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100 Tage im Amt: Der disziplinierte Herr zu Guttenberg

von Von Christoph Neßhöver und Klaus Stratmann Quelle: Handelsblatt Online

Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten übernahm Karl Theodor zu Guttenberg das schwere Amt des Wirtschaftsministers - und punktet seitdem auf allen Ebenen. Nach 100 Tagen im Amt ist es Zeit für eine Zwischenbilanz. Was zu Guttenberg so erfolgreich macht - und wo die Stolpersteine für den gelernten Juristen liegen.

Wirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg begeistert Deutschlands Manager, und auch die politischen Gegner blicken neidisch auf den Erfolg des CDU-Politikers. Quelle: ap Quelle: handelsblatt.com
Wirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg begeistert Deutschlands Manager, und auch die politischen Gegner blicken neidisch auf den Erfolg des CDU-Politikers. Quelle: ap Quelle: handelsblatt.com

TROISDORF/BERLIN. Karl-Theodor zu Guttenberg steht in der Werkstatt wie sein eigenes Standbild. Den linken Arm vor dem Körper verschränkt, der rechte Ellbogen ruht in der Linken, die rechte Hand stützt das Kinn. Guttenberg sieht fast aus wie "Le Penseur", der Denker, von Auguste Rodin. Doch den Bundeswirtschaftsminister drücken die Weltprobleme nicht hinab wie die kauernde Bronze des französischen Bildhauers, kerzengerade steht er da.

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Fabrikbesuch bei der Firma Reifenhäuser in Troisdorf bei Bonn vergangene Woche, Ministerroutine. Zu Guttenberg lauscht dem Vortrag eines Auszubildenden, in seinem Kopf müssen die Krise, Opel, Schaeffler, Steuern, Staatsfonds, Wahlkampf, CSU herumsausen. Nichts davon ist ihm anzumerken. Diese 40 Minuten nimmt er sich, und er ist ganz da, hier im lichtschwachen Untergeschoss, wo 43 Azubis schweißen, fräsen, bohren und löten lernen, damit sie später den Standort Deutschland stärken.

Das will auch zu Guttenberg, der Minister-Neuling, der am heutigen Mittwoch genau 100 Tage im Amt ist. Kein Politiker hat eine solche Karriere hingelegt wie er. Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten übernahm der 37-Jährige im Februar das Amt völlig überraschend von seinem glücklos agierenden Vorgänger Michael Glos - und punktet seitdem auf allen Ebenen. Deutschlands Manager sind begeistert, seine Ministerialbeamten ebenfalls - und der politische Gegner blickt neidisch auf den Erfolg des CSU-Politikers.

Was macht der Jurist zu Guttenberg, der nie von sich behauptet hat, ein Wirtschaftsexperte zu sein, alles richtig? Er ist diszipliniert, schreckt nicht zurück vor langweiligem Aktenstudium. Er kommuniziert lässig, kann sich zurücknehmen und dennoch in der Sache hart bleiben. Er agiert situativ - so wie bei Reifenhäuser in Troisdorf.

Beim Rundgang durch die Werktische geht zu Guttenberg unbefangen auf die Azubis zu, nicht mit Schulterklopfen, sondern mit fast jugendlicher Neugier. Keiner der jungen Männer fremdelt. Als einer eine Schweißnaht setzen soll, greift zu Guttenberg nach der Schweißermaske, um sie anzureichen. Kollege KTG steht immer bereit.

Nein, die Politik könne natürlich längst nicht alles richten, sagt Firmenchef Ulrich Reifenhäuser. Aber "das Frische" zu Guttenbergs, seine positive Präsenz, das sei schon bemerkenswert. Maschinen für die Kunststoffverarbeitung stellt das Traditionsunternehmen her, 1 200 Mitarbeiter weltweit. Seit Februar gilt für viele bei Reifenhäuser in Troisdorf Kurzarbeit. Besserung erwartet der Chef erst im Herbst wieder. Der Minister könnte dann - je nach Ausgang der Bundestagswahl - bereits zu neuen Zielen streben. Wenn er also im Herbst schon nicht mehr Wirtschaftsminister ist - was dann? In Berlin traut man ihm vieles zu. Vielleicht nicht schon morgen, aber vielleicht in ein paar Jahren. Warum soll der Mann mit dem verzweigten internationalen Netzwerk nicht einmal als Außenminister seine Kontakte spielen lassen? Nichts ist unmöglich.

Was macht zu Guttenberg falsch? Seinen Kritikern ist er zu präsent. Vielleicht sollte er gelegentlich eine Kamera links liegen lassen. Und auch an seiner ordnungspolitischen Verankerung werden Zweifel laut. Der Fall Opel könnte den Minister noch in Bedrängnis bringen.

Heute, am 100. Tag im Amt, dreht sich wieder alles um den angeschlagenen Autobauer: Die Bieter für das Unternehmen geben ihre Konzepte ab. In den nächsten Tagen und Wochen wird zu Guttenberg mit darüber entscheiden müssen, wie weit der Staat potenziellen Opel-Investoren entgegenkommen kann. Opel wird somit auch der persönliche Ernstfall des Ministers. Rein theoretisch hat er sich festgelegt: "Der Chance auf privaten Gewinn muss in der Marktwirtschaft auch das Risiko des einzelwirtschaftlichen Scheiterns gegenüberstehen." Wer diesen Mechanismus leichtfertig außer Kraft setze, schwäche das Vertrauen der Bürger in die soziale Marktwirtschaft. Unter dem Druck des Wahlkampfes sind Fehlentscheidungen im Fall Opel dennoch nicht ausgeschlossen.

Etwas Symbolisches gibt es bei zu Guttenbergs Firmenbesuch zum Abschied: Ein Azubi überreicht ihm einen ausgehöhlten Würfel aus Aluminium, in den mehrere andere, immer kleiner werdende Würfel gefräst sind. Ein filigranes Kunstwerk, so groß wie ein Tennisball. Zu Guttenberg bedankt sich per Handschlag. Der Azubi ist im zweiten Lehrjahr, bis zur Meisterprüfung wird es noch dauern. Zu Guttenberg dürfte seinen Minister-Meisterbrief wohl früher bekommen.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 20.05.2009, 17:12 Uhrirgendwieschwul

    Man hat das Gefühl der Autor des Artikels will Gutenberg am liebsten Heiraten. Er sollte ihm mal einen Antrag machen. Vielleicht klapts.

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