Online-Marktplätze: „Bei Ebay haben die Marken große Freiheit“

Online-Marktplätze: „Bei Ebay haben die Marken große Freiheit“

, aktualisiert 10. Mai 2016, 06:12 Uhr
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Nach fünf Jahren verlässt Stephan Zoll (Foto) das Unternehmen, ihm folgt Stefan Wenzel, der bisher den Modebereich von Ebay verantwortet hat.

von Florian KolfQuelle:Handelsblatt Online

Mit dem Abo-Programm Ebay Plus wehrt sich der Marktplatz gegen den übermächtigen Konkurrenten Amazon. Im Interview erklären die Deutschland-Chefs, ob das Erfolg hat und welche Neuheiten Kunden noch erwarten können.

An der Spitze von Ebay-Deutschland steht ein Einschnitt bevor. Nach fünf Jahren verlässt Stephan Zoll das Unternehmen, ihm folgt Stefan Wenzel, der bisher den Modebereich von Ebay verantwortet hat. In einem Doppelinterview mit dem Handelsblatt sprechen sie darüber, was Ebay von der Konkurrenz unterscheidet, welche Perspektiven lokale Marktplätze bieten und warum Ebay die tagesgleiche Lieferung skeptisch sieht.

Ende vergangenen Jahres haben Sie das Treue-Programm Ebay Plus eingeführt. Wie ist die Resonanz?
Stephan Zoll: Innerhalb der ersten sechs Monate haben wir bereits die Zahl von 100.000 Mitgliedern überschritten. Die meisten davon waren auch bisher schon Ebay-Kunden, aber wir haben auch ganz neue Mitglieder gewinnen können, die das Programm angezogen hat.

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Macht sich das auch wirtschaftlich bemerkbar?
Stephan Zoll: Als wir gestartet sind, waren etwa neun Prozent des Handelsvolumens von gewerblichen Anbietern im Rahmen von Ebay Plus verfügbar, jetzt liegen wir schon bei 16 Prozent. Die Kurve geht weiter nach oben. Alle Parameter liegen über unseren Erwartungen. Ebay Plus-Mitglieder kaufen häufiger bei uns und haben auch größere Warenkörbe. Mit diesem Start sind wir sehr zufrieden.

Was schätzen die Kunden am meisten?
Stefan Wenzel: Die kostenlosen Retouren. Und wir fangen jetzt auch an, mehr und mehr Promotions drum herum zu bauen, wie beispielsweise Vergünstigungen für das private Verkaufen.

Die Antwort auf die Konkurrenz Amazon Prime funktioniert also?
Stephan Zoll: Wir haben nie gesagt, dass das Programm eine Antwort auf Amazon Prime ist. Aber der Effekt, dass die Kunden mit größerer Selbstverständlichkeit für ihre Käufe zu Ebay kommen, dass die Kundenbindung höher ist, der ist eingetreten.

Immer mehr Onlinehändler bieten jetzt die Lieferung am gleichen Tag an, Sie sind da weiter zurückhaltend. Warum?
Stefan Wenzel: Wir beobachten den Markt natürlich intensiv, ich denke aber nicht, dass bereits der entscheidende Wendepunkt erreicht ist. Da ist mehr Dynamik drin als noch vor einem Jahr und irgendwann wird die taggleiche Lieferung im Markt sicher zumindest für bestimmte Bereiche Standard werden. Wir legen den Schwerpunkt derzeit auf andere Themen, zum Beispiel den Ausbau von Ebay Plus.

Auch andere Anbieter wie Zalando locken die großen Marken mit eigenen Shops auf ihre Plattform. Wie setzen Sie sich vom Wettbewerb ab?
Stefan Wenzel: Bei Ebay haben die Marken große Freiheit, wie sie sich darstellen, wir machen da nicht viele Vorgaben. Wir sind ein offener Marktplatz. Zweitens haben wir eine enorme Reichweite. Und drittens sind wir ein reiner Marktplatz. Anders als Mitbewerber haben wir kein eigenes Handelsgeschäft, wir machen Marken und Händlern keine Konkurrenz um den Kunden.

Für den Kunden bedeutet das aber, dass er je nach Marke ein uneinheitliches Bild bekommen. Kann das nicht auch enttäuschen?
Stefan Wenzel: Da sind wir noch nicht am Ende der Reise, das ist richtig. Unser Ziel ist es, das Einkaufserlebnis für unsere Kunden und den Zugang zu unserem Inventar noch inspirierender zu machen.

Was machen Sie, um das zu verbessern?
Stephan Zoll: Wir haben 900 Millionen Angebote auf der Seite. In der Vergangenheit war es so, dass diese Angebote oft nicht eindeutig einem bestimmten Produkt zugeordnet werden konnten. Jetzt bauen wir Kataloge auf, in denen für eine Vielzahl von Produkten die relevanten Daten hinterlegt sind. Und zweitens fordern wir für immer mehr Produktbereiche von den Verkäufern eindeutige Produktkennzeichnungs-Nummern, die ein Angebot einem bestimmten Produkt zuordnen.

Was hat der Kunde davon?
Stefan Wenzel: Ein Vorteil für den Kunden ist, dass er bei eBay nicht mehr nur Käuferbewertungen zu Transaktionen bekommt, sondern zunehmend auch Produktbewertungen findet, die wir gerade eingeführt haben. Außerdem können wir besser nachvollziehen, was der Kunde genau gesucht hat und ihm zielgerichteter Empfehlungen für andere Produkte geben. Und wir können die Produkte besser in Themenwelten zusammenstellen. So kann der Kunde beispielsweise alle Angebote für iPhones auf einer Seite sehen.


„Bewegung im Markt ist immer gut“

Suchen die Kunden immer noch eher gezielt nach Produkten oder wollen sie sich inspirieren lassen?
Stephan Zoll: Der Großteil gibt noch gezielt Produkte in die Suchmaske ein, weil er das bei Ebay so gewöhnt ist. Aber das ändert sich peu-à-peu, je mehr wir Themenwelten schaffen.

Wo kann man das schon sehen?
Stefan Wenzel: Beispielsweise auf unserem Sneaker Spot, wo wir neue Modelle vorstellen, Empfehlungen geben, mit Branchenexperten kooperieren, Youtube-Videos einbinden. Die Kunst ist, die Artikel so zu präsentieren, dass der Kunde in der Fülle des Sortiments die Produkte findet, die zu ihm passen.

Beschränken sich diese Möglichkeiten nur auf Neuware?
Stefan Wenzel: Nein. Gute Erfahrungen haben wir auch mit unserem Bereich „Top Gebraucht“ gemacht, wo wir gebrauchte Waren zusammenstellen, die in einem hervorragenden Zustand ist. Damit kann man die Nachfrage in diesem Bereich enorm steigern. Wir lassen unsere Nutzer auch ihre eigenen Kollektionen von Ebay-Angeboten zusammenstellen. Auch das interessiert viele Mitglieder. Im Grunde ist Ebay eine große Community, das müssen wir noch besser nutzen.

Sie haben zusammen mit der Stadt Mönchengladbach vor einem halben Jahr einen lokalen Marktplatz auf Ebay aufgesetzt. Ist Projekt ein Erfolg?
Stephan Zoll: Anfangs haben knapp 50 Händler teilgenommen, mittlerweile sind es 77. Das Pilotprojekt ist sehr erfolgreich, 65.000 Artikel wurden in den ersten sechs Monaten verkauft im Wert von 2,5 Millionen Euro. Der Zusatzumsatz pro aktivem lokalem Händler liegt bei 90.000 Euro im Schnitt pro Jahr. Die Käufer kamen aus 79 Ländern, das hat uns auch überrascht. Viele Händler fragen sich jetzt, warum sie das nicht schon längst gemacht haben.

Das Pilotprojekt läuft im Sommer aus. Werden sie die Seite fortführen?
Stefan Wenzel: Die Seite wird weitergeführt, aber nicht mehr so intensiv beispielsweise mit Schulungen unterstützt. Der Zusatzumsatz stärkt das lokale Geschäft. Wir haben jetzt mit dem Handelsverband HDE einen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem sich Städte mit Konzepten für die digitale Innenstadt bewerben können. Wir sind sehr gespannt, was der Wettbewerb für neue Ideen bringen wird.

Ist Ihnen mit dem Einstieg des Metro-Konzerns bei dem Onlinemarktplatz Hitmeister ein neuer ernstzunehmender Konkurrent erwachsen?
Stephan Zoll: Es gab ja noch nicht so viele erfolgreiche Versuche neue Marktplätze aufzubauen. Die Konstellation ist hier aber eine besondere, das hat jetzt etwas mehr Schwungmasse. Bewegung im Markt ist immer gut, wir beobachten das genau. Die Idee, ein Standardgeschäft durch einen Marktplatz zu erweitern ist sinnvoll. Es ist gut, dass solche Dinge im Markt ausprobiert werden.

Der Umsatz für Deutschland, den sie gegenüber der US-Börsenaufsicht ausweisen, ist im vergangenen Jahr gesunken. Woran lag das?
Stephan Zoll: Die von Ihnen zitierten Umsätze wurden in US-Dollar ausgewiesen und unterlagen in dem Zeitraum immensen Währungsschwankungen des Euro gegenüber dem US-Dollar. Wechselkursneutral gerechnet sieht das Bild deutlich anders aus. Wir haben in Deutschland auch im letzten Jahr Wachstum im Rahmen unseren Erwartungen verzeichnet – insbesondere im Bereich des gewerblichen Handels. Bei dem Geschäft von privat zu privat bieten wir den Kunden mit Ebay Kleinanzeigen ein Alternativangebot zum klassischen Ebay-Marktplatz, das insbesondere für den lokalen Handel genutzt wird. 

Quelle:  Handelsblatt Online
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