Peter Terium: Übernahmegerüchte nerven den Innogy-Chef

Peter Terium: Übernahmegerüchte nerven den Innogy-Chef

, aktualisiert 11. August 2017, 11:40 Uhr
von Jürgen FlaugerQuelle:Handelsblatt Online

Seit Monaten wird über mögliche Interessenten für Innogy spekuliert. Dafür gebe es keinen Anlass, meint Peter Terium, der Chef der RWE-Tochter. Auch Uniper-Chef Schäfer will unabhängig bleiben – muss aber zittern.

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Terium hat selbst als RWE-Chef die Aufspaltung des Konzerns durch gesetzt. Seit dem Börsengang im Oktober 2016 konzentriert er sich auf die Führung von Innogy.

DüsseldorfInnogy-Chef Peter Terium ist mit seinem neuen Unternehmen noch nicht einmal ein Jahr an der Börse. Seit Monaten wird aber schon spekuliert, Terium und Innogy könnten ihre Unabhängigkeit wieder verlieren. Bereits im März kursierten Gerüchte, der französische Energiekonzern Engie wolle bei der RWE-Tochter einsteigen – und seither halten sie sich hartnäckig.

Terium hat die Gerüchte jetzt bei der Präsentation des Zwischenberichts nicht nur zurück gewiesen, er ist offenbar auch sichtlich genervt. „Ich sehe aktuell keinen Interessenten“, betonte der Niederländer – und fügte hinzu: „Nicht nur die Presse macht viel heiße Luft, auch viele Banken sind im eigenen Interesse unterwegs, beraten und wollen Gebühren abkassieren. Das hat alles keine Grundlage.“

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Terium hatte im vergangenen Jahr selbst als RWE-Chef erst Innogy geschaffen. Deutschlands größter Stromproduzent gliederte das Geschäft mit der Energiewende, also Vertrieb, Netze und erneuerbare Energien, in die neue Tochter aus und konzentrierte sich operativ auf die konventionelle Stromproduktion mit Kohle- und Gaskraftwerken sowie den Großhandel. Die Aufspaltung sollte zum einen dem neuen Geschäft die Chance geben, neue Geldgeber anzulocken, und zum anderen RWE durch die Platzierung von Aktien frisches Kapital einbringen.

Der Plan ging auf. Im Oktober platzierte RWE eine erste Tranche. Der Börsengang war ein voller Erfolg. Innogy nahm selbst über eine Kapitalerhöhung zwei Milliarden Euro ein. Die kann Terium, der die Führung des neuen Unternehmens übernahm, für Investitionen nutzen. RWE strich 2,6 Milliarden Euro ein, die Teriums Nachfolger Rolf Martin Schmitz zum Schuldenabbau einsetzen kann. RWE behielt aber mit 77 Prozent eine satte Mehrheit.

Schmitz kann zwar weitere Anteile verkaufen. Er muss aber zum einen die Verkaufserlöse gegen die zu erwarteten Dividendenzahlungen abwägen, die Innogy verspricht. Zum anderen kann er, nach dem derzeit gültigen Beschluss des Aufsichtsrats, nur bis auf 51 Prozent reduzieren. Bei Arbeitnehmern und den einflussreichen kommunalen Aktionären wäre es auch kaum zu vermitteln, wenn der Konzern jetzt schon die Kontrolle über Innogy abgeben würde.

Gerüchte halten sich hartnäckig

Trotzdem kamen im März, unmittelbar vor der Bilanz-Pressekonferenz von RWE entsprechende Spekulationen auf. Der französische Energiekonzern Engie prüfe eine Übernahme von Innogy, hieß es. Tatsächlich wurde dem Unternehmen ein entsprechender Plan von Banken vorgeschlagen, wie es in Branchenkreisen heißt.

Inzwischen hat zwar auch die Engie-Führung öffentlich abgewunken, trotzdem halten sich die Gerüchte hartnäckig. Für den französischen Konzern wäre Innogy auch eine gute Chance im Geschäft mit der Energiewende zu wachsen. Die deutsch-französische Allianz wurde schon als „Airbus der Energie“ tituliert. Auch der italienische Enel-Konzern war als Interessent genannt worden.

Terium pocht aber auf die Unabhängigkeit: „Wir sind hier bei Innogy, um den bestmöglichen Job zu machen. Dafür brauchen wir keinen strategischen Partner“, sagte der Vorstandschef, „das können wir auch allein.“

Ähnlich hatte sich in dieser Woche schon Uniper-Chef Klaus Schäfer geäußert. „Wir sind angetreten, um das Unternehmen unabhängig in die Zukunft zu führen“, sagte er bei der Präsentation seines Zwischenberichts: „Wir hoffen auf Investoren, die uns bei diesen Plänen unterstützen.“ Die Vorteile einer Konsolidierung könne er jedenfalls nicht erkennen.

Schäfer ist aber in einer anderen Situation als Terium. Unipers Mutterkonzern Eon hat bei der Aufspaltung schon die Mehrheit abgegeben. Beim Börsengang im vergangenen September platzierte Eon 53,35 Prozent. Den restlichen Anteil muss Eon aus steuerlichen Gründen eigentlich bis Ende des Jahres halten.

Spätestens dann will Eon-Chef Johannes Teyssen das Paket aber zügig verkaufen. Er prüft schon zusammen mit der Investmentbank Goldman Sachs alle Optionen. Möglich ist neben einer weiteren Platzierung auch der Verkauf an Finanzinvestoren oder sogar Konkurrenten. Der finnische Energiekonzern Fortum hat schon sein Interesse signalisiert. Und trotz Schäfers Appell stellte Teyssen in dieser Woche klar: „Wir prüfen alle Optionen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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