Nutzloser Arbeitsweg: Pendler sollten öfter zu Hause arbeiten

Nutzloser Arbeitsweg: Pendler sollten öfter zu Hause arbeiten

Bild vergrößern

Berufspendler haben viel weniger Freizeit

von Carina KontioQuelle:Handelsblatt Online

Von Beschäftigten wird erwartet, immer erreichbar und vernetzt zu sein. Doch in Wirklichkeit gibt es etwas, das ihre Produktivität ziemlich stark und auf subtile Weise beeinträchtigt – ihr täglicher Arbeitsweg.

Die Sache mit dem Pendeln ist keine Spirituelle, die Fragen zu Partnerschaft und Liebe beantwortet. Sie ist eine Existenzielle. Gebe ich im Internet „Pendeln macht...“ ein, ergänzt die Suchmaschine Google binnen Millisekunden automatisch den Satz und schlägt mir vor: „Pendeln macht krank“, „Pendeln macht müde“, „Pendeln macht unglücklich“ und - ich glaube, hier irrt die Maschine allerdings gewaltig – „Pendeln macht schlank.“

Bevor wir uns gleich mit den Studienergebnissen von Regus beschäftigen (die, wenn man ehrlich ist, nun keine brandheiße Neuigkeit sind), möchte ich Ihnen meine innere Einstellung zum Thema Arbeitsweg mit auf den Weg geben. Die geht so und stammt mutmaßlich von Alf (Sie erinnern sich? Alf ist der Außerirdische, der in einer US-Sitcom mit einem Raumschiff in der Garage der Familie Tanner bruchlandet): „Was nützt es, über verschüttete Milch zu jammern!“

Anzeige

Heißt: Ich habe vor ziemlich genau anderthalb Jahren damit aufgehört, mich über die permanenten Verspätungen der Bahn aufzuregen, nachdem es mich über vier Jahre lang fast wahnsinnig und krank gemacht hat. Es war ganz einfach. Eine Entscheidung in meinem Kopf, die auch im Stau funktionierten dürfte, wenn man nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern mit seinem eigenen Auto ins Büro kommt. Sich über Verspätungen aufzuregen, die man damit doch sowieso nicht beeinflussen kann, ist eine masochistische Zerstörung von Lebensenergie.

Stattdessen besteige ich in der Regel um 8.21 Uhr den Zug, schotte mich mit meinen Kopfhörern von der Außenwelt ab, lese Bücher, die ich rezensieren muss (momentan übrigens gerade von Robert Wringham „Ich bin raus - Wege aus der Arbeit, dem Konsum und der Verzweiflung“ – wie passend) oder bearbeite schon die ein oder andere Arbeits-Mail, denn der Chef ist ja immer wach. Sogar Texte kann ich als Digitalnomadin von unterwegs aus – Cloud sei Dank – schreiben.

Damit gehöre ich allerdings, jetzt sind wir wieder bei der Regus-Studie, zu einer kleinen Minderheit (17 Prozent), die den Arbeitsweg auch als sinnvolle Arbeitszeit für sich nutzt. Der viel größere Teil der Beschäftigten überall auf der Welt ist ziemlich genervt von der Pendelei und betrachtet die tägliche Fahrt ins Büro und wieder nach Hause als massive Beeinträchtigung der Produktivität.

Steuertipps für Pendler

  • Pendler-Pauschale

    Tagespendler können für jeden Kilometer der einfachen Strecke ihres Arbeitswegs 30 Cent absetzen. Wer 50 Kilometer von seinem Job entfernt lebt und 200 Tage im Jahr arbeitet, kann für 10 000 Kilometer 3000 Euro Werbungskosten geltend machen. Bei einem Spitzensteuersatz von 35 Prozent spart man 1050 Euro. Wer mehr als 4500 Euro geltend macht, muss dem Amt meist Tankbelege, Reparaturrechnungen oder TÜV-Berichte vorlegen, sagt der Hamburger Steuerberater Jörg Lemmermann.

  • Zweitwohnung

    Bis 31. Dezember 2013 gilt: Wer in einer anderen Stadt arbeitet und deshalb eine Zweitwohnung hat, darf Mietkosten für bis zu 60 Quadratmeter von der Steuer absetzen. Ab 2014 können für eine Zweitwohnung bis zu 1000 Euro Kosten geltend gemacht werden. In den ersten drei Monaten können Wochenendpendler auch Kosten für Lebensmittel absetzen, außerdem Aufwendungen für Möbel, Bettwäsche, Maklergebühren und eine Heimfahrt pro Woche.

Regus ist übrigens ein Anbieter von flexiblen Arbeitsraumlösungen, dürfte also hocherfreut sein über solche Empfindungen aus der arbeitenden Bevölkerung. Verdient das Unternehmen doch ganz gut daran, überall auf der Welt Büros und Co-Working-Spaces zu vermieten. Laut Regus also ist für eine Vielzahl der Befragten der Arbeitsweg weder effektive Arbeits- noch angenehme Freizeit, sondern vielmehr ein Hindernis, um sich nützlicheren oder unterhaltsameren Dingen zu widmen.

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%