Nutzung von Facebook & Co.: Grünen-Abgeordnete sind Social-Media-Champions

Nutzung von Facebook & Co.: Grünen-Abgeordnete sind Social-Media-Champions

, aktualisiert 06. September 2017, 13:19 Uhr
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In den sozialen Medien sehr aktiv: Die Spitzenkandidaten der Grünen für die Bundestagswahl, Katrin Göring-Eckardt (l.) und Cem Özdemir.

von Dietmar NeuererQuelle:Handelsblatt Online

Soziale Netzwerke sind wichtige Hilfsmittel zur Wählermobilisierung. Eine Untersuchung zeigt: Viele Bundestagsabgeordnete nutzen Facebook, Twitter & Co. Doch am aktivsten über alle Kanäle hinweg sind die Grünen.

Berlin„Unser Wahlkampf wird 2017 so modern wie nie zuvor!“, kündigten vor wenigen Monaten CDU und Junge Union an. Und auch die SPD ließ die Öffentlichkeit wissen, von der „Kampa17“ aus den modernsten Wahlkampf überhaupt zu machen. Bei genauem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass bei der Nutzung moderner Kommunikationsmittel vor allem die AfD den etablierten Parteien den Rang abläuft.

Was Aufmachung und Reichweite betreffe, sei die AfD im Netz „ganz vorne mit dabei“, sagte jüngst der Mainzer Politikwissenschaftler Thorsten Faas. Der Grund liegt für den Wahlforscher auf der Hand: „Bestimmte Logiken sozialer Medien kommen populistischen Parteien einfach entgegen.“ Aber auch andere Parteien versuchen im Internet-Wahlkampf Punkte zu sammeln. Social-Media-Experten loben etwa FDP-Chef Christian Lindner, der besonders gut verstanden habe, wie Facebook und Co. ticken. Er filmt sich zum Beispiel im Auto, das wirkt persönlich und nah.

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Dass Social Media für Politiker unverzichtbar ist, belegt auch eine Auswertung des Bloggers und Politikberaters Martin Fuchs (Hamburger Wahlbeobachter) für den IT-Verband Bitkom. In einer speziellen Untersuchung hat Fuchs die Social-Media-Aktivitäten der 630 Bundestagsabgeordneten unter die Lupe genommen. Zentrales Ergebnis: Die Grünen hängen alle anderen im Parlament vertreten Parteien ab.

Über alle Social-Media-Kanäle hinweg sind die Vertreter der Öko-Partei am aktivsten (63 von 63; 100 Prozent), gefolgt von SPD (191 von 193; 99 Prozent), Die Linke (62 von 64; 97 Prozent) und CDU/CSU (291 von 309; 94 Prozent).

Während Facebook für die Abgeordneten aller Fraktionen eine wichtige Plattform ist, gibt es bei der Nutzung von Twitter und Instagram deutliche Unterschiede. Auf Twitter mit Abstand am aktivsten sind die Grünen-Abgeordneten (58 von 63; 92 Prozent), dahinter folgen nahezu gleichauf Linke (46 von 64; 72 Prozent) und SPD (133 von 193; 69 Prozent).

Von der Unionsfraktion nutzt nur jeder zweite Abgeordnete (149 von 309; 48 Prozent) Twitter. Bei Instagram liegen ebenfalls die Grünen vorne (26 von 63; 41 Prozent), gefolgt von CDU/CSU (84 von 309; 27 Prozent), Linke (14 von 64; 22 Prozent) und SPD (72 von 193; 10 Prozent).


„Kontakt zu Jungwählern scheint nicht im Fokus zu stehen“

Große Zurückhaltung gibt es quer durch alle Fraktionen gegenüber Snapchat (Grüne: 2 von 63; 3 Prozent; CDU/CSU: 6 von 309; 2 Prozent, Linke: 1 von 64; 2 Prozent; SPD: 2 von 193; 1 Prozent).

„Für Politiker aller Parteien ist Social-Media-Präsenz unverzichtbar, um öffentlich wahrgenommen zu werden, in politische Debatten einzugreifen und mit Bürgern in Dialog zu treten“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. „Der Kontakt zu Jungwählern scheint für die Abgeordneten aber nicht im Fokus zu stehen. Auf Plattformen mit überwiegend jungen Nutzern sind die Politiker kaum vertreten.“

Laut der im August erstellten Analyse von Fuchs sind 608 der derzeit 630 Bundestagsabgeordneten in mindestens einem sozialen Netzwerk aktiv (97 Prozent). Bei dem unter Jungwählern besonders beliebten Snapchat sind lediglich 11 von 630 Bundestagsabgeordneten vertreten (2 Prozent).  Am populärsten ist Facebook (580 von 630; 92 Prozent), gefolgt von Twitter (387 von 630; 61 Prozent) und Instagram (196 von 630; 31 Prozent).

Auch regional zeigen sich deutliche Unterschiede in der Social-Media-Nutzung der Bundestagsabgeordneten. Je nach Heimat-Bundesland sind die Mandatsträger in den Sozialen Netzwerken unterschiedlich stark vertreten.  Am aktivsten sind Abgeordnete aus Mecklenburg-Vorpommern, dem Saarland und Thüringen mit jeweils 100 Prozent. Schlusslicht sind Mandatsträger aus Bremen mit einer Social-Media-Nutzung von 67 Prozent.

Auch je nach Plattform gibt es regionale Unterschiede. Twitter ist bei Hamburger Abgeordneten am stärksten verbreitet (92 Prozent), gefolgt von den Kollegen aus dem Saarland (88 Prozent) und Berlin (82 Prozent).

Eher zu den Twitter-Muffeln gehören Abgeordnete aus Thüringen (50 Prozent) und Bremen (33 Prozent).

Auf Instagram führen mit deutlichem Abstand die Hamburger (69 Prozent) vor den Rheinland-Pfälzern (48 Prozent) und den Berlinern (44 Prozent), hinten liegen die Niedersachsen, Sachsen (jeweils 21 Prozent) und Bremer (17 Prozent).

Quelle:  Handelsblatt Online
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