Konsumverhalten Warum sich Sparquoten weltweit so stark unterscheiden

Sparquoten unterscheiden sich von Land zu Land deutlich. Aber warum eigentlich? Und was sind die Folgen für die Weltwirtschaft?

Sparschwein Bild vergrößern China spart am meisten, Deutsche sind sparsamer als Amerikaner Fotolia, Peter Schmidhuber

Sparen macht reich. Diese Weisheit lehren jedenfalls die Comicgeschichten über Dagobert Duck und dessen bettelarmen Neffen Donald. Der reiche Onkel trinkt Leitungswasser, isst trocken Brot und klaut sogar Zeitungen, nur um ein paar Taler zu sparen. Das einzige sinnliche Vergnügen des asketischen Erpels: Er badet regelmäßig im Meer der Münzen, die er in seinem Geldspeicher hortet.

Doch was passiert volkswirtschaftlich, wenn Bares im Panzerschrank verschwindet und weder ausgegeben noch investiert wird? Ist Duck’scher Geiz wirklich geil? Der Ökonom und Soziologe Max Weber (1864–1920) glaubte im Konsumverzicht der Protestanten den „Geist des Kapitalismus“ erkannt zu haben.

Folgen sind umstritten

Schon vor 400 Jahren predigte der Schweizer Reformator Johannes Calvin Reichtum und verlangte von seinen Anhängern gleichzeitig strenge Askese: „Reich zu sein ist keine Sünde, doch lasterhaft ist, Vermögen zur Befriedigung menschlicher Begierden zu missbrauchen.“ Im 19. Jahrhundert standen die von Calvin geprägten Protestanten tatsächlich an der Spitze der Großindustrie, während etwa die sinnesfreudigen Katholiken oft in kleinen Handwerksbetrieben schufteten.

Makroökonomisch sind die Folgen des Sparens umstritten. Die Neoklassiker sahen es so: Steigende Ersparnisse drücken die Zinsen, sodass Investoren billig an Kapital kommen. Das erfordert professionelle Banken, die das Geld der Sparer einsammeln und in Form von günstigen Krediten an Unternehmen weitergeben. Moderne Ökonomen wie John Maynard Keynes dagegen verstehen den privaten Verbrauch als unerlässliche Stütze der Wirtschaft. Durch übermäßiges Sparen breche die Nachfrage weg, sodass Gewinne der Firmen schrumpfen und Investitionen eingefroren werden.

Chinesen sind Sparweltmeister

Auffallend ist, wie weit die internationalen Sparquoten auseinanderliegen. Die Amerikaner etwa hielten mit immer neuen Konsumwünschen lange Zeit nicht nur heimische Produzenten, sondern die gesamte Weltwirtschaft auf Trab. In den Jahren vor der globalen Finanzkrise sparten die US-Bürger so gut wie nichts: Von 2005 bis 2007 legten sie weniger als ein Prozent ihrer verfügbaren Einkommen zurück.

Nach der großen Krise ändert sich das allerdings gewaltig. 2010 dürfte die US-Sparquote auf mehr als sechs Prozent emporschießen, prognostiziert die OECD. Damit sparen die Amerikaner aber immer noch weniger als die Deutschen, deren Sparquote seit Jahren über der Zehn-Prozent-Marke liegt und zuletzt auf über elf Prozent stieg. Die Franzosen sparten im vergangenen Jahr fast zwölf Prozent. Unangefochtene Sparweltmeister sind jedoch die Chinesen. Sie legen jährlich rund ein Drittel des verfügbaren Einkommens auf die hohe Kante und erreichen eine zehnmal höhere Sparquote als ihr Nachbarland Japan.

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8 Kommentare zu “Warum sich Sparquoten weltweit so stark unterscheiden”

von Gast001 am 01.02.2010 09:39 Uhr

von Bitte geben Sie Ihren Namen an am 31.01.2010 20:52 Uhr

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