Onlinekäufe: Erst die Rechnung, dann das Geld

Onlinekäufe: Erst die Rechnung, dann das Geld

, aktualisiert 26. April 2017, 18:03 Uhr
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Die Deutschen kaufen zusehends im Internet ein und bezahlen am liebsten, wenn sie die Waren auch erhalten haben.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Die Deutschen kaufen immer mehr online ein – aber bezahlen am liebsten erst, wenn die Bestellung da ist. Paydirekt, das Angebot der deutschen Banken, spielt fast keine Rolle. Und an der Ladenkasse bleibt Bargeld beliebt.

BonnEinkaufen im Internet ist beliebt, und wird noch beliebter. Die Umsätze der Onlinehändler steigen, wie der deutsche Branchenverband BEHV ermittelt hat. Im vergangenen Jahr betrug er insgesamt fast 53 Milliarden Euro, für die ersten Monate 2017 meldet der Verband ein Plus im Vergleich zum Vorjahr. Beim Bezahlen aber sind die deutschen Kunden ziemlich traditionell: Rund 31 Prozent der Onlinekäufe, gemessen am Umsatz, laufen per Rechnung. Der Anteil ist im Vergleich zum Vorjahr sogar noch etwas gestiegen, wie eine Studie des Handelsforschungsinstituts EHI zeigt, die Mittwoch veröffentlicht wurde.

Das Kölner EHI hat zu Jahresbeginn gut 100 Onlinehändler befragt. Sie repräsentieren, inklusive des mit Abstand größten Händlers Amazon und gemessen am Gesamtumsatz, rund 50 Prozent des Onlinemarktes.

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Nach der Rechnung wird online am zweithäufigsten per Lastschrift bezahlt, der Anteil beträgt rund 20 Prozent – was auch daran liegt, dass Amazon Lastschrift und Kreditkartenzahlungen akzeptiert, aber nicht den US-Onlinebezahldienst Paypal. Deshalb liegt Paypal nur auf Platz drei mit knapp 18 Prozent Anteil, gefolgt von der Kreditkartenzahlung mit zwölf Prozent. Dabei dominiert Amazon den deutschen Markt, laut EHI-Daten zog der Onlinehändler zuletzt mehr als 20 Prozent der Umsätze auf sich. Die Top-10-Versandhäuser, darunter Amazon, Otto und Zalando, ziehen ein Drittel des Umsatzes auf sich.

Für den Onlinebezahldienst der deutschen Banken, Paydirekt, bringt die EHI-Studie allerdings keine guten Nachrichten. Mit einem eigenen Anteil taucht Paydirekt bei den zehn verschiedenen Zahlungsarten gar nicht erst auf. Kein Wunder: Nur 45 Online-Shops, bei denen man über Paydirekt kaufen kann, gehörten zuletzt zu den 1.000 umsatzstärksten der Branche. „Da allerdings eher auf den unteren Rängen“, sagte EHI-Expertin Dorothee Frigge.

Paydirekt – Ende 2015 gestartet mit dem Ziel, Paypal Paroli zu bieten, – ringt mit großen Anlaufschwierigkeiten. Bisher hat das Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken rund 850 Onlinehändler angebunden. Diese zählen aber eher zu den kleinen Anbietern. Rund eine Million Verbraucher haben sich für Paydirekt registriert, doch die Transaktionszahl ist gering. Nach Handelsblatt-Informationen liefen bis Ende 2016 weniger als 100.000 Transfers.


Paydirekts später Start rächt sich

Zum Vergleich: Der große Rivale Paypal ist in den vergangenen Monaten noch gewachsen und zählt in Deutschland fast 19 Millionen aktive Nutzer, die bei mehr als 50.000 Onlineshops bezahlen können. Transferdaten gibt Paypal für Deutschland nicht an. Sollten die deutschen Kunden den US-Bezahldienst so oft nutzen wie die Kunden im internationalen Schnitt, dürfte der US-Konzern hier im vergangenen Jahr umgerechnet rund 500 Millionen Transaktionen gezählt haben.

Der deutsche Konkurrent Paydirekt äußert sich öffentlich bisher nicht zu seinen Transaktionszahlen. Erst habe man Händler gewinnen wollen, nun mehr Käufer: „Das wollen wir jetzt noch deutlich verbessern“, sagte Paydirekt-Geschäftsführer Niklas Bartelt am Mittwoch. „Danach kümmern wir uns um die Transaktionen“, sagt er.

Das Problem der deutschen Geldhäuser mit Paydirekt ist, dass sie erst spät auf den Markt gekommen sind. Wie viel Potenzial ein eigenes Onlinebezahlsystem bei einem frühen Start hat, zeigt das Beispiel Niederlande. Dort laufen 57 Prozent der Zahlungen im Onlinehandel – hier gemessen an den einzelnen Käufen – über „iDEAL“, das gemeinsame, vor zwölf Jahren gestartete Angebot der niederländischen Banken. Paypal hat nur einen Anteil von fünf Prozent.

Einen Lichtblick gibt es für Paydirekt: 34 Prozent der Händler immerhin, die das EHI befragt hat, wollen Paydirekt bis Ende 2018 als Zahlungsvariante integrieren. Im Schnitt bieten sie bereits sieben verschiedene Optionen an – über Kauf per Rechnung und Paypal bis hin zu Ratenkauf und Sofortüberweisung. Der Onlinehändler Rakuten, der Paydirekt bereits anbietet, lobt das Angebot dafür, dass weniger als 30 Prozent der Kunden, die per Paydirekt bezahlen wollen, den Kauf abbrechen, wie Ralf Krauß von Rakuten sagte. Es gibt auch einen typischen Kunden, der allerdings auch zeigt, wie viel Luft nach oben es gibt: Vor allem Männer Anfang 40 würden Paydirekt nutzen und im Schnitt Waren für 80 bis 90 Euro kaufen, so Krauß.

Nicht nur beim Bezahlen im Internet zeigen sich die Deutschen konservativ. Nach wie vor zahlen Kunden im Einzelhandel am liebsten mit Bargeld. Gut 51 Prozent des Gesamtumsatzes wurden im vergangenen Jahr bar beglichen, ergab eine weitere EHI-Umfrage unter knapp 500 Einzelhändlern. Das ist nur ein kleiner Rückgang, ein Jahr zuvor lag der Anteil bei 52,4 Prozent.

Zählt mit die einzelnen Transaktionen, wird die Bargeldvorliebe noch deutlicher: 78 Prozent ihrer Einkäufe bezahlen die Verbraucher in bar.

Der Anteil der Zahlungen per Girokarte, auch oft EC-Karte genannt, stieg leicht auf knapp 46 Prozent. Eine Kreditkarte zücken nur wenige Kunden, wenn sie im Geschäft zahlen wollen. Der Anteil der Kreditkartenzahlungen beträgt gerade einmal sechs Prozent. Was auch daran liegt, dass viele Einzelhändler diese Zahlvariante gar nicht anbieten. Und das, obwohl die Gebühren, die Händler berappen müssen, von der EU-Kommission gekappt wurde. Allerdings erhöhen laut EHI Kreditkartenanbieter Zusatzgebühren, das gelte besonders für Mastercard. „In jeder Quartalsabrechnung gibt es neue und erhöhte Gebühren für bestehende Elemente“, moniert einer der vom EHI befragten Einzelhändler.

Quelle:  Handelsblatt Online
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