Navigation EU streitet weiter über Galileo

Das Milliardenloch bei der Finanzierung des Satellitennavigationssystems Galileo müssen nun die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union auf ihrem Gipfel im Dezember stopfen. Beim Treffen der EU-Verkehrsminister ging nämlich heute der Streit weiter.

EU-Transportkommissar Jacques Barrot stößt mit seinen Galileo-Plänen auf Widerstand,  rtr Bild vergrößern EU-Transportkommissar Jacques Barrot stößt mit seinen Galileo-Plänen auf Widerstand, Foto: rtr

Deutschland machte weiter Druck gegen den Vorschlag von EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot, die 30 Satelliten und andere technische Ausrüstung ausschließlich aus EU-Haushaltsmitteln zu bezahlen. Nach dem Platzen eines Finanzierungsmodells gemeinsam mit der Industrie fehlen mindestens 2,4 Milliarden Euro, um das System 2013 - fünf Jahre später als geplant - komplett in Betrieb zu nehmen. Insgesamt kommen auf die Steuerzahler Kosten von mindestens 3,4 Milliarden Euro zu.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) bekräftigte den Widerstand gegen das Konzept der Kommission, das nach Einschätzung der Regierung in Berlin mit finanziellen Risiken behaftet ist und deutsche Industrieinteressen nur unzureichend berücksichtigt. „Die Bundesregierung ist mit dem Vorschlag der Kommission so nicht einverstanden“, sagte er. „Wir sind uns einig in der Sache: Wir wollen, dass Galileo ein Erfolg wird.“

Auch Großbritannien und die Niederlande wollen nach Angaben aus den Delegationen Korrekturen am Konzept. Der deutsche Staatssekretär Jörg Hennerkes sagte, die Bundesregierung halte es für gefährlich, das Finanzpaket der EU von 2007 bis 2013 wieder aufzuschnüren.

Stärkere Beteiligung der ESA vorgeschlagen

Deshalb sei es wichtig, dass die Verkehrs-, aber auch die Finanzminister über alternative Finanzierungswege diskutierten. „Es war wichtig, dass der Rat die Tür geöffnet hat für eine Entscheidung, die im Europäischen Rat getroffen werden muss.“

Verkehrskommissar Barrot hatte vorgeschlagen, die fehlenden 2,4 Milliarden Euro vor allem aus nicht genutzten EU-Töpfen für Landwirtschaft und Verwaltung zu finanzieren. Deutschland macht sich für eine Finanzierung von Galileo auch durch die Europäische Weltraumorganisation (ESA) stark. Der ESA gehören 15 der 27 EU-Staaten sowie die Schweiz und Norwegen an. Nach Angaben der deutschen Delegation könnte sich beispielsweise auch Polen für diesen Plan erwärmen.

Mit Galileo will die EU unabhängig vom US-Navigationssystem GPS (Global Positioning System) werden und dessen Vormachtstellung brechen. Es ist Europas größtes Industrieprojekt. Galileo soll genauer als GPS arbeiten. Galileo soll den Nutzer bis auf wenige Zentimeter genau an den gewünschten Ort führen, die Position etwa von Schiffen und Flugzeugen exakt bestimmen.

Anders als die zunächst militärisch genutzten Systeme wie GPS oder das russische GLONASS soll Galileo für die zivile Nutzung ausgelegt sein. Die Satelliten sollen in mehr als 23 000 Kilometer Höhe um die Erde kreisen. Der erste Testsatellit startete im Dezember 2005.

Lesen Sie hier auch die wiwo.de-Satire zum Navigationssystem Galileo.

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