Boom & Bust Beim Einkommen in einem Boot

Im Krisenjahr 2009 sind die deutschen Kapitaleinkommen dramatisch gesunken, die Arbeitseinkommen dagegen blieben stabil. Wer darüber Schadenfreude verspürt, freut sich zu früh.

WirtschaftsWoche-Redakteur Konrad Handschuch Bild vergrößern WirtschaftsWoche-Redakteur Konrad Handschuch Frank Schemmann für WirtschaftsWoche

In der deutschen Lieblingsdebatte um die gerechte Verteilung des Volkseinkommens spielt die Lohnquote eine herausragende Rolle. Jetzt ist es wieder einmal so weit. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler ließ sich vom Bundeswirtschaftsministerium die neuesten Daten zur Entwicklung der Arbeits- und Kapitaleinkommen ausrechnen – und die befördern Überraschendes zutage: Im Krisenjahr 2009 blieben die Arbeitnehmereinkünfte nahezu konstant. Sie sanken von 1225,1 Milliarden Euro in 2008 auf 1220,1 Milliarden Euro in 2009 – mithin um lediglich 0,4 Prozent. Dagegen stürzte das Unternehmens- und Vermögenseinkommen um 13,3 Prozent ab, von 661 Milliarden Euro in 2008 auf 572,8 Milliarden Euro in 2009. Klar, der Liberale hatte es schon so vermutet und sieht sich bestätigt: „Die Entwicklung steht im Widerspruch zu dem, was die politische Linke in diesem Land versucht, immer wieder deutlich zu machen.“

Stabiles Einkommen

Jenseits vom politischen Häuserkampf machen die Zahlen vor allem eines deutlich: Die Zeche dieser Krise haben bislang vor allem die Unternehmen und Kapitalbesitzer bezahlt. Darüber könnten sich all jene freuen, denen eine in früheren Jahren rückläufige Lohnquote als Beleg für eine zunehmende Umverteilung von unten nach oben, für ein stetes Auseinanderdriften von Arm und Reich galt.

Stabiler Lohn Bild vergrößern Stabiler Lohn

Doch das Gegenteil ist der Fall. In der Krise sitzen Arbeitnehmer und Unternehmen in einem Boot. Während der Großen Depression, von 1927 bis 1931, stieg die Lohnquote immerhin um sechs Prozentpunkte an. Der massive Einbruch der Unternehmensgewinne und Vermögenseinkommen ging mit der Massenarbeitslosigkeit einher. Es ist ein schwacher Trost: Heute ist es nur halb so schlimm. Zwischen 2008 und 2009 stieg die deutsche Lohnquote – aktuell 68,1 Prozent – nur um 3,1 Prozentpunkte an.

Auf lange Sicht gesehen, entwickeln sich die Arbeitnehmereinkommen stabil und verlässlich. Arbeitnehmer können also ruhiger schlafen als die Empfänger der volatileren Unternehmens- und Kapitaleinkommen. Dass diese nicht stärker steigen, ist eine schlechte Nachricht. Denn eine Gesellschaft, die so rapide altert wie die deutsche, bräuchte eigentlich ein wesentlich dickeres Ruhekissen.

Weitere Artikel aus Politik & Weltwirtschaft


3 Kommentare zu “Beim Einkommen in einem Boot”

von AL am 13.01.2010 18:46 Uhr

von bewian am 12.01.2010 11:43 Uhr

Diesen Artikel kommentieren

Bitte geben Sie den Code aus dem Bild in das nebenstehende Feld ein.

captcha
Forum: Hartz-IV-Debatte
Hartz IV

Westerwelle teilt aus, Experten fordern Kürzungen. Diskutieren Sie mit Lesern und Redaktion im Forum. Zur Debatte im Forum

Mit Dienstleistungen die Zukunft gestalten
8. Dienstleistungstagung

wiwo.de präsentiert als Medienpartner die 8. Dienstleistungstagung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung am 22. und 23. April. Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft informieren und diskutieren über zukunftsfähige Dienstleistungen und Dienstleistungsforschung. 
Weitere Informationen gibt es hier

Merkels Kabinett
Die neue Familienministerin

Kristina Schröder ist das jüngste Mitglied. Doch wer macht was? Die schwarz-gelben Minister in Bildern

Städtetest 2009: Die Provinz kommt
Münster

In München lässt es sich am besten leben und arbeiten. Doch neben Metropolen wie Hamburg, Frankfurt und Stuttgart drängen kleinere Städte nach vorne. Zahlen und Fakten im Städtetest

HRS Hotelreservierung

 
Hotels von HRS in Kooperation mit wiwo.de


Blogkommentare zu diesem Artikel



Börse aktuell


Tagesverlauf des Dax – Aktuell: 5960.69
IndexWertProzentuale Schwankungen im Vergleich zum Vortage
Dax5960.69 0,54%
Dow10612.07 0,00%
Nasdaq1926.08 0,12%
Stoxx 502913.55 0,62%
Rohöl ($/B)78.91 -1,71%
Euro(USD)1.37 0,43%

Ihr Depot bei wiwo.de: Info & Anmeldung

Service-Tools
alle Tools anzeigen
Bausparrechner
Bundesschatzbriefe
Festgeldrechner
Hypothekenrechner
Sudoku
Tagesgeldrechner
Immobilien
Executive Karriere
Partnersuche
Arztsuche
wiwo.de Buchtipp:
Tichys Totale - gesammelte Werke

Tichys Totale - 
Gesammelter Einblick 2007-2009 
Jede Woche kommentiert der WirtschaftsWoche Chefredakteur Roland Tichy, der 2008 mit dem Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik ausgezeichnet wurde, in seinem Editorial das Geschehen in Wirtschaft und Politik. In diesem Buch werden nun erstmalig seine besten Editorials von 2007 - 2009 zusammengefasst. mehr