Ölpreisverfall: Opec-Staaten wollen nicht mit Russland sprechen

Ölpreisverfall: Opec-Staaten wollen nicht mit Russland sprechen

, aktualisiert 29. Januar 2016, 09:32 Uhr
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Während sich Russland um eine Drosselung der Fördermenge bemüht, verfolgen die Opec-Staaten eine ganz andere Strategie.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Vorstoß Russlands für eine Drosselung der Ölfördermenge stößt bei den Opec-Staaten auf taube Ohren. Die Rohstoffmärkte sind dennoch hoffnungsfroh gestimmt. Der Ölpreis steigt.

FrankfurtVor zwei Tagen sorgte der russische Energieminister, Alexander Novak, für neue Hoffnung an den Rohstoffmärkten. Novak hatte am Mittwoch erklärt, dass er plane, sich im kommenden Monat mit Vertretern der Opec-Staaten zu treffen, um mögliche Maßnahmen zur Drosselung der Fördermenge von Rohöl zu diskutieren.

Das ließ den Ölpreis, der in den vergangenen Wochen immer wieder unter die 30-Dollar-Marke rutschte, am Donnerstag zwischenzeitlich auf ein Drei-Wochen-Hoch klettern. Auch an diesem Freitag halten die Spekulationen um eine mögliche Fördermengen-Drosselung an. Der Terminkontrakt für die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee gewann bis zu 2,7 Prozent auf 34,82 Dollar je Barrel. Damit summiert sich das Plus der zu Ende gehenden Woche auf knapp acht Prozent.

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Fraglich ist jedoch, wie lange die Euphorie noch anhält. Die Opec-Staaten zeigen sich alles andere als begeistert von der russischen Annäherung. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg gaben vier Opec-Vertreter zu verstehen, dass sie nichts über mögliche Gesprächspläne wüssten. Ein Staatsvertreter sagte, dass der Anführer des Opec-Kartells, Saudi Arabien, keinerlei Vorschläge zur Reduktion der Ölfördermenge gemacht hätte. Zuvor hatte die staatsnahe russische Nachrichtenagentur Interfax gemeldet, dass der Ölstaat die Fördermenge um rund fünf Prozent kürzen wolle. Dabei berief sich die Agentur auf Energieminister Novak.

Experten vermuten, dass die russischen Politiker durch öffentliche Äußerungen „testen” wollen, wie die Opec-Staaten auf Vorschläge zu Förderabsprachen reagieren. Offenbar haben die erdölreichen Staaten zwar nicht die Absicht, sich zu bewegen, allerdings bewegen sich die Märkte. Und das kommt vor allem dem russischen Haushalt zugute. Immerhin kommen rund 40 Prozent der russischen Staatseinnahmen gegenwärtig aus dem Ölgeschäft. Dass der Ölpreis purzelt, macht dem Land also besonders zu schaffen. Das russische Haushaltsdefizit ist so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr und das Finanzministerium stellt in Aussicht, dass sich die Lücke in diesem Jahr noch vergrößert.

Während Russland also allen Grund hat, auf Kooperation seitens der Opec-Staaten zu hoffen, verfolgen diese eine ganz andere Strategie. Denn trotz des fallenden Preises wollen Saudi Arabien und die anderen Opec-Mitglieder weiterhin ihre Markanteile an den Rohstoffmärkten verteidigen – etwa gegen die amerikanischen Schieferölproduzenten. Für die Opec-Staaten könnte es sich lohnen, solange abzuwarten, bis die amerikanischen Firmen an ihre Ertragsgrenzen stoßen. Und anders als Russland können sich die Saudis offenbar einen anhaltend niedrigen Ölpreis noch leisten.

Hinzu kommt, dass auch geopolitische Differenzen die Länder trennen. Während der syrische Präsident Bashar Al-Assad ein russischer Verbündeter im Syrien-Konflikt ist, möchte Saudi Arabien ihn am liebsten loswerden.

So liegt es nahe, dass der Anstieg der Ölpreise von kurzer Dauer sein wird. Die Experten der ANZ Bank warnten vor überzogenen Erwartungen: „Die Wahrscheinlichkeit einer Einigung ist extrem gering. Ohne eine Förderkürzung besteht das Risiko weiterer Preisrückgänge.” Auch andere Börsianer äußerten sich skeptisch. Wegen der weltweiten Überproduktion ist der Ölpreis seit Mitte 2014 um rund 70 Prozent gefallen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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