Staatsfonds der Welt verliert Geld – schon wieder.

„Die ersten Monate des Jahres waren von hoher Marktvolatilität und der Sorge vor einem schwächeren Wachstum in China geprägt“, sagte Trond Grande, der stellvertretende Vorsitzende von Norges Bank Investment Management, die das Vermögen des Staatsfonds verwaltet.

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Verantwortlich für die Einbußen waren nicht zuletzt die Aktieninvestments, die mit einem Minus von 2,9 Prozent besonders schlecht liefen. Doch auch bei den Anlagen in Immobilienwerte verloren die Norweger mit einem Minus von 1,3 Prozent viel Geld. Nach dem Rückzug aus einer Reihe von Kohleinvestments wollen die Fondsmanager in dieses Segment stärker investieren. Zudem macht das anhaltende Niedrigzinsumfeld Investitionen in Immobilen derzeit attraktiv.

Mit einem Gesamtverlust von 0,6 Prozent hält sich die Negativbilanz insgesamt zwar im Rahmen, dennoch bereiten die Einbußen den Norwegern Sorge. Erst im dritten Quartal 2015 verbuchte der „Statens pensjonsfond utland“ (Staatlicher Pensionsfonds Ausland) den größten Verlust in seiner Geschichte. Damals betrug das Minus gar 29 Milliarden Euro.

Darüber hinaus zog die norwegische Regierung im ersten Quartal diesen Jahres erstmals in der Geschichte des 1996 aufgelegten Fonds Geld für den Staatshaushalt ab. Insgesamt 2,7 Milliarden Euro sind es in den zurückliegenden drei Monaten gewesen. Bis Jahresende hat die Finanzministerin, Siv Jensen, von der rechtspopulistischen Fortschrittspartei weitere Abflüsse geplant. Insgesamt werden es wohl 8,7 Milliarden Euro sein, schätzt der norwegische Zentralbankchef Øystein Olsen. Normalerweise ist es dem Staat nur erlaubt, vier Prozent des Überschusses aus dem Fonds für seinen Haushalt zu nutzen. Doch nun greift die Regierung an die Substanz.

Damit ist der Fonds gleich doppelt getroffen: Einerseits von den Abflüssen an den Staat. Andererseits sind die Zuflüsse aus den Öleinnahmen in den vergangenen Jahren drastisch gesunken. Waren es 2012 noch 30 Milliarden Euro, belief sich der Betrag 2015 auf gerade noch 4,5 Milliarden Euro.

Die Aufgabe der Staatsfonds-Manager ist es, den Wohlstand des Landes zu bewahren, wenn die Öl- und Gasquellen des Landes versiegen. Dafür haben sie das Geld breit angelegt: 59,8 Prozent in Aktien, 37 Prozent in Anleihen und 3,1 Prozent in Immobilien.

Der norwegische Staatsfonds zählt zu den größten Aktionären der Welt: Insgesamt gehören ihm 1,3 Prozent der börsennotierten Konzerne der Welt. In Europa sind es gar 2,4 Prozent. Auch in Deutschland hat der Staatsfonds stark investiert. Er hält beispielsweise 1,2 Prozent der VW-Stammaktien. Aktuell beläuft sich das Vermögen des weltgrößten Staatsfonds auf 7,1 Billionen Kronen – umgerechnet 770 Milliarden Euro.

Dabei schwächen nicht nur der niedrige Ölpreis (der die Einnahmen schmälert), die niedrigen Zinsen (die kaum noch Rendite liefern) und die schwache Investmentperformance (die zum jüngsten Verlust führten) den Fonds. Kämpfen müssen die Norweger derzeit auch mit Wechselkurseffekten. Denn ihre Krone wertete in den vergangenen Monaten auf. Das machte den Staatsfonds um 31 Milliarden Euro leichter.

Bei all den negativen Zahlen fällt auch den Verwaltern ein positiver Ausblick schwer. Doch sie bleiben optimistisch: „Die Unruhe an den Märkten hat im März beträchtlich abgenommen“, sagt Fondsverwalter Grande. Das ist zumindest ein kleiner Trost. Allein: Für die Fondsentwicklung der kommenden Monate hat das noch nichts zu bedeuten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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