Parteitag der Republikaner: Hassparolen gegen Hillary

Parteitag der Republikaner: Hassparolen gegen Hillary

, aktualisiert 21. Juli 2016, 20:32 Uhr
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Ein Republikaner trägt eine Mütze mit der Aufschrift „Lügnerin Hillary Clinton“. Auf dem Parteitag ist Hillary-Bashing angesagt.

Quelle:Handelsblatt Online

„Lügnerin“, „Sperrt sie ein!“ – Die Republikaner beschimpfen Hillary Clinton auf ihrem Parteitag wüst. Dass sie Clintons Schwächen stärker thematisieren als die Stärken von Donald Trump, ist strategisches Kalkül.

Cleveland„Lügnerin!“ „Müll!“ „Sperrt sie ein!“ Solche Schlagworte sind auf dem Parteitag der Republikaner zu hören, wenn die Rede auf Hillary Clinton kommt. Die absehbare Präsidentschaftskandidatin der Demokratin sitzt dieser Tage in Cleveland in einer Art Scheinprozess auf der Anklagebank, das Urteil lautet auf schuldig. Und nicht wenige Republikaner wünschen Clinton öffentlich die Todesstrafe.

Die ohnehin nicht als sonderlich zimperlich bekannte Wahlkampfrhetorik scheint völlig entfesselt. Selbst einigen erklärten Gegnern Clintons geht die Boshaftigkeit zu weit.

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Der republikanische Parteitag soll eigentlich eine Jubelfeier für Donald Trump sein, den nun offiziell nominierten Kandidaten. Doch mitunter wirkt es, als stehe bei den versammelten Delegierten und Funktionären das Clinton-Bashing im Vordergrund. Statt die Vorzüge ihres Kandidaten anzupreisen, schießen sich die Republikaner mit Verve auf die frühere Außenministerin ein.

Al Baldasaro, ein Delegierter und Berater Trumps in Veteranen-Angelegenheiten, nannte Clinton ein „Stück Abfall“ und schlug eine Bestrafung für deren angebliche Untätigkeit bei dem Anschlag auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi im Jahr 2012 vor. Damals kamen vier Amerikaner um. „Hillary Clinton sollte in die Schusslinie gestellt und wegen Hochverrats erschossen werden“, erklärte der Abgeordnete im Parlament des US-Staats New Hampshire in einem Radio-Interview.

Trumps Wahlkampfsprecherin Hope Hicks distanzierte sich rasch. Das Kampagnenteam stimme Baldasaros Äußerungen nicht zu, erklärte sie. Der Secret Service ermittelt inzwischen gegen den Abgeordneten.

Der Hass auf Clinton ist aber auch auf die Straßen von Cleveland geschwappt: „Das Leben ist ein Miststück - Wählt keine“, prangt etwa auf abfälligen Ansteckern, die man vor dem Parteitagsgelände kaufen kann. „Trump gegen Tramp“ (Flittchen), steht auf anderen Stickern. Andere gehen noch weiter unter die Gürtellinie. Für Verkäufer Tony Ensminger sind die Sprüche auf seinen Produkten aber nicht so wild. Das sei „milde“ im Vergleich zu den Äußerungen der Demokraten über Expräsident George W. Bush, findet er.


Strategie für den weiteren Wahlkampf?

Zurück in die Parteitagshalle. Die tiefe Abneigung gegen Clinton ist dort schon seit Beginn des Treffens hör- und spürbar, die beliebteste Parole vieler Delegierter lautet „Sperrt sie ein“. Der gescheiterte Präsidentschaftsbewerber Ben Carson zieht eine Parallele zwischen der ehemaligen Chefdiplomatin und dem Teufel. Der Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell erklärt, Skandale folgten den Clintons „wie Fliegen“.

Dass sich die Republikaner eher auf Clintons Schwächen als auf Trumps Stärken konzentrieren, ist kein Zufall, sondern Kalkül. Denn ihre Strategie für die Wahl im November fußt zum Teil auf der Hoffnung, dass den Wählern die Demokratin einfach mehr zuwider ist als der Republikaner.

Ein Blick auf Umfragen erklärt einiges. 57 Prozent der Amerikaner sehen Clinton in einem ungünstigen Licht, wie eine Erhebung der Nachrichtenagentur AP und des Meinungsforschungsinstituts GfK in diesem Monat ergab. Bei den unabhängigen Wählern, die weder den Demokraten noch den Republikanern besonders zuneigen, nehmen 64 Prozent diese Haltung ein. Mit Trump können allgemein 63 Prozent der US-Bürger wenig anfangen, bei den Unabhängigen sind es 62 Prozent.

Es ist gerade letztere Gruppe, die Trumps Team gern für ihn einnehmen möchte. Das wiederum kann wohl nur gelingen, wenn seine Wahlkampfmaschinerie beständig für Attacken auf Clinton sorgt.

Doch gibt es auch Republikaner, die den Griff in die Schmutzkiste unerträglich finden. Man könne anders argumentieren, warum die Bürger Clinton nicht wählen sollten, meint Senator Jeff Flake aus Arizona ein erklärter Trump-Kritiker. Und der Delegierte Bill Pickle aus South Carolina rückt die Beschimpfer in die Nähe der Hölle. Sie „klingen und verhalten sich wie Dämonen“, moniert er. „Was ist mit Professionalität, Manieren und Menschlichkeit bei unseren Politikern und Bürgern passiert?“

Ob auch der Umstand eine Rolle spielt, dass mit Clinton erstmals eine Frau für eine große Partei ins Rennen um das höchste Staatsamt der USA geht? Der republikanische Delegierte Johnny McMahan sagt, er habe kein Problem mit einer Präsidentin. Einige seiner Freunde sähen das aber anders, schränkt er im gleichen Atemzug ein. „Sie sagen, dass Frauen zu emotional sind, um Präsident zu sein.“

Was sagt die absehbare Kandidatin zu alledem? Es scheint, als ob sie die Negativ-Attacken zu ihrem Vorteil zu nutzen versucht. In einer E-Mail an Spender bezeichnete ihr Team den Parteitag der Republikaner als „einen dunklen Wendepunkt in der amerikanischen Politik.“ Wenn man die Augen schließe, könne man sich das Ganze als „Hexenprozess“ vorstellen, schrieb Clinton. „Sie waren kaum einen Schritt davon entfernt zu schreien: 'Verbrennt sie auf dem Scheiterhaufen'.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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