Regierungs-Konjunkturgutachten Wirtschaftsforscher kämpfen um prestigeträchtigen Auftrag

Der Wettbewerb um die prestigeträchtigen Konjunkturgutachten im Auftrag der Bundesregierung setzt die Wirtschaftsforschungsinstitute unter Druck. Wer hat diesmal die Nase vorn?

WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer Bild vergrößern WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer Frank Schemmann für WirtschaftsWoche

Der Gang zum Briefkasten ist in diesen Tagen für die Konjunkturchefs der Wirtschaftsforschungsinstitute eine Zitterpartie. Bis zum 8. Februar will die Bundesregierung entscheiden, welche Institute in die engere Wahl kommen, um zweimal jährlich die viel beachteten Konjunkturgutachten für die Regierung zu erstellen. Sieben Bietergemeinschaften haben ihren Hut in den Ring geworfen. Maximal vier sollen den Auftrag für drei Jahre erhalten.

Dabei geht es um viel Prestige – und viel Geld. 1,3 Millionen Euro lässt sich die Regierung die Gutachten im Jahr kosten. Doch welche Institute haben die besten Chancen, bei der Reise nach Jerusalem einen Stuhl zu ergattern?

Die Bewerber

ifo Institut für Wirtschaftsforschung, München, und Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich.

Institut für Wirtschaft (IfW), Kiel, und Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim.

Rheinisch- Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), Essen, und Institut für Höhere Studien (IHS), Wien.

Institut für makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Düsseldorf, Österreichisches institut für Wirtsczhaftsforschung (Wifo), Wien, und National Institute of Economic and Social Research (NIESR), London.

Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und Kiel Economics.

Hamburgisches Weltwirtschaftsinstitut (HWW) und Prognos, Basel.

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin, Centre of European Policy Studies (CEPS), Brüssel, und Deutsche Bank Research, Frankfurt.

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass das ifo Institut aus München zusammen mit der Konjunkturforschungsstelle der Uni Zürich (KOF) erneut dabei sein wird. Der monatliche ifo-Geschäftsklimaindex, der wichtigste Frühindikator für die deutsche Konjunktur, ist ein Pfund, mit dem die Münchner wuchern können. Zudem haben die ifo-Konjunkturexperten unter ihrem Chef Kai Carstensen in der akademischen Forschung Boden gutgemacht. Auch für das RWI aus Essen, das erneut mit dem IHS aus Wien eine Bietergemeinschaft bildet, stehen die Sterne gut. Das RWI verfügt über erfahrene Konjunkturforscher; zudem dürfte die Bundesregierung kein Interesse daran haben, RWI-Chef Christoph Schmidt, der seit März 2009 im Rat der fünf Wirtschaftsweisen sitzt, durch eine Absage zu düpieren.

Wettrennen der Forschungsinstitute

Kein Selbstläufer dürfte die Bewerbung diesmal für das IfW in Kiel werden. Die Kieler Ökonomen sind zwar traditionell eine der wichtigsten Stützen bei den Gutachten. Doch diesmal gehen die Forscher von der Förde geschwächt ins Rennen. Zwei wichtige Mitarbeiter der Konjunkturabteilung haben das Handtuch geworfen und das konkurrierende Analyseinstitut Kiel Economics gegründet. Da das IfW eine gemeinsame Bewerbung mit Kiel Economics ablehnte, geht Kiel Economics nun mit dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) ins Rennen. Die Personaldecke beim IfW dürfte demnächst weiter ausdünnen, wenn der Finanzexperte des Instituts, Alfred Boss, in den Ruhestand geht. Um die Schwächen auszugleichen, haben die Kieler das ZEW aus Mannheim ins Boot geholt, das vom Chef des Sachverständigenrats, Wolfgang Franz, geleitet wird. Die ZEW-Ökonomen sollen vor allem bei den von der Regierung gewünschten Mittelfristprognosen ihr Know-how einbringen.

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