Österreich: Toter nach Gasexplosion – Italien von Versorgung abgeschnitten

Österreich: Toter nach Gasexplosion – Italien von Versorgung abgeschnitten

, aktualisiert 12. Dezember 2017, 13:54 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

An einer wichtigen Übergabestation für Gasexporte in Österreich hat es eine Explosion gegeben. Mindestens ein Mensch ist gestorben, die Ursache ist technischer Natur. Mehrere Länder melden Probleme.

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Durch Hitze beschädigt auf einem angrenzenden Parkplatz nach einer Explosion in Baumgarten in Niederösterreich.

Baumgarten an der MarchBei der Explosion einer Gasstation in Österreich ist nach Angaben des Roten Kreuzes ein Mensch getötet worden. 18 Menschen seien verletzt worden, davon 17 leicht und einer schwer, sagte ein Sprecher. Zuvor hatte der Betreiber Gasconnect von vier Verletzten gesprochen, bestätigte später aber die 18 Verletzten und eine vermisste Person. Auf dem Gelände arbeiteten etwa 50 Menschen.

„Die Anlage wurde im kontrollierten Zustand heruntergefahren und ist außer Betrieb“, teilte Gasconnect mit. „Wir können noch keine genauen Angaben über die Ursache und das Ausmaß des Vorfalls machen. Sobald wir Näheres wissen, werden wir weiter informieren.“

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Die Explosion bringt den russischen Gasexport nach Süd- und Südosteuropa empfindlich durcheinander. Die Gazprom-Tochter Gazprom Export teilte in Moskau mit, man arbeite daran, Umgehungsrouten zu finden, um Lieferengpässe zu vermeiden. Aus der Ukraine, dem Haupttransitland für russisches Gas, floss nach slowakischen Angaben am Dienstag ein Drittel weniger Erdgas Richtung Westen als noch am Montag.

Von Österreich aus sei der Weitertransport nach Süden und Südosten bis auf weiteres unterbrochen, hieß es in einer Mitteilung der Gas Connect Austria GmbH. Das betrifft unter anderem die Slowakei, Slowenien, Ungarn und Kroatien.

Auch Italien war als Empfängerland fast völlig abgeschnitten. „Heute gab es einen Vorfall in einer Gasstation in Österreich, weshalb wir ein ernsthaftes Problem mit der Versorgung haben“, sagte Wirtschaftsminister Carlo Calenda laut italienischen Nachrichtenagenturen. Dabei ging er auch auf die geplante Trans-Adria-Gaspipeline Tap ein, die von Aserbaidschan nach Italien führen soll. „Wenn wir Tap hätten, müssten wir heute nicht den Notstand ausrufen wegen dieses Versorgungsmangels.“

Der italienische Netzbetreiber Snam teilte mit, dass die Belieferung möglicherweise noch am Dienstag wieder aufgenommen werden könnte. Die Versorgung sei wegen der Lagerbestände auf jeden Fall gesichert. Auch das Wirtschaftsministerium wies auf Lagerbestände hin und erklärte, dass der Notstand in solchen Fällen automatisch ausgerufen werde. Die Lage sei „unter Kontrolle“.

Die Lieferungen nach Deutschland sind nicht betroffen. Die entsprechende Leitung sei unversehrt geblieben, sagte ein Sprecher von Gas Connect dem Radiosender Antenne Bayern.

Die Polizei in Niederösterreich nannte derweil auf Twitter als Grund für die Explosion eine „technische Ursache“. Weiter hieß es, das Landeskriminalamt Niederösterreich nehme die Ermittlungen auf. Bereits zuvor hatte die Polizei dazu aufgerufen, den Bereich weiträumig zu meiden, aber auch beruhigt: Die Lage sei unter Kontrolle. Die Feuerwehr mit Löscharbeiten beschäftigt, und Rettungskräfte versorgten die Verletzten.

In mehreren Meldungen war von bis zu 60 Verletzten die Rede, die Polizei bestätigte diese Zahl nicht. Auf Bildern waren hohe Flammen zu sehen.

Das Gebiet ist weiträumig abgesperrt. Zahlreiche Rettungskräfte seien im Einsatz, teilte die Polizei. Bei dem Unglücksort in Baumgarten an der March handelt es sich nach Angaben des Betreibers „Österreichs größte Import- und Übernahmestelle für Erdgas“. Sie ist eine zentrale Drehscheibe für die Verteilung von Erdgas in Europa.

Quelle:  Handelsblatt Online
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