Offizieller Präsidentschaftskandidat der Republikaner: Donald Trump will „Amerika zuerst“

Offizieller Präsidentschaftskandidat der Republikaner: Donald Trump will „Amerika zuerst“

, aktualisiert 22. Juli 2016, 06:33 Uhr
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Der Kandidat der Republikaner akzeptierte auf dem Kongress seiner Partei in Cleveland die Nominierung zur US-Präsidentschaftswahl am 8. November.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Er will den amerikanischen Bürgern wieder Gehör verleihen. Donald Trump verspricht den Kampf gegen Wall Street, Korruption, Terror, Arbeitslosigkeit und Verbrechen. Helfen werden ihm Millionen demokratischer Wähler, ist er sicher. Man sollte ihn ernst nehmen.

Cleveland/San FranciscoGemessenen Schrittes trat er von links auf die Bühne. Eine kurze Umarmung für seine Tochter Ivanka Trump, die ihn angekündigt hatte, dann genoss Donald J. Trump die Ovationen seiner Anhänger und ihre „Wir wollen Trump“-Sprechchöre. Dann sprach er die magischen Worte: „Demütig und dankbar nehme ich die Nominierung als Kandidat für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten an“.

Amerika ist seit Donnerstagabend nicht mehr wie es war. Der Unternehmer, verlacht und selbst von der eigenen Partei lange als Polit-Clown verhöhnt, ist einer von zwei Kandidaten, die um das mächtigste Staatsamt der Welt ringen. Dieses Ziel hat der Unternehmer aus New York allen Unkenrufen zum Trotz erreicht. Er hat 16 Gegenkandidaten niedergekämpft und sich eine ganze Partei gefügig gemacht. Aber er hat noch nicht ihre Unterstützung.

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Denn wenn es das Ziel des am Donnerstag beendeten Parteitags war die Partei zu einen, dann hat Donald Trump das Klassenziel verfehlt. Eine von Wut, Ärger, Emotionen und Anfeindungen dominierte Veranstaltung ging nach vier Tagen zu Ende. Eine Veranstaltung, der viele der Parteioberen ferngeblieben sind.

Ted Cruz ist „kein kleines Hündchen“

Aggression und Negativismus waberten wie ein beständig berauschender Alkoholdunst durch die Quicken-Loans-Arena. „Lock her up, lock her up“, skandierten 25.000 republikanische Parteimitglieder an die Adresse von Hillary Clinton, „sperrt sie ein, sperrt sie ein“. TV-Bilder zeigten „Hillary for Prison“-Schilder.

Wenn man den Rednern der vergangenen vier Tage Glauben schenken mag, ist Amerika in einem elenden Zustand – ausgenommen die republikanisch regierten Staaten, die sind fantastisch. Ansonsten verrotten Brücken und Straßen, verängstigt eine außer Kontrolle geratene Kriminalität die Menschen, lockt die Regierung in Washington lieber Terroristen und illegale Einwanderer an, war gebetsmühlenartig wieder zu hören.

Jeder Vorwurf gegen den Präsidenten und die demokratische Kandidatin Hillary Clinton war ein willkommener Anlass für Jubel auf den Rängen. Der negative, destruktive Charakter des Tages, der bezeichnenderweise den Titel trug „Make America One Again“ – vereinige Amerika wieder –, war so überwältigend, dass sich Tom Barrett, ein Geschäftspartner von Trump, zu Beginn seiner Ansprache genötigt sah, erst einmal eines festzustellen: „Ihr werdet heute nichts Negatives über Hillary Clinton von mir hören. Nur Positives über Donald Trump.“

Doch das war die Ausnahme von der Regel im Treffen einer noch immer zutiefst gespaltenen Partei. Selbst Ted Cruz, Senator aus Texas, kartete am Morgen nach seiner von Tumulten und Buhrufen begleiteten Rede, bei der er Trump die Unterstützung verweigert hatte, noch einmal nach.

Er werde jemanden der seine Frau und seinen Vater angegriffen habe niemals unterstützen, wütete er bei einem Treffen mit texanischen Delegierten. Das gemeinsame Versprechen aller Bewerber, den endgültigen Kandidaten zu unterstützen, sei kein „Blankoscheck“. Er sei kein „kleines Hündchen“, das einfach hinterherlaufe.

Trump-Unterstützer wie Chris Christie und Newt Gingrich hatten dafür wütende Antworten parat, aber Trump selbst blieb ungewöhnlich ruhig. „No big deal“, unwichtig, twitterte er nur. Es war klar, dass er den Tag an dem er die Kandidatur der Partei akzeptieren wird, nicht mit Streit und verbalen Ausfällen beginnen durfte.


„Amerikanismus, nicht Globalisierung“

Doch wer dann am Abend eine versöhnliche und positive Ansprache erwartet hatte, die die Partei und das Land doch noch zusammenführen und versöhnen könnte, wurde enttäuscht.

Trump verzichtete zwar auf eine seiner berüchtigten improvisierten Reden aus dem Stand und nutzte den von ihm noch vor Monaten kategorisch abgelehnten „Teleprompter“, um seine sorgfältig gewählten und redigierten Worte abzulesen. Doch über seine sattsam bekannten Schlagworte und vollmundigen Versprechen kam er nicht hinaus. Programmatische Details, mit denen er die noch immer skeptische republikanische Mittelschicht hätte ansprechen und motivieren können.

Er will die Steuern senken, sagt aber nicht, wie er das finanzieren will. Er will die allgemeine Krankenversicherungspflicht wieder aufheben, ohne zu sagen, was danach kommt. Er will Handelsverträge wie Nafta „nachverhandeln“, ohne zu sagen, wo die Problempunkte liegen.

„Amerikanismus, nicht Globalisierung“ werde das Motto seiner Präsidentschaft sein. Wie das aussehen könnte, hat er in einem Interview mit der „New York Times“ angedeutet. Bei Nato-Partnern werde man im Ernstfall prüfen, ob sie „ihren Beitrag“ geleistet hätten, bevor man sich im Krisenfall entscheide werde, ob man eingreife.

Der republikanische Senator Mitch McConnell versuchte am Donnerstag dann schnell, die Flammen wieder auszutreten. Er sagte in einem Interview, er wolle „unseren Nato-Allierten versichern, dass wir da sein werden um sie zu verteidigen, wenn sie angegriffen werden.“ Trumps Wahlkampfteam erklärte, die Aussage des Kandidaten sei „nicht korrekt wiedergegeben“ worden.

Clintons Vorsprung schrumpft weiter

„Wir können nicht mehr so politisch korrekt sein wie früher“, ruft Trump in die Halle und erntet lauten Beifall und „USA, USA“-Rufe. Was „politisch unkorrekt“ bedeutet, lässt er offen. Aber am 20. Januar 2017, wenn er vereidigt sei, dann werde „die Sicherheit in den USA wiederhergestellt“. Wieder erzählt er die Geschichten von US-Bürgern, die von illegalen Einwanderern getötet wurden und legt nach: „Ich bin der Kandidat für Recht und Ordnung!“

Etwas Raum widmete der Immobilien-Milliardär der Wirtschaft. Das Handelsdefizit will er verschwinden lassen und das Haushaltsdefizit angehen. Aber auch hier keine Hinweise darauf, wie das zu bewerkstelligen sein soll. Zentraler Punkt der Ansprache waren wie immer die Mauer zu Mexiko und die Fehler und Versäumnisse von Hillary Clinton: Ihr Vermächtnis sei „Tod, Zerstörung, Terrorismus und Schwäche“.

Nur wie er die Mehrheit der Stimmen am 8. November erreichen will, da hat er schon einen Plan: „Millionen von Demokraten werden sich unserer Bewegung anschließen“, ist Trump sicher. Es werden die Anhänger von Bernie Sanders sein, der „nie eine Chance“ im von Wall Street und Großspendern finanzierten demokratischen Wahlkampf gehabt habe.

So verrückt, wie es sich anhört – Trump hat geschafft, was ihm niemand zugetraut hat: Er hat es bis zur Kandidatur geschafft. Da kann er auch noch Millionen von Bernie-Sanders-Unterstützer erreichen, die in der demokratischen Partei umherirren wie versprengte Söldner nach dem Ende des 30-jährigen Krieges. Oder wie es der Oscar-Gewinner, Filmproduzent („Bowling for Columbine“) und Demokrat Michael Moore ausdrückte: „Sorry, wenn ich hier der Stimmungskiller bin“, sagte er auf einer TV-Diskussion am Donnerstag. „Aber ich glaube, er wird gewinnen.“ Und keiner hat wirklich widersprochen.

Nach den jüngsten Umfrageergebnissen von Real Clear Politics ist der Vorsprung von Hillary Clinton bereits auf 2,7 Prozentpunkte zusammengeschrumpft. Das liegt im Bereich des statistischen Fehlers. Und der Populist mit den simplen Lösungen und dem Gespür für die Sorgen und Hoffnungen der einfachen Menschen hat noch 108 Tage Zeit.

Quelle:  Handelsblatt Online
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