Klimawandel Falsche Versprechen

Dürre im Sommer. Überflutungen im Winter. Um die Folgen des Klimawandels abzumildern, scheint jedes Mittel recht – egal, ob es tatsächlich hilft. Welche Vorschläge sind seriös, mit welchen Irrtümern wird nur Stimmung gemacht?

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel bei Ilulissat in Grönland,  AP Bild vergrößern Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel bei Ilulissat in Grönland, Foto: AP

Renate Künast will, dass alle Deutschen Sprit sparende Hybridautos von Toyota fahren. Zumindest sagte die Fraktionschefin der Grünen das einmal in einem unvorsichtigen Augenblick. Die deutschen Autohersteller, in ökologischer Kommunikation etwas verschlafen, wachten auf und hörten das gar nicht gern – konterten aber schließlich mit technischen Details: Auf der Autobahn verbrauche ein Dieselmotor aus deutscher Produktion viel weniger Treibstoff als die japanischen Hybridmotoren. Und der Prius von Toyota habe bestenfalls im Stadtverkehr die als vorbildlich gepriesenen Emissionswerte. Mehr noch: Insgesamt sei die Flotte der Japaner energetisch gar nicht gut aufgestellt. Frau Künast hörte zu und war bereit, sich zu korrigieren. Zumindest dieser Klimamythos war enttarnt.

Immer mehr Irrtümer, Vorurteile und Mythen verstellen den klaren Blick auf die Fakten. Seit die Debatte um die globale Erwärmung zum politischen und medialen Megatrend wurde, verschwimmen Dichtung und Wahrheit. Bürger und Konsumenten sind überfordert, realistische und unrealistische Vorschläge zu unterscheiden. Welche Ideen wirklich dazu taugen, den Klimawandel abzubremsen, untersucht daher die WirtschaftsWoche in einer dreiteiligen Serie, die die zehn größten Klimaschutzkonzepte auf den Prüfstand stellt. Die erste Folge, die in dieser Ausgabe auf Seite 60 beginnt, beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf Deutschland. Danach erwärmt sich das Klima in Deutschland zwar deutlich stärker als in anderen Weltregionen, es sind deutliche Folgen zu beobachten, aber Veränderung muss nicht automatisch Katastrophe bedeuten.

Weitere Irrtümer der Klimadebatte: übertriebene Erwartungen an Biokraftstoffe, alternative Antriebe sowie moderne Kraftwerkstechnologien, die Illusion, eine Industrienation wie Deutschland könne ihren Strom vollständig aus regenerativen Energiequellen beziehen, und die Chancen, Erdöl durch Wasserstoff zu ersetzen. Irreführend sind auch einige Kosten-Nutzen-Analysen von Gebäudesanierungen, zweifelhaft der Zwang zur Nutzung nachwachsender Energien und der Segen des Handels mit Emissionsrechten und anderen Zertifikaten.

Der hohe Ölpreis, der kürzlich auf neue Rekordwerte geklettert ist, heizt die Klimahysterie noch an. Rein mit dem Biosprit in den Tank – egal, ob die Ökobilanz negativ ist. Raus mit der Strom fressenden Nachtspeicherheizung – auch wenn andere Sanierungsmaßnahmen sinnvoller wären. Und dann Solarzellen auf möglichst jedes Dach – selbst wenn das in vielen Fällen ineffizient und viel zu teuer ist. In Zeiten, in denen sich fast jeder Politiker ein grünes Image verpasst, hat Ökologie öffentliche Hochkonjunktur.

Hintergrund der hitzigen Diskussion: Das sogenannte integrierte Energie- und Klimaprogramm, beschlossen im August vom Bundeskabinett in Meseberg. Das Gesetzespaket soll die deutschen Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 senken. Doch noch sind viele der 29 Punkte des Katalogs offen, andere widersprüchlich oder kontraproduktiv.

Hauptstreitpunkt ist, wie der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien in den nächsten zwölf Jahren auf etwa ein Viertel verdoppelt werden kann und wie die Netze dafür ausgebaut werden müssen. Außerdem streiten die Ministerien heftig, wie der Anteil erneuerbarer Energien, der bei der Wärmeproduktion zum Einsatz kommt, von derzeit 6 auf 14 Prozent erhöht werden kann, in welchem Fall das auch für Altbauten vorgeschrieben werden soll und ob Mieter ihre Nebenkosten kürzen können, wenn der Hausbesitzer sich gegen energetische Sanierung wehrt.

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