Number26: Wachstum trotz Konto-Kündigungen

Number26: Wachstum trotz Konto-Kündigungen

, aktualisiert 10. Juni 2016, 17:07 Uhr
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Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf, Gründer der Smartphone-Bank.

von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Mit einer Welle von Konto-Kündigungen hat der Girokonto-Anbieter Number26 massive Kritik auf sich gezogen. Dem Wachstum hat das nicht geschadet. Im Gegenteil, sagt einer der Gründer in einem Interview.

FrankfurtDer ungeschickte Umgang mit unprofitablen Kunden hat dem Girokonto-Anbieter Number26 nach eigenen Angaben nicht geschadet. „Seitdem die Medien das Thema aufgegriffen haben, verzeichnen wir ein erhöhtes Kundenwachstum“, sagte Maximilian Tayenthal, einer der beiden Gründer des Unternehmens, der Tageszeitung „Die Welt“.

Die Zahl der Neukunden habe sich um mehr als die Hälfte erhöht. Derzeit hat das Fintech-Start-up nach eigenen Angaben 160.000 Kunden, die eigenen Ambitionen gehen aber deutlich darüber hinaus. „Wir streben eine deutliche Millionenzahl an“, sagte Tayenthal in einem weiteren Interview mit dem „Business Insider Deutschland“. „Die Welt“ und „Business Insider“ gehören zum Medienkonzern Axel Springer, der eine kleine Beteiligung an Number26 besitzt.

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Das Fintech geriet in die Kritik, nachdem es etlichen seiner Kunden zunächst ohne Vorwarnung und ohne Begründung gekündigt hatte. „Wir haben absolut schlecht kommuniziert“, räumte Tayenthal ein. Das werde so nicht noch einmal vorkommen.

Nach Angaben von Tayenthal waren 500 Kunden von den Kündigungen betroffen. Number26 bietet ein kostenloses Girokonto ein, mit dem man weltweit gratis Geld an Automaten abheben kann. Doch genau diesen Service nutzten einige Kunden nach Ansicht von Number26 zu häufig – jede Abhebung kostet zwischen 1,50 und 2,00 Euro. „Wir waren davon ausgegangen, dass unsere Kunden wissen, dass ihr Bargeld fixiertes Verhalten nicht zu einem digitalen Produkt passt“, sagte er. „Wir wollen die Leute auch weiterhin dazu animieren, häufiger bargeldlos zu bezahlen.“

Warum Number26 den Kunden kündigte, anstatt Gebühren einzuführen, wie das Unternehmen es auch schon vor einiger Zeit bei Geldeinzahlungen getan hatte, bleibt allerdings weiter offen. Künftig will das Unternehmen vermutlich eine limitierte Zahl von Gratis-Abhebungen am Automaten einführen. Abhebungen bei kooperierenden Einzelhändlern sollen ohne Limit gratis bleiben, wie Tayenthal andeutet.


Number26 schreibt bislang Verluste

Es gibt Kunden, die sagen, sie hätten weit seltener Geld abgehoben, als die von Number26 kommunizierten 15 bis 30 Mal. „Dass Kunden gekündigt wurde, die weniger als zehn Mal im Monat am Automaten waren, kann ich ausschließen“, sagt Tayenthal dazu. Ausnahme sei, wenn die Kunden das Konto in anderer Weise „missbraucht“ hätten. So verwies er auf Fälle, bei denen Kunden kostenträchtige Bargeldeinzahlungen mit einer Miles&More-Kreditkarte vorgenommen hätten, um an eine Punktegutschrift zu kommen.

Zweifel am Geschäftsmodell lässt Tayenthal dennoch nicht gelten. „Unser Geschäftsmodell ist tragfähig, weil wir nur einen Bruchteil der Kundenakquisitionskosten alter Banken haben“, sagt er. Das wird bei einem kostenlosen Girokonto aber nur dann funktionieren, wenn es Number26 gelingt, über seine Plattform auch Produkte zu vertreiben, mit denen sich Geld verdienen lässt. Bislang verdient Number26 etwa an Kartenzahlungen oder über seinen Dispokredit. Das Produktspektrum traditioneller Banken ist größer - und auch Number26 strebt in diese Richtung. „Egal ob Versicherung, Termingeld oder Kredit, wir werden der Marktplatz mit den besten Produkten sein“, sagte er.

Bislang schreibt Number26 jedoch Verluste. Das ficht Tayenthal nicht an. Das Unternehmen könne „innerhalb kürzester Zeit“ profitabel werden, sagt er. Lieber will das Unternehmen zu einer paneuropäischen Bank werden. Dazu sucht es weitere Geldgeber. „Weil wir weiter wachsen wollen und kurzfristig nicht in die Gewinnzone kommen müssen, sprechen wir mit Kapitalgebern“, sagte Tayenthal.

Quelle:  Handelsblatt Online
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