Online-Vergleichsportale: „Zu wenig Nutzen für Verbraucher“

Online-Vergleichsportale: „Zu wenig Nutzen für Verbraucher“

, aktualisiert 25. Februar 2016, 15:06 Uhr
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Ob billigster Flug, günstigstes Hotel oder bester Stromtarif – Vergleichsportale locken mit Schnäppchenangeboten. Doch Verbraucherschützer zweifeln, ob es sich tatsächlich um Schnäppchen handelt.

von Kerstin LeitelQuelle:Handelsblatt Online

Verbraucherzentralen haben die Angebote von Internet-Vergleichsportalen unter die Lupe genommen und sind zu einem vernichtenden Urteil gekommen. Oft sind Kunden besser dran, wenn sie beim Anbieter direkt buchen.

FrankfurtSie haben gerade auf einem Vergleichsportal im Internet den nächsten Urlaub gebucht und sehen sich schon fröhlich um den Pool tanzen, weil sie so ein tolles Schnäppchen gemacht haben? Da hat die Verbraucherzentrale eine schlechte Nachricht für Sie: Online-Portale halten nicht, was sie versprechen. „Der Nutzen von Online-Buchungs- und Vergleichsportalen ist für Verbraucher sehr eingeschränkt“, sagt Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern.
Der Grund: Portale zeigen häufig nicht den günstigsten Preis – beim Anbieter direkt kann man oft das bessere Schnäppchen machen. Allein zur Suche des günstigsten Preises seien Buchungs- und Vergleichsportale offenbar nicht geeignet und bieten nicht die nötige Transparenz, heißt es bei den Verbraucherschützern. „Im Gegenteil: Sie bringen noch mehr Dunkel in die ohnehin undurchsichtigen Märkte im Energie-, Telekommunikations- und Flugreisebereich“.

Zwischen den Portalen gebe es so große Preisunterschiede, oftmals seien günstigere Preise direkt auf den Seiten der Anbieter zu finden und die Preise steigen im Verlauf des Buchungsvorganges. „Alles in allem zeigt sich, dass Verbraucher einiges an Zeit und Muße aufbringen müssen, um sich im Portal-Tarife-Dschungel zurechtzufinden, und um einen Vorteil aus der Nutzung der Portale ziehen zu können. Und selbst dann hält sich dieser deutlich in Grenzen“. Zu diesem Urteil kommt die Verbraucherschützerin nach einer gemeinsame Untersuchung der Verbraucherzentralen Bayern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Projekts Marktwächter Digitale Welt. Ende Mai bis Mitte September vergangenen Jahres haben die Verbraucherschützer Preise für Stromtarife, Telefontarife und Flugreisen auf den größten und beliebtesten Vergleichsportalen und denen der Anbieter verglichen.

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Dabei stellten die Verbraucherschützer zum Teil starke Preisschwankungen zwischen einzelnen Portalen fest – und unterschiedliche Portale gehörten außerdem oft zum gleichen Unternehmen. „Die Auswahl ist dadurch für Verbraucher geringer, als es den Anschein hat“, schlussfolgert Halm.

Gerade der TV-Konzern ProSiebenSat1 ist zu einer wahren Größen im Markt der Vergleichsportale aufgestiegen: Die Portale billiger-telefonieren, billigstrom.de, energievergleich.de, toptarif.de und verivox.de gehören zu einhundert Prozent der Verivox Holding GmbH, an der die TV-Gruppe aus Unterföhring vergangenen Sommer 80 Prozent übernahm. Die SevenVentures GmbH, die eine Mehrheitsbeteiligung an der Preis24.de GmbH hält, ist die 100-Prozentige Beteiligungstochter der ProSiebenSat1 Media AG. Und darüber hinaus unterhält das Portal chip.de im Telekommunikationsmarkt eine Kooperation mit der Verivox Holding GmbH. Ein Firmengeflecht, das dem Verbraucher nicht bewusst ist – und die Verbraucherschützer misstrauisch macht: „Identische Preise auf Buchungs-und Vergleichsportalen lassen sich dementsprechend auch durch Unternehmenszugehörigkeiten oder Kooperationen erklären“, schlussfolgern sie. Im Bereich Energie nicht anders: Führt man den Vergleich der Gas- und Stromtarife auf den zehn bekanntesten und beliebtesten Portalen durch, so erhält man de facto nur sieben unternehmerisch voneinander unabhängige Auskünfte, erklärten die Verbraucherschützer.


Oft bestimmt die Zahlungsmethode den Preis

Und auch bei Flugreisen sei „eine identische Preisdarstellung bei mehreren Portalen“ aufgefallen. So seien die beiden Preissuchmaschinen swoodoo.com und kayak.de gleichartig aufgebaut und funktionierten ähnlich – und die Preise seien „häufig identisch“ gewesen. Kein Wunder: Im Impressen der beiden Preissuchmaschinen steht dasselbe Unternehmen: die Kayak Europe GmbH mit Sitz in Zürich.

Noch deutlicher fielen den Verbraucherschützern zufolge die optischen und funktionellen Ähnlichkeiten bei den Portalen fluege.de, billigfluege.de, flug.de und flug24.de auf. Hier steht die Unister Holding GmbH dahinter. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Am Beispiel eines Lufthansa-Fluges von Frankfurt nach London zeigen die Verbraucherschützer die Tücken der Suche nach dem besten Preis: Auf sechs von zehn Portalen (expedia.de, check24.de, Fluege.de, billigfluege.de, flug.de und flug24.de) lag der Preis bei 274,04 Euro – zunächst. Wählte man eine andere Zahlungsweise, kam es teilweise zu deutlichen Aufschlägen. Bei kayak.de wurde eDreams.de als günstigster Anbieter mit einem Preis in Höhe von 203,00 Euro angegeben. Nach Weiterleitung auf die Webseite von eDreams.de erhöhte sich der Preis aber um über 14 Prozent auf 232,14 Euro. Bei Lufthansa selbst hätte es den Flug auch für 274,04 Euro gegeben. Auf den ersten Blick seien die Preise auf dem Online-Portalen oftmals günstiger gewesen als der jeweilige Anbieterpreis, ziehen die Tester Fazit. „Legt man dem Preisvergleich hingegen den Preis zugrunde, der bei Auswahl einer als gängig und zumutbar einzustufender Zahlungsmethode entsteht, führt dies dazu, dass die Portalpreise in einigen Fällen über den Anbieterpreis hinaus steigen können“.

Einen Tipp für Sparfüchse in Eile haben die Verbraucherschützer nicht. Bei Strom- und Gaspreisen sind die Preise der Portale untereinander „fast identisch“, aber immerhin tendenziell unter denen der Anbieter. Bei Telekommunikationsangeboten variieren die Preise auf den Portalen dagegen deutlich – liegen aber zu 50 Prozent unter, zu 50 Prozent über den Preisen der Anbieter. Ebenso bei Flugreisen: Hier gibt es deutliche Abweichungen der Preise der Portale untereinander. Geht man zum Anbieter direkt, ist der Preis dort meist höher – aber nur auf den ersten Blick. Ändert man das Zahlungsmittel wäre es doch in vielen Fällen günstiger gewesen, direkt bei der Fluggesellschaft zu buchen.

Also kein klares Bild – und man könne auch kein einzelnes Portal als positives Beispiel hervorheben, erklärten die Verbraucherschützer auf Nachfrage. Es bleibt also doch nur eine zeitintensive Suche auf mehreren Websites. Letztlich müsse man für sich selbst entscheiden, wie viel Zeit man für die Suche nach einem Schnäppchen investiere: Denn selbst nach intensiver Suche habe dann am Ende immer noch nicht die Sicherheit, den allergünstigsten Tarif zu haben – ganz gleich, was einem die Werbung verspricht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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