Finanzkrise Kinder genießt den Krieg, der Frieden wird fürchterlich

Wohlfeil ist in diesen Tagen die Bankerschelte. Mit weit ausgestrecktem Zeigefinger belieben die Politiker auf die gierigen und gewissenlosen US-Banker zu zeigen: Sie und nur sie seien schuld an dem Desaster, das im Moment die Fundamente unseres Gemeinwesens erschüttert. Indes so simpel, wie man uns auf den ersten Blick glauben machen will, liegen die Dinge nicht. Ein Gastkommentar von Friedrich Thelen.

Dr. Friedrich Thelen Bild vergrößern Dr. Friedrich Thelen

Kein Zweifel, die grenzenlose Raffgier der amerikanischen Banker, die hemmungslos Casino gespielt haben, ist zutiefst verwerflich.

Aber das ist bei weitem noch nicht alles. Die US-Administration sowie die europäischen Regierungen, ihre Finanzaufsichtsbehörden und die europäischen Banken haben fröhlich mitgespielt.

Erstens kam es allen zupass, dass die US-Konjunktur als unendlich wachsendes Gewinnspiel wirkte. Hat denn Niemand von diesen vielen kundigen Volkswirten auf beiden Seiten des Atlantiks gewusst oder nachgefragt, woher der permanente Aufwärtstrend kam?

Aber sicher doch. Alle priesen den US-Zentralbankchef Alan Greenspan in den Himmel, weil er bei jeder aufgetauchten Krise zig neue Milliarden in den Geldkreislauf pumpte.

Über Friedrich Thelen

Bevor Friedrich Thelen in 2006 das Beratungsunternehmen Thelen-Consult gründete, hat er fast 30 Jahre lang als engagierter Journalist das politische Leben des Landes mitgeprägt. Als Leiter der Parlamentsredaktion der WirtschaftWoche kam Thelen über Jahrzehnte immer wieder mit den entscheidenden Persönlichkeiten des wirtschaftlichen und politischen Lebens in persönlichen Kontakt und verfügt dadurch über ein weit verzweigtes Netz an Verbindungen.

Und dieser Effekt verbilligte die Kredite und entfesselte den Rausch der Häuslekäufer.

Jeder Ökonomiestudent im dritten Semester lernt, dass solche Finanzblasen über kurz oder lang trocken gelegt werden müssen, weil sie sonst die Stabilität des ökonomischen Systems wegschwemmen.

Aber wegen der nicht zu leugnenden, auch von der Politik so sehr gewünschten hohen Wachstumsrate, drückten alle die Augen zu.

Motto: „Es wird schon gut gehen“, oder schlimmer noch: „Kinder genießt den Krieg, der Frieden wird fürchterlich“.

Noch mehr neues Geld fließt in den Kreislauf – also entsteht die nächsten Finanzblase

Deshalb sollte auch unsere Politik äußerst behutsam mit dem Verweis auf andere Schuldige sein.
Was die deutschen öffentlichen Banken hierzulande oder im Ausland trieben, haben deren Aufsichtsgremien gewusst oder zumindest geahnt.

Und für das private Bankgewerbe gibt es doch die Bankaufsicht – wurde da nur geschlafen oder weggeguckt?

Und während die Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere europäischen Regierungschefs mit der Finanzfeuerwehrspritze die Brände zu löschen suchen, kreieren sie sofort das nächste Problem.

Noch mehr neues Geld fließt in den Kreislauf – also entsteht die nächsten Finanzblase. Aus der muss nach Ende der Krise umgehend die Luft rausgelassen werden.

Sonst stehen wir in Kürze vor dem gleichen Problem wie heute – nur noch dramatischer.

Praktisch heißt dies, die sogenannte Geldmenge, das vorhandene Geld, muss verringert werden und die Zinsen müssen steigen.

Das aber dämpft die Konjunktur und die Arbeitslosigkeit steigt. Da fragt man sich, ob unsere von Wahl- zu Wahltermin hechelnden Politiker den Mut haben, die notwenigen aber unpopulären Maßnahmen zu exekutieren.

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23 Kommentare zu “Kinder genießt den Krieg, der Frieden wird fürchterlich”

von David L. am 13.10.2008 12:12 Uhr

von gert200de am 11.10.2008 14:44 Uhr

von ELIASS am 10.10.2008 13:54 Uhr

von Bluecher59 am 10.10.2008 11:54 Uhr

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