Notenbankkonferenz in Jackson Hole: Draghi warnt vor Protektionismus

Notenbankkonferenz in Jackson Hole: Draghi warnt vor Protektionismus

, aktualisiert 25. August 2017, 22:19 Uhr
von Jan MallienQuelle:Handelsblatt Online

In seiner Rede im amerikanischen Jackson hat EZB-Präsident Draghi ein Plädoyer für offene Märkte und weltweite Zusammenarbeit gehalten. Zur Geldpolitik äußerte er sich nicht - der Euro legte dennoch deutlich zu.

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Mario Draghi plädiert für eine offene Weltwirtschaft.

FrankfurtFür Mario Draghi war es die letzte Gelegenheit vor der nächsten EZB-Sitzung im September die Märkte auf Änderungen in der Geldpolitik vorzubereiten. Entsprechend groß waren die Hoffnungen vieler Sparer an seine Rede im amerikanischen Jackson Hole. Doch wer auf ein Signal auf einen baldiges Auslaufen der billionenschweren Anleihekäufe der Notenbank gehofft hatte, wurde enttäuscht. Draghi ging weder auf die aktuelle Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ein – noch äußerte er sich zum Wechselkurs des Euro. Stattdessen setzte er in der Kleinstadt in den Rockey Mountains einen ganz anderen Schwerpunkt: Eindringlich warnte der EZB-Chef vor den Gefahren des Protektionismus und nationaler Alleingänge.
„Um eine dynamische Weltwirtschaft zu befördern müssen wir protektionistischen Bestrebungen widerstehen", sagte Draghi. Ein Schwenk zum Protektionismus berge erhebliches Risiko für den weiteren Produktivitätsfortschritt. Dieser sei aber gerade im Hinblick auf die alternde Gesellschaft in den Industrieländern besonders wichtig – und hänge entscheidend vom weltweiten Handel ab.
Draghi räumte ein, dass Freihandel zu stärkerer Ungleichheit führen könne, weil die daraus entstehenden Gewinne sich unterschiedlich verteilten. Daher sei sozialer Ausgleich nötig. Andererseits sei offener Handel aber auch entscheidend, um für mehr Gerechtigkeit, Sicherheit und Gleichheit zu sorgen.

Ähnlich wie zuvor schon die Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, warnte auch Draghi davor, die Regulierung der Finanzwirtschaft aufzuweichen. Dies sei angesichts der expansiven Geldpolitik der Notenbanken besonders gefährlich. Wegen der erheblichen Folgekosten für die Gesellschaft gebe es niemals einen gute Zeitpunkt für lasche Regulierung. Aber es gebe Zeiten, zu denen dies besonders unangemessen sei. "Insbesondere, wenn die Geldpolitik locker ist, birgt eine lasche Regulierung die Gefahr finanzielle Schieflagen zu befördern", sagte Draghi.

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Zur aktuellen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) äußerte sich Draghi nicht. Er verzichtete auch darauf, zu versuchen, den Wechselkurs des Euro zu drücken. Die Gemeinschaftswährung kletterte daraufhin gegenüber dem US-Dollar auf den höchsten Stand seit Januar 2015. Zunächst legte der Euro auf die Marke von 1,1941 Dollar zu – und gab dann wieder Teile der Gewinne ab.
Nach der Aufregung über ein mögliches Feuerwerk Draghis in Jackson Hole, war die Rede ein Reinfall, schreibt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Diba. Der EZB-Chef habe eine nicht-geldpolitische Rede gehalten. Dies dürfe man aber nicht als Signal für einen weicheren Kurs missverstehen. Entscheidend sei nun die nächste EZB-Sitzung am 7. September.

Quelle:  Handelsblatt Online
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