Openbank: Banco Santander setzt voll aufs Digitale

Openbank: Banco Santander setzt voll aufs Digitale

, aktualisiert 17. Juni 2017, 10:55 Uhr
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Der Vorstoß des Geldhauses ist interessant, weil ungewöhnlich – und nach eigenen Angaben voll auf den Kunden zugeschnitten.

von Sandra LouvenQuelle:Handelsblatt Online

Spanien hat die meisten Bankfilialen pro Einwohner in Europa. Trotzdem macht Santander die Tochter Openbank zu einem rein digitalen Geldhaus – geführt von einem Chef, der in seinem Leben nie ein Banker war.

MadridEuropas zweitgrößte Bank, die spanische Banco Santander, baut ihre Tochter Openbank zur ersten reinen Digitalbank des Landes aus, um neue Kunden zu gewinnen. „Santander will eine Bank für alle sein“, sagte Chefin Ana Botín am heutigen Freitag in Madrid. Openbank wurde 1995 als Telefon-Bank gegründet, nach und nach kamen digitale Dienste dazu. Nun wird das Konzept komplett neu aufgesetzt und auf das Handy zugeschnitten. In einer App können Kunden alle Dienste nutzen – von Hypothekenanträgen bis Kreditkartenzahlungen.

Der Vorstoß ist interessant, weil ausgerechnet Spanien ein Land ist, in dem die Kunden großen Wert darauf legen, dass die nächste Bankfiliale bei ihnen um die Ecke liegt. Spanien hat die meisten Filialen pro Einwohner in ganz Europa. Nun versucht Santander mit einer 100-prozentigen Digitalbank einen Markt zu erschließen, auf dem bisher Wettbewerber wie die niederländische ING aktiv sind, allerdings mit eigenen Filialen. Openbank wird nur in Madrid ein Kunden-Büro haben. „Es gibt ein Segment von Kunden, die sich eine Digitalbank wünschen“, versichert der neuen Openbank-Chef Ezequiel Szafir.

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Der gebürtige Argentinier war zuvor bei Amazon, verschiedenen Beratungen sowie als Journalist und Romanautor tätig. „Ich bin kein Banker und habe nie in einer Bank gearbeitet“, räumt er ein. „Aber ich glaube, das ist ein Vorteil.“ Monatelang hat er Kunden befragt, was sie sich von einer Online-Bank erwarten und dann das Konzept entwickelt.

Das Ziel ist ehrgeizig: 30 Millionen Digitalkunden will Openbank zusammen mit Santander im kommenden Jahr erreichen. Derzeit sind es 21 Millionen. Gut eine Million von ihnen hat ihr Konto bei Openbank. Sie sind im Schnitt zwischen 38 und 40 Jahren alt sind und haben insgesamt Einlagen in Höhe von sechs Milliarden Euro bei Openbank.

Um dem starken Wunsch der Spanier nach persönlichem Kontakt Rechnung zu tragen, führt Openbank virtuelle Filialen ein. Während online jeden Tag rund um die Uhr jemand zu erreichen ist, hat die digitale Filiale von 8 bis 22 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 22 Uhr geöffnet. Sie besteht aus einer Gruppe von Mitarbeitern, die sich per Foto im Internet präsentieren und als persönlicher Kontakt für diejenigen fungieren, die gerne stets mit demselben Bankberater sprechen wollen.


Ein Profil wie bei Facebook

Die Bank basiert auf selbst lernender Technologie. Die Entscheidungen, wer einen Kredit oder eine Hypothek erhält, wird mit Hilfe von Algorithmen getroffen, die mit jeder Transaktion neue Informationen speichern und ihre Prozesse entsprechend anpassen. Für Kunden bedeutet das schnellere Entscheidungen und auf das individuelle Profil zugeschnittene Angebote. Da dabei hohe Datenmengen anfallen, befindet sich der Prozess komplett in der Datenwolke.

Auf dem Handy wie am Computer können Kunden auf einen Blick ihre Ausgaben sehen – sortiert nach Kategorien wie Restaurants, Wohnung oder Strom- und Gasrechnung. Wettbewerber ING bietet diese Übersicht ebenfalls an.

Anlegern stehen bei Openbank über 500 Fonds und Pensionspläne zur Verfügung sowie eine neue Funktion, die Szafir „soziales Investieren“ nennt. Dahinter verbergen sich die Anlageentscheidungen der Openbank-Nutzer. Ein Barometer zeigt die Stimmung von Baisse bis Hausse an sowie die prozentualen Anteile von Käufen oder Verkäufen der meist gehandelten Aktien. Die Idee ist, jenseits von institutionellen Investoren die Schwarmintelligenz der privaten Anleger zu nutzen.

Darüber hinaus verfügt die Bank über verschiedene Spielereien, die sich Nutzer bei den umfangreichen Befragungen gewünscht haben. So laden sie ähnlich wie bei Facebook ein Foto in ihr Openbank-Profil, das sie sich wahlweise auch auf der Seite als Avatar zusammenstellen können, und wählen einen Nutzernamen aus. Diese personalisierten Bilder sollen die Sicherheit erhöhen, falls Kunden auf eine gefälschte Seite der Bank gelockt werden, nachdem sie etwa auf eine Hacker-E-Mail geantwortet haben. Erscheint dort nicht das eigene Bild, weiß der Kunde, dass er sich nicht auf der Seite seiner Bank befindet.

Santander-Chefin Botín hat für Santander den Slogan ausgegeben, die Bank solle „einfach, fair und persönlich“ sein. Fair will Openbank-Chef Szafir unter anderem zu Frauen sein. „Interviews mit neuen Bewerbern setzen wir erst an, wenn die Hälfte der Kandidaten, die wir einladen, Frauen sind“, erklärt er. 130 Mitarbeiter hat die Bank inzwischen, 54 Prozent der Top-Führungskräfte sind weiblich. Weitere Einstellungen sind geplant. „Unser Hauptziel ist zu wachsen und zu lernen“, so der Neu-Banker. Geplant ist die Expansion in weitere Länder, noch stehen aber nicht fest, welche und wann das sein wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
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