Number 26: Bargeld gibt's nur fünfmal gratis

Number 26: Bargeld gibt's nur fünfmal gratis

, aktualisiert 09. Juli 2016, 17:24 Uhr
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„Fair Use Policy“ nennt wie das Start-up-Unternehmen seine neuen Regeln für Bargeldabhebungen.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Anfang Juni sorgte die Smartphone-Bank Number 26 für Aufsehen, weil sie rund 500 Kunden das Konto kündigte. Jetzt veröffentlich das Fintech neue Gebührenregeln: Für Gratisabhebungen gibt es künftig ein Limit.

Frankfurt Als Anfang Juni bekannt wurde, dass das Berliner Start-up Number 26 Hunderten Kunden die Kontoverbindung zum 1. August gekündigt hatte, war die Verwunderung groß – und der Ärger einiger Kunden. Die junge Finanztechnologiefirma, kurz Fintech, die zu den Stars der Branche zählt, lieferte erst einige Tage später eine Erklärung: Number 26 wollte vor allem Kunden loswerden, die häufig Bargeld abheben – denn das ist für Fintechs teuer.

Es gehe besonders um Kunden, „die ihr Number 26-Konto außer für sehr häufige Bargeldabhebungen nur wenig verwendet haben“, teilte das Unternehmen damals als Begründung für seinen Schritt mit. Im Durchschnitt gehe es um rund 15 Abhebungen pro Monat. Das Unternehmen bezeichnet das als „sehr ungewöhnliches Nutzerverhalten“.

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Number 26 bietet über seinen Partner Wirecard kostenlose Girokonten an, die über das Smartphone verwaltet werden. Nach eigenen Angaben hat die Smartphone-Bank rund 160.000 Kunden und wächst weiter. Zu dem Angebot zählt auch, dass man weltweit gratis Geld an Automaten abheben kann.

Jedenfalls bisher. Denn nun hat Number 26 seine neuen Gebührenregeln veröffentlicht: Geldabheben ist nicht mehr unbegrenzt kostenlos. Der Kern der „Fair Use Policy“, wie das Unternehmen seine neuen Regeln nennt: Fünfmal pro Monat kann der Kunde, der Number 26 als Hauptkonto nutzt, in Deutschland gratis an Bargeld kommen, ab der sechsten Abhebung zahlt er jeweils zwei Euro. Wer sein Hauptkonto woanders hat, zahlt schon ab der vierten Abhebung.

Der Grund für die Gebühr: Number 26 muss selbst 1,50 bis zwei Euro berappen, wenn ein Kunde Geld abhebt. Schließlich hat die Smartphone-Bank selbst kein Automatennetz. Solange ein Kunde monatlich nur ein paarmal an den Automaten geht, halten sich die Kosten für das Fintech in Grenzen. Bei häufigen Abhebungen wird es aber richtig teuer.

„Wir sind davon ausgegangene, dass die Kunden wissen, dass viele Abhebungen für uns mit Kosten verbunden sind“, sagte Number-26-Gründer Valentin Stalf kürzlich dem Handelsblatt. „Im Nachhinein ist klar, dass wir das besser kommunizieren müssen, deshalb bringen wir die Fair-Use-Policy, in der wir alle Rahmenbedingungen für unsere Kunden transparent auflisten.“


Number 26 verweist auf Votum der Kunden

Die Gebührenregeln begründet die Smartphone-Bank mit dem Votum der Kunden, die sie zuvor befragt hat: 84 Prozent der Befragten betrachteten nach Angaben von Number 26 ein Limit für kostenlose Abhebungen als fairste Lösung. Die Varianten, Gebühren für jeden oder für jede Abhebung zu verlangen, fanden weitaus weniger Zustimmung. Abhebungen bei Einzelhändlern, mit denen Number 26 Verträge hat, bleiben gratis.

Allzu viele Kunden werden die neuen Gebühren daher wohl nicht abschrecken. „Number 26 hat den Kunden eigentlich etwas anders versprochen. Aber wahrscheinlich kann Number 26 sich das neue Gebührenmodell leisten, weil die meisten anderen Banken ebenfalls Servicegebühren erheben“, sagt Torsten Stuska, Partner der Beratungsfirma Moonroc Advisory Partners. „Es gibt wenig Banken, die das Konto noch weitgehend gratis anbieten.“

Trotz der jetzt klaren Regeln bleibt mit Blick auf die Kontokündigung ein Punkt unklar. Laut Number 26 ging es besonders um Kunden, die sehr oft – also im Schnitt 15 Mal pro Monat – Geld abgehoben haben. Es gibt aber einige Nutzer, die sagen, sie hätten nur vier oder fünf Mal im Monat Geld abgehoben und trotzdem eine Kündigung erhalten. Und die Gebühren setzen nun auch bei der sechsten Abhebung an.

Dazu äußerte sich Co-Gründer Maximilian Tayenthal jüngst entschieden: „Dass Kunden gekündigt wurde, die weniger als zehn Mal im Monat am Automaten waren, kann ich ausschließen“, sagte er. So verwies er auf Fälle, bei denen Kunden kostenträchtige Bargeldeinzahlungen mit einer Miles & More-Kreditkarte vorgenommen hätten, um an eine Punktegutschrift zu kommen.

Dabei hat die Aufmerksamkeit durch die Kündigungen Number 26 sogar trotz des Kommunikationsdesasters geholfen. „Seitdem die Medien das Thema aufgegriffen haben, verzeichnen wir ein erhöhtes Kundenwachstum“, sagte Tayenthal.

Ob die Rechnung des Fintechs aufgeht und es künftig mit Produkten rund um Finanzierung, Sparen, Investieren und Versicherungen Geld verdient, wird sich erst in einiger Zeit erweisen. „Number 26 ist ein schönes Experiment am deutschen Bankenmarkt. Bisher ist es eine sehr kleine Nischenbank. Deshalb wird es noch dauern, bis sich zeigt, ob das Experiment funktioniert“, sagt Stuska.

„Man kann Number 26 mit der ING Diba vergleichen“, meint der Berater. Die habe am Anfang in Deutschland hohe Einlagenzinssätze geboten um einen ersten Kundenstamm aufzubauen. „Nach und nach hat die Bank ihre Angebote erweitert und damit auch die Zahl der Kunden.“

Daran scheinen Investoren zu glauben. In einer neuen Finanzierungsrunde hat Number 26 rund 40 Millionen Dollar eingesammelt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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