Paypal-Gründer Peter Thiel: Mit Präsident Trump in ein „normales“ Amerika

Paypal-Gründer Peter Thiel: Mit Präsident Trump in ein „normales“ Amerika

, aktualisiert 31. Oktober 2016, 21:06 Uhr
von Alexander DemlingQuelle:Handelsblatt Online

Der Paypal-Gründer Peter Thiel gilt als Querkopf – doch sein Einsatz für Donald Trump schockiert viele im Silicon Valley. In Washington erklärt er, was er sich von dem Republikaner erhofft.

Washington.Peter Thiel tut ehrlich überrascht, vielleicht ist er es wirklich: Sein ganzes Unternehmerleben lang habe er verrückte Ideen finanziert, bis zum Versuch, ewiges Leben zu schaffen. „Dann tue ich einmal etwas Konventionelles und es wird zur kontroversesten Sache jemals“, sagt der Milliardär bei seinem Auftritt im National Press Club in Washington.

Man kann darüber streiten, ob Thiels Unterstützung für den Republikaner-Kandidaten Donald Trump wirklich so konventionell ist. Der 49-Jährige hat seinen Weltruhm im Silicon Valley erlangt, als Gründer von Paypal und früher Investor in Facebook. Das Tal der Internet-Konzerne ist eine linke Hochburg, der Einwanderer-Feind Trump hat dort höchstens als Halloween-Maske in den Supermarktregalen Chancen gegen Hillary Clinton.

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Doch Thiel gilt als Querkopf. Statt Zukunftsoptimismus verbreitet er in Washington einen düsteren Blick auf das Land, das in gut einer Woche einen neuen Staatschef wählt. Ja, die Realität wirke derzeit oft wie die Generalprobe für die Satireshow „Saturday Night Live“, sagt der in Deutschland geborene Thiel auf der Bühne. „Aber egal wie verrückt diese Wahl erscheint, sie ist nicht so verrückt wie der Zustand, in dem sich unser Land befindet.“

Mit fester Stimme zählt er dann auf, was schieflaufe in den USA: das riesige Handelsbilanzdefizit. Die „fünf unerklärten Kriege“, in die die USA verwickelt seien. Die stagnierenden Einkommen gewöhnlicher Amerikaner. Thiel spricht ernst, auf Lacher wie Trump bei seinen Rallyes hat er es nicht abgesehen. Aber in Sachen Düsternis steht er ihm in nichts nach.

Als kürzlich bekannt wurde, dass Thiel Trumps Wahlkampf 1,25 Millionen Dollar spendete, mussten sich Geschäftspartner bis hin zur Facebook-Chef Mark Zuckerberg für ihre Verbindung zu Thiel rechtfertigen. „Warum gerade Trump?“ werde er dieser Tage häufig gefragt. Sicher nicht wegen seiner Prahlereien über sexuelle Belästigungen von Frauen, die Thiel „inakzeptabel“ nennt. „Ich glaube aber, dass er bei den großen Themen richtig liegt.“

Thiel imponiert, dass Trump mit vielen Glaubenssätzen der Republikaner und der politischen Elite allgemein bricht. Der Politnovize erkenne an, dass Freihandel längst nicht allen in den USA Wohlstand gebracht habe. Er wolle Amerikas weltweite Kriege beenden, statt sich mit Verweis auf die amerikanische Einzigartigkeit überall auf dem Globus militärisch zu engagieren. Trumps Widersprüche, etwa dass er der Terrormiliz IS mit einem brutalen Bombenkrieg droht, blendet Thiel dagegen völlig aus.


„Niemand würde behaupten, dass Trump bescheiden ist“

Am liebsten hätte er einen Wahlkampf Trumps gegen den Sozialdemokraten Bernie Sanders gesehen, sagt er. Die alten Politdynastien, die Clintons und Bushs, hätten das Land von einer Krise in die nächste geführt. Als Unternehmer und Investor hat Thiel die Dotcom-Blase am Ende von Bill Clintons Präsidentschaft erlebt und musste in der Katerstimmung, die folgte, Paypal finanzieren. Die Weltfinanzkrise brach zum Ende der Bush-Regierung aus. Und Thiel gelang es nur knapp, dem damals jungen Facebook das nötige Geld zu beschaffen, um durch die Dürreperiode zu kommen.

Fahre Trump am 8. November einen Wahlsieg ein, werde er Amerikas Selbstüberschätzung und -überforderung ein Ende setzen, so Thiel. „Niemand würde behaupten, dass Donald Trump ein bescheidener Mann ist“, sagt Thiel – dann doch mal unter etwas Gekicher der Journalisten. Aber er werde die USA als Präsident zu einem „normalen Land“ machen.

Den ganzen Auftritt lang wirkt Thiel hochkonzentriert. Er will sich erklären, will ein politisches Argument für Trump machen, ohne für dessen zweifelhafte Äußerungen verantwortlich gemacht zu werden. Viele in den Medien nähmen Trump „wörtlich, aber nicht ernst. Seine Anhänger nehmen ihn ernst, aber nicht wörtlich.“ Und da ist er plötzlich bei der anderen verstörenden Parallele, die den kalifonischen Internet-Investor und den New Yorker Immobilienmogul verbindet: die kritische Haltung gegenüber den Medien.

Im Mai wurde bekannt, dass Thiel den Prozess des ehemaligen Wrestlers Hulk Hogan gegen das Klatschportal Gawker finanziell unterstützt. Die Internetseite hatte ein Sex-Video Hogans veröffentlicht. Die 140-Millionen-Dollar-Strafe ruinierte Gawker. Thiel hatte seine eigene Rechnung offen mit dem Medienunternehmen: 2007 hatte die Seite ihn unsanft und gegen seinen Willen als homosexuell geoutet. „Peter Thiel ist total schwul, Leute“ lautete die an den Pausenhof erinnernde Überschrift.

Ist er also einig mit Donald Trump, der regelmäßig auf angeblich lügende Medien schimpft, die seine Kampagne runterschrieben? Der als Präsident die Gesetze gegen Rufmord verschärfen will, um seine persönlichen Rachegelüste zu befriedigen?

Nein, sagt Thiel. Gawker sei ein „einzigartig soziopathischer Raufbold“ gewesen. Die Gesetze, die Meinungsfreiheit von Rufmord abgrenzen, seien alles in allem in Ordnung. So sichert er sich immerhin einen warmen Applaus der Journalisten zum Abschluss.

Quelle:  Handelsblatt Online
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