Die Frage:

Management Bringen mehr Frauen in Top-Positionen tatsächlich wirtschaftliche Vorteile?

Frauen schaffen es kaum in Vorstände oder Aufsichtsräte von deutschen Konzernen. Diskutieren Sie mit unseren Expertinnen Brigitte Hirl-Höfer, Direktorin Microsoft Deutschland und Elke Holst vom Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin.

Die Antwort:

Andere Länder sind uns da weit voraus - aus gutem Grund. Weibliche Führungskräfte steigern den Unternehmenswert. So belegt etwa eine Studie aus Finnland das gute Abschneiden von Unternehmen mit Frauen in Spitzenpositionen.

Diskutieren Sie mit unseren beiden Expertinnen Elke Holst, Expertin Arbeitsmarkt- und Genderökonomie beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) und Brigitte Hirl-Höfer, Direktorin Personal bei Microsoft Deutschland.

Elke Holst Bild vergrößern Elke Holst, Expertin Arbeitsmarkt- und Genderökonomie beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW)

Elke Holst, Expertin Arbeitsmarkt- und Gender-Ökonomie beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW):  Die einfache, weil triviale Antwort lautet: Ja, mehr Frauen in Top-Positionen bringen Unternehmen wirtschaftliche Vorteile. 

Aber was steckt dahinter, dass in Deutschland Frauen in den Top-Positionen so selten vertreten sind?

Erstens, Strukturen bei der Besetzung dieser Positionen. Wenn bislang in den Aufsichtsräten großer Unternehmen in Deutschland Männer weitgehend unter sich sind, geht das zunächst einmal darauf zurück, dass vor allem die Arbeitgeberseite nahezu ausschließlich Männer entsendet.

Die Entsendungspolitik der Arbeitnehmerseite zeigt, dass für solche Positionen geeignete Frauen durchaus zu finden sind. Zweitens liegen vielfach berufliche Potenziale von Frauen brach. Mittlerweile weisen Frauen bessere schulische Abschlüsse als Männer auf.

Dies spiegelt sich noch nicht bei der Besetzung beruflicher Positionen auf dem Arbeitsmarkt wider. Ökonomisch gesprochen, werden damit vorhandene Ressourcen nicht effizient genutzt.

Drittens, die Lebensrealität von Menschen hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt. Viele Frauen wollen Familie und Karriere vereinbaren. Wir wissen, dass Frauen in Führungspositionen eine hochqualifizierte und leistungsfähige Gruppe sind.

Dies kommt in den Unternehmen offenbar nur langsam an. Vielmehr zeigt die Vorstellung, mit der Beschäftigung von Frauen seien aufgrund ihrer Gebärfähigkeit prinzipielle Risiken in Form von Produktivitätseinbußen für das Unternehmen verbunden, offenbar ein gewisses Beharrungsvermögen.

Vieles deutet darauf hin, das sich die auf traditionellen Vorstellungen beruhenden Stereotypen zu den Fähigkeiten von Frauen und Männern nur langsam überwinden lassen. Spätestens seitdem dieses Land eine Kanzlerin hat, ist klar: Einige Bereiche der Gesellschaft sind in der Besetzung von Top-Positionen den großen Unternehmen auf der Zeitschiene voraus.

Brigitte Hirl-Höfer Bild vergrößern Brigitte Hirl-Höfer, Direktorin Personal bei Microsoft Deutschland Microsoft

Brigitte Hirl-Höfer, Direktorin Personal bei Microsoft Deutschland: Vielfalt macht erfolgreich – davon bin ich überzeugt. Doch in vielen deutschen Unternehmen stoßen gut ausgebildete Frauen immer noch gegen eine "gläserne Decke, wenn sie versuchen, Top-Positionen zu besetzen.

Leider herrscht in vielen Köpfen in Deutschland noch ein sehr konservatives Frauenbild vor. Was die Karrieren von Frauen betrifft, ist Deutschland eindeutig Entwicklungsland.

Beide Seiten, Männer und Frauen, müssen ihr Verhalten ändern: Denn Frauen geben sich zu oft mit weniger zufrieden und sind häufig zu selbstkritisch. Männer hingegen sollten Kolleginnen und ihre anderen Verhaltens- und Führungsstile nicht als Gefahr, sondern als Gewinn betrachten.

Es lohnt sich: Immer wieder bestätigen Studien, dass Unternehmen, in denen Frauen auch ganz oben mit entscheiden, wirtschaftlich erfolgreicher sind als Unternehmen in denen weibliche Mitarbeiter auf der Karriereleiter stehen bleiben. Ein Grund dafür ist sicher auch, dass gemischte Führungsgremien für einen frischen Wind in der Unternehmenskultur sorgen – und das motiviert.  ‚Mixed Leadership’ muss selbstverständlich werden. Microsoft Deutschland ist hier auf einem guten Weg: Bei uns sitzen 4 Frauen im 13-köpfigen Management-Team.


Die Frage:

Fragen und Antworten zum Thema Bringen mehr Frauen in Top-Positionen tatsächlich wirtschaftliche Vorteile?

von g.s. am 08.09.2008 19:23 Uhr

von Marietta am 05.09.2008 10:12 Uhr

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