Online-Bezahldienst: Paydirekt droht erneut verkorkstes Jahr

Online-Bezahldienst: Paydirekt droht erneut verkorkstes Jahr

, aktualisiert 31. Mai 2017, 12:50 Uhr
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Der Ende 2015 gestartete deutsche Onlinebezahldienst kommt schwer in Gang. Verbraucher nutzen ihn bisher kaum.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Der Online-Bezahldienst der deutschen Banken läuft Gefahr, sein gesetztes Jahresziel zu verfehlen. Zu wenig neue Kunden registrieren sich bei Paydirekt, wie aus Zahlen der Sparkassen hervorgeht. Dabei ginge es anders.

Frankfurt Der Online-Bezahldienst der deutschen Banken, Paydirekt, kommt weiterhin nur schleppend voran. So registrieren sich wenig neue Sparkassenkunden bei Paydirekt, heißt es in einem Informationsbrief der Sparkassen, der dem Handelsblatt bekannt ist. Dort heißt es, dass sich die Registrierungszahlen zuletzt gesunken seien. Um das von Paydirekt gesteckte Ziel für 2017 zu erreichen, müssten sich weitaus mehr Verbraucher anmelden.

Zuletzt hatten sich demnach gut 450.000 Sparkassenkunden bei Paydirekt angemeldet. Insgesamt zählt der Online-Bezahldienst nach eigenen Angaben aktuell mehr als eine Million registrierter Kunden. Bei privaten und genossenschaftlichen Banken haben sich demnach zusammen also mindestens 550.000 Kunden angemeldet.

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Das ist allerdings weit von dem Ziel entfernt, dass sich das Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Kreditwirtschaft, die damit seit Ende 2015 dem US-Online-Bezahldienst Paypal Paroli bieten will, selbst gesetzt hat: Sieben Millionen neue Nutzer es bis Jahresende gewinnen. Das haben sich die Gesellschafter vorgenommen, wie kürzlich ebenfalls aus einer Sparkassen-Information hervorging. Die Sparkassen, die sich Paydirekt vor einem Jahr anschlossen, müssten ihrem Marktanteil zufolge 2,9 Millionen Kunden beigesteuert haben.

Pikant dabei: Paydirekt gibt die Zahl der registrierten Kunden derzeit mit „über eine Million“ an, auch Ende März waren es schon rund eine Million. Die Sparkassen jedenfalls zählten dieses Jahr monatlich zwischen 20.000 und 30.000 neuer Anmeldungen – also weit weniger, als nötig wäre, um die hoch gesteckte Vorgabe zu erreichen. Das Blog „Bargeldlos“ berichtete zunächst über die rückläufigen Registrierungen.

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband äußerte sich nicht zu den aktuellen Zahlen. Auch Paydirekt teilte mit, grundsätzlich keine Planzahlen zu veröffentlichen oder zu kommentieren. Man arbeite seit Marktstart am Ausbau des Händlerportfolios und habe „bereits nach kurzer Zeit wichtige Top-Händler sowie Händler aller Größen und aus allen Branchen gewonnen – Tendenz steigend“, so Paydirekt auf Anfrage.

Bisher sind rund 950 Händler angebunden. Darunter ist allerdings kaum einer der 100 größten Onlinehändler in Deutschland, über die die meisten Umsätze im E-Commerce laufen. Nur 45 Online-Shops, bei denen man über Paydirekt kaufen kann, gehörten laut dem Kölner Handelsforschungsinstituts EHI zuletzt zu den 1.000 umsatzstärksten der E-Commerce-Branche.


Paypal hat enormen Vorsprung

Im wachsenden Onlinehandel bezahlen die Deutschen nach wie vor am liebsten per Rechnung, zeigt eine EHI-Erhebung. Rund 31 Prozent der Onlinekäufe, gemessen am Umsatz, laufen per Rechnung. Am zweithäufigsten wird online per Lastschrift bezahlt, der Anteil beträgt rund 20 Prozent – was auch daran liegt, dass der Onlinehändler Amazon Lastschrift und Kreditkartenzahlungen akzeptiert, aber nicht Paypal. Deshalb liegt Paypal nur auf Platz drei mit knapp 18 Prozent Anteil, gefolgt von der Kreditkartenzahlung mit zwölf Prozent.

Paydirekt kommt mit seinem eigenen Anteil in der EHI-Untersuchung gar nicht vor. Kein Wunder: Zumindest im vergangenen Jahr war die Zahl der Käufe über Paydirekt sehr gering. Nach Handelsblatt-Informationen liefen bis Ende 2016 weniger als 100.000 Transfers.

Zum Vergleich: Paypal ist in den vergangenen Monaten noch gewachsen und zählt in Deutschland fast 19 Millionen aktive Nutzer, die bei mehr als 50.000 Onlineshops bezahlen können, gibt aber keine Transferdaten für das Land an. Sollten die deutschen Kunden den US-Bezahldienst so oft nutzen wie die Kunden im internationalen Schnitt, dürfte der US-Konzern hier im vergangenen Jahr rund 500 Millionen Transaktionen gezählt haben.

Das Problem der deutschen Geldhäuser mit Paydirekt ist, dass sie erst spät auf den Markt gekommen sind. Wie viel Potenzial ein eigenes Online-Bezahlsystem bei einem frühen Start hat, zeigt das Beispiel Niederlande. Dort laufen 57 Prozent der Zahlungen im Onlinehandel – hier gemessen an den einzelnen Käufen – über „iDEAL“, das vor zwölf Jahren gestartete gemeinsame Angebot der niederländischen Banken.

Quelle:  Handelsblatt Online
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