Ölpreisverfall drückt auf die Währung: Tief, tiefer, Rubel

Ölpreisverfall drückt auf die Währung: Tief, tiefer, Rubel

, aktualisiert 15. Januar 2016, 17:35 Uhr
Bild vergrößern
Quelle:Handelsblatt Online

Der Ölpreis rutscht unter die 30-Dollar-Marke und reißt damit auch die Währungen der Ölexporteure nach unten. Besonders den Rubel hat es erwischt. Die russische Währung verzeichnet ein Rekordtief gegenüber dem Dollar.

DüsseldorfFür Ölexporteure ist der Jahresbeginn ein Albtraum, so auch für Russland. Am Freitag ist der Preis für den – eigentlich wertvollen – Energieträger Öl erneut unter die 30-Dollar-Marke gerutscht. Sowohl die texanische Sorte WTI als auch die Nordseesorte Brent kosteten weniger. Und im Sog ging es auch für die russische Währung, den Rubel, kräftig nach unten.

Gegen Mittag war ein Dollar 77,6 Rubel wert und damit so viel wie noch nie. Weder die Finanzkrise 2009 noch nach der die Annexion der Krim 2014 durch Russland und die anschließenden Sanktionen seitens Europa und der USA hatten dermaßen verheerende Auswirkungen auf die russische Währung.

Anzeige

Der Rubel steht mit seinem Fall nicht allein da. Eine Reihe weiterer, rohstoffabhängiger Währungen, begab sich ebenfalls auf Talfahrt: Der Australische Dollar zum Beispiel verlor in der Spitze 1,7 Prozent auf 0,68 US-Dollar, den tiefsten Stand seit knapp sieben Jahren. Für einen kanadischen Dollar erhält man derzeit gerade einmal 69 US-Cent. Für die kanadische Währung bedeutet das ein 13-Jahres-Tief.

Im Zuge des Rubel-Verfalls sind am Freitag auch die Aktienmärkte Russlands eingebrochen. Der Leitindex Micex verlor im Tagesverlauf rund 4,3 Prozent. Daten der Finanznachrichten-Agentur Bloomberg zufolge büßte der Index auf Wochensicht rund 7,7 Prozent ein – und damit so viel wie seit 2012 nicht mehr innerhalb einer Handelswoche.

„Als der Ölpreis unter die psychologisch wichtige Marke von 30 Dollar gerutscht ist, waren viele Investoren verunsichert”, erzählt Oleg Popov, Portfolio-Manager von April Capital in Moskau. „Einige von ihnen mussten die Nerven verloren und in ihrer Panik den Verkaufsknopf gedrückt haben.”

Unter den größten Verlierern im Index ist zum Beispiel der Ölkonzern Lukoil mit einem Minus von rund sechs Prozent. Der Gas-Riese Gazprom verlor 3,8 Prozent. Auch die Aktie der russischen Sberbank, einer der größten Kreditgeber der russischen Unternehmen, rutschte mehr als sechs Prozent tiefer. Zwar glauben viele Analysten, dass es für eine Russland-Panik noch zu früh sei. Doch das gilt vor allem für die russischen Ölkonzerne. Diese führen dank eines staatsfreundlichen Steuersystems einen großen Teil ihrer Gewinne an den Staat ab, bürden ihm aber zugleich auch die größten Risiken auf.


Zinsen auf russische Staatsanleihen ziehen an

Der russische Staatshaushalt ist extrem auf Einnahmen aus Ölexporten angewiesen. Der bisherige Haushaltsentwurf sah einen Ölpreis von 50 US-Dollar je Barrel im Jahresdurchschnitt als Orientierungsmarke vor. Doch selbst mit diesem – im Lichte des neuerlichen Preisverfalls – großzügig kalkulierten Preises, stünden Einnahmeverluste von umgerechnet 30,9 Milliarden US-Dollar zu Buche, rechnet Bloomberg vor. Das entspricht etwa drei Prozent des russischen Bruttoinlandprodukts.

Noch gleicht das Land seine Finanzlücken mit Hilfe eines Staatsfonds aus. Doch bereits im Sommer prognostizierten Analysten der Unicredit, dass die Reserven bis 2017 schmelzen könnten. Konstantin Artemov, Geldmanager bei Raiffeisen Asset Management in Moskau, glaubt, dass es bereits in diesem Jahr geschehen könnte: „Russland wird versuchen, so viel Geld wie möglich über den Anleihemarkt zu bekommen, um die Haushaltslöcher zu stopfen”, so der Manager.

Doch das ist teuer. Die Kurse russischer Staatsanleihen haben im laufenden Jahr rund sechs Prozent verloren. Ihre Kursperformance ist damit eine der schlechtesten unter den Schwellenländer-Anleihen. Im Moment liefern zehnjährige russische Staatsanleihen Investoren eine Rendite von 10,7 Prozent. Zweijährige Papiere bringen derzeit mehr als elf Prozent. Doch jeder Käufer aus dem Ausland setzt sich einem enormen Währungsrisiko aus.

Obwohl Russlands Wirtschaft unter den fallenden Ölpreisen ächzt, scheinen vor allem inländische Investoren gewillt zu sein, dem Staat beim Verschulden zu helfen. Die ersten beiden Anleihe-Auktionen dieses Jahres haben dem Haushalt 17,3 Milliarden Rubel eingebracht und damit 97 Prozent dessen, was erwartet wurde.

Sollte die russische Zentralbank sich zu einer Zinssenkung entschließen, wäre das für Investoren ein weiterer Anreiz, russische Staatsanleihen zu kaufen. Die Sorge vor einem möglichen Staatsbankrott wie 1998, wie sie der russische Finanzminister Anton Siluanov am Donnerstag geäußert hatte, würde dann wohl etwas das Schreckenspotenzial genommen.

Quellle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%