Opel Insignia Grand Sport im Handelsblatt-Test: Aus der Tiefe des Raumes

Opel Insignia Grand Sport im Handelsblatt-Test: Aus der Tiefe des Raumes

, aktualisiert 07. September 2017, 07:06 Uhr
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Wer hat eigentlich behauptet, Opel würde keine coolen Autos bauen? Derjenige sollte auf jeden Fall mal Platz nehmen im neuen Insignia Grand Sport. Sitzkomfort und Raumgefühl sind besser und großzügiger als der Begriff „obere Mittelklasse“ das kategorisiert.

von Frank G. HeideQuelle:Handelsblatt Online

Innen im neuen Insignia wundert man sich ein bisschen: Das soll ein Opel sein? Mit so viel Platz und Luxus? Tatsächlich gibt es beim Grand Sport auch nach zwei Wochen Alltagstest nur sehr wenig zu meckern.

DüsseldorfEr ist nah dran an der Fünf-Meter-Klasse, der neue Insignia, den Opel in der jüngsten Generation noch mit dem Beinamen Grand Sport schmückt. Und wenn man den 4,90 Meter langen Testwagen erstmals von außen und innen betrachtet, muss man zustimmen: „Grand“ ist er auf jeden Fall, mit richtig gutem Platzangebot auf allen Sitzen und massig Zuladung unter der schräg abfallenden Heckklappe.

Vom Vorgänger unterscheidet sich die neue Business-Klasse aus Rüsselsheim auch durch ein deutlich geschärftes Design, sie zeigt eine ungewohnt frische, unaufdringliche Präsenz auf dem Asphalt, sieht man mal von den riesigen, auffälligen Alufelgen ab. Optionale Matrix-LED-Scheinwerfer und der flache Kühlergrill geben ihm ein gut erkennbares neues Gesicht, am Heck funkeln sogar serienmäßige LED-Rückleuchten. Keine Frage, das Team um Chef-Designer Stefan Arndt hat sich von der Formensprache des aufsehenerregenden Monza Concept inspirieren lassen. Und das zeigt Wirkung.

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Tatsächlich finden viele Betrachter die zweite Insignia-Generation so schick, dass sie sich in unserem Test neugierig nach dem Wagen umdrehen. Einer sagt: „Wenn der kein Opel-Logo hätte, dann könnte man wirklich nicht sagen, von welcher Marke er kommt“, - und er meint das absolut als Lob. Ein klarer Punkt fürs Opel-Design, das in der öffentlichen Wahrnehmung ja immer noch leicht unter dem Radar fliegt.

 

Innen sammelt der Insignia sogar noch deutlich mehr Imagepunkte für Opel als außen. Mehrere dienstwagenerfahrene Freunde und Bekannte bescheinigen der weißen Limousine unter anderem „ein gelungenes Cockpit“, „eine Ausstattung, fast auf Niveau des 5er-BMW“, und „wirklich gute Kopf-und Beinfreiheit hinten, das hatte ich gar nicht erwartet.“ Der Angriff auf die Konkurrenz mit verbessertem Raumgefühl scheint zu funktionieren.

Ein elegant geschwungenes Armaturenbrett, eine leicht angehobene Mittelkonsole und das neue Head-up-Display (für 955 Euro Aufpreis) sind die Hingucker im Innenraum. Ein Passagier möchte nach intensivem ausprobieren aus dem sehr gut verstellbaren AGR-Fahrersitz (Aktion Gesunder Rücken) gar nicht mehr aussteigen und meint, „der ist ja wohl definitiv jeden Euro wert“.

Viel Lob und Anerkennung bei den Betrachtern und Mitfahrern also, die auch registrieren, das viel Platz ist unter der riesigen Heckklappe, und wie schnell sich die Rücksitzlehnen per Knopfdruck zur (fast) ebenen Ladefläche strecken. 1.450 Liter Gepäck schluckt der Wagen, in den Skoda Superb passt allerdings deutlich mehr hinein. „Was soll ein Passat da noch besser machen?“, stellt einer die entscheidende Frage. Denn der Insignia kommt mit einer guten Serienausstattung, modernen Assistenzsystemen und wettbewerbsorientiertem Preisetikett daher.

Opel bietet den Grand Sport in vier Ausstattungs-Niveaus an: „Selection“, „Edition“, „Dynamic“ und „Innovation“. Zur Serienausstattung gehören unter anderem Berganfahr-Assistent, Frontkollisionswarner mit City-Notbremse und Fußgänger-Erkennung sowie ein 7,0-Zoll-Infotainment-System.

Der Basispreis für den Insignia Selection liegt bei 25.940 Euro. Beim Insignia Edition (ab 27.535 Euro) gibt es zusätzlich das Online-Service-System „OnStar“, eine Smartphone-Integration und eine Klimaanlage mit Fußraumheizung. Die beiden höheren Ausstattungen Dynamic (ab 29.995 Euro) und Innovation (ab 31.530 Euro) sind mit Teilledersitzen, einem größeren Infotainment-System und den hervorrragenden Ergonomiesitzen ausgestattet. Neben vielfachen Einstellungsmöglichkeiten bieten sie elektrische Sitzwangenjustierung sowie Massage-, Memory- und Ventilations-Funktion.

Für das Kombi-Modell „Sports Tourer“ verlangt Opel jeweils genau 1.000 Euro mehr. Eine Nappaleder-Ausstattung kostet 2.185 Euro Aufpreis, LED-Matrix-Licht schlägt mit 2.390 Euro zu Buche. Das „Park and Go“-Paket, das unter anderem einen automatischen Park-Assistenten beinhaltet, kostet je nach Modell zwischen 695 und 845 Euro.

Diesel-Skeptiker, die Wert auf Leistung und legen und Vorwärtsdrang spüren möchten, werden gerne zum (von uns getesteten) 2-Liter-Turbo-Benziner im derzeit luxuriösesten Opel greifen, der mit 265 PS (191 kW) für alle Aufgaben des Alltags bestens gerüstet ist. Eine GSI-Version folgt noch in diesem Herbst.

Mit Achtgang-Automatik vom asiatischen Zulieferer Aisin und ebenso sicherem wie unaufdringlichem Allradantrieb kostet der Grand Sport allerdings mindestens 41.500 Euro (auf „Dynamic-“Ausstattungsniveau). Weiter verschönern lässt er sich unter anderem mit OPC-Line-Exterieur-Paket (1.215 Euro) und Premium-Paket-Nappaleder für 3.930 Euro.


Und so fährt er sich

Aus Tester-Sicht gibt es natürlich Dinge, die auch bei der neuen Insignia-Generation Raum für Optimierung lassen. So hat der Viertürer mit komfortablen 2,83 Meter Radstand zwar eine Option, mit der sich viele Komfort-Features personalisieren lassen. Ruft man diese abgespeicherten Einstellungen aber ab, so wird klar, dass die Sicherheits-Komponenten davon ausgeklammert sind. Wen also die teils etwas übereifrigen Assistenten für Spurhaltung, Querverkehrswarnung-, Notbremsung- oder Verkehrsschilderkennung nerven, der muss sich ihrer einzeln annehmen. Das kann beispielsweise BMW schon etwas besser.

Ein zweiter Kritikpunkt betrifft die Abstimmung der Getriebeautomatik. So zeitgemäß und spritsparend acht Gänge ja sind, so machen sie doch vor manch - dank Allradantrieb! - sportlich gefahrener Kurve schon Sortierarbeit. Und die Zeit und die Geräuschkulisse dafür gönnt sich der Insignia zuverlässig. Sowohl im Sport- als auch im Normal-Modus, sowohl auf Automatik, als auch manuell per Schaltwippe verwaltet.

Oft überwiegt für den Fahrer das Gefühl, da unten werde zu lang und zu laut nach dem richtigen Gang gesucht. Das kann auch daran liegen, dass der Turbo-Benziner am liebsten oberhalb von 2.500 Touren bewegt wird, denn nur dann legt er eine gewisse Anfahrmüdigkeit ab, wuchtet das volle Drehmoment von 400 Newtonmeter auf beide Achsen. Richtig gut spielen Automatik und Motor erst zusammen, wenn wenn man es im Eco-Modus extrem ruhig angehen lässt, also keine Leistung verlangt, und im anderen Extrem, wenn man den Allradmodus auf „sportlich abgestimmt“ einstellt.

Opel hat den Allradantrieb serienmäßig mit dem so genanntem Torque Vectoring ausgestattet, das Drehzahlunterschiede per elektronisch verwalteter Kraftverteilung zwischen einzelnen Rädern für mehr Fahrstabilität ausnutzt. Der Fahrer bekommt davon nichts mit, er genießt stattdessen - vor allem im Sportmodus - vollen Schub unter kerniger Klangkulisse schon vor dem Kurvenausgang.

Testverbräuche zwischen zehn und elf Liter wollen wir hier nicht verteufeln, schließlich waren wir stets flott und sportlich unterwegs. Dank Eco-Modus sollen offiziell auch 8,6 Liter auf 100 km möglich sein. Eine Start-Stopp-Automatik soll theoretisch zwar ebenfalls helfen, im Testwagen schaltete sie aber in 14 Tagen nicht ein einziges Mal den Motor ab.

Nichts zu meckern gibt es beim Infotainment. Da Opel schon mehr als 50.000 Bestellungen für den Passat-, Mondeo- und Superb-Konkurrenten eingefahren hat, weiß man in Rüsselsheim, dass ganz oben auf der Wunschliste der Insignia-Käufer das Navi 900 Intelli-Link mit Acht-Zoll-Farb-Touchscreen steht, das auch im Testwagen verbaut war. Gesprochene Befehle nimmt es schnell entgegen, die Smartphone-Anbindung war ein Kinderspiel, und das Navi machte in zwei Wochen keinen einzigen Fehler. Das haben wir bei Premium-Anbietern schon schlechter erlebt. Dennoch muss man einige Zeit zum Erlernen des Systems einplanen, auch Opel hat - wie die meisten Autohersteller - nicht wirklich intuitiv Bedienbares zu bieten.


Fazit und technische Daten

Laut Datenblatt wuchtet der bislang potenteste Antrieb den mindestens 1.650 Kilo schweren Wagen in 7, 3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, und erst bei 250 km/h ist Schluss mit lustig. Der Sprint fühlt sich schneller an, was am gut klingenden Sport-Modus liegen kann. Gegen eine hohe Reisegeschwindigkeit von etwa 170 km/h spricht im Insignia außerdem rein gar nichts, der Wagen liegt wunderbar ruhig und sicher auf der Bahn, die Auffahrwarnung ist zuverlässig.

Fazit: Grand Sport = Großes Tennis! Wenn „obere Mittelklasse“ das Ziel war, dann hat Opel es im Spurt und mit breiter Brust genommen. Zwar ist ein mit allen guten Extras aufgerödelter Insignia schon lange kein Schnäppchen mehr, aber er muss keinen Vergleich mit der Konkurrenz fürchten. Bei den Assistenten und dem Infotainment hält er locker mit, bei Design, Sitzkomfort und Raumangebot punktet er locker. Dieser Opel ist auf so angenehme Art modern, damit macht nicht nur Peugeot einen guten Kauf.

Opel Insignia Grand Sport 2.0 DIT 4x4:
Länge x Breite x Höhe: 4,90mm x 1,86mm x 1,46mm, Radstand: 2,83mm
Motor: R4-Turbo-Benziner, Direkteinspritzung, 1m998 ccm
Leistung: 191 kW / 260 PS
Max. Drehmoment: 400 Nm bei 2m500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Beschleunigung: 0 – 100 km/h: 7,3 Sekunden
ECE-Durchschnittsverbrauch: 8,6 Liter, Emissionen: 197 g/km
Leergewicht/Zuladung: 1.649 kg / 596 kg; Kofferraumvolumen: 490 – 1.450 Liter
Basispreis: 43.035 Euro

Quelle:  Handelsblatt Online
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