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2011: Steuerreform erhöht Sparbedarf des Bundes drastisch

von Donata Riedel Quelle: Handelsblatt Online

Die geplante Steuerreform 2011 wird in der Union inzwischen offen in Frage gestellt. "Wer jetzt laut nach einer Steuerreform 2011 ruft, muss gleichzeitig auch sagen, wie sie finanziert werden kann", sagte Unionsfraktionsvize Michael Meister (CDU) dem Handelsblatt. Eine Neuregelung würde den Sparbedarf des Bundes im Reformjahr auf 20 Mrd. Euro erhöhen.

Hat die Präsentation eines Milliarden-Sparpakets für Mitte nächsten Jahres angekündigt: Finanzminister Wolfgang Schäuble. Quelle: ap Quelle: handelsblatt.com
Hat die Präsentation eines Milliarden-Sparpakets für Mitte nächsten Jahres angekündigt: Finanzminister Wolfgang Schäuble. Quelle: ap Quelle: handelsblatt.com

BERLIN. "Weitere Steuerentlastungen, die den Bund 10 Mrd. Euro kosten, kämen zum bereits vorhandenen Sparbedarf noch hinzu", sagte CDU-Politiker Meister. Auf der Umsetzung der Steuerreform 2011 beharrt vor allem die FDP. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) beziffert den Sparbedarf im Bundeshaushalt mit jährlich zehn Mrd. Euro bis 2016: Nur dann kann Deutschland die Anforderungen der neue Schuldenbremse im Grundgesetz erfüllen. Wenn die schwarz-gelbe Koalition die geplante Steuerreform 2011 mit Steuerausfällen von 20 Mrd. Euro beim Bund, Ländern und Gemeinden umsetzt, würde dies den Bund zwingen, 2011 statt zehn Mrd. Euro 20 Mrd. Euro dauerhaft einzusparen. Dies ist doppelt soviel, wie es das "liberale Sparbuch" der FDP vorsieht.

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Meister befürchtet zudem, dass die Steuerreform den Bund noch teurer kommt. "Ich könnte mir vorstellen, dass die Länder verlangen werden, dass der Bund ihren Anteil an den Steuerausfällen auch noch übernimmt", sagte er mit Blick auf den wohenlangen Bund-Länder-Streit über das vergangene Woche verabscheidete Wachstumsbeschelunigungsgesetz: Erst nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) höhere Ausgaben des Bundes für Bildung zugesagt hatte, stimmten alle schwarz-gelb regierten Bundesländer den Steuersenkungen für Familien, Erben, Unternehmen und Hoteliers zu. Mehrere CDU-Ministerpräsidenten hatten wärhed des Streits ihren Widerstand gegen weitere Steuersenkungen angekündigt.

FDP-Fraktionsvize Jürgen Koppelin mahnte Finanzminister Schäuble zu ehrgeizigen Sparanstrengungen. "Da wird manches Zierpflänzchen aus dem Bundeshaushalt herauszureißen sein", sagte Koppelin am Montag in Berlin. Schäuble hatte zuvor die Präsentation eines Milliarden-Sparpakets für Mitte nächsten Jahres angekündigt.

Koppelin forderte, die schwarz-gelbe Koalition müsse die Kraft haben, im Haushalt für 2011 an alle Subventionen heranzugehen. Es könne nicht sein, einzelne Bereiche herauszugreifen. Notwendig seien Einsparungen bei der Bundesagentur für Arbeit sowie Umstrukturierungen bei der Bundeswehr. Ziel müsse sein, ab 2011 zehn bis 15 Milliarden Euro pro Jahr zu sparen. Parallel müsse auch der Kurs der Steuerentlastungen fortgesetzt werden.

"Es muss Schluss sein damit, auf der einen Seite von Einsparungen zu reden und auf der anderen Seite Kuhprämien zu verteilen", forderte Koppelin. Von der schwarz-gelben Bundesregierung müssten klare Einsparsignale ausgehen. Die Bürger müssten sehen, dass der Staat eine neue Bescheidenheit an den Tag lege. Im Verteidigungsetat müssten etwa das geplante Raketenabwehrsystem MEADS und der Militärtransporter A 400M auf den Prüfstand, forderte der FDP-Haushaltsexperte. Auch im Gesundheitswesen könne der Zuschuss des Bundes mit fast 16 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf Dauer so nicht bleiben.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 21.12.2009, 15:48 UhrGottfried

    Wenn man die Probleme in den Griff bekommen will, geht kein Weg an einem einfacheren Steuersystem vorbei. Das muss ja nicht das 3-Stufen-Modell der FDP sein. Das geht auch gerechter mit und genauso einfach in 1000er oder 500er Schritten und es muss ja nicht bei 43 % Schluss sein. Nur so ist gewährleistet, dass der Staat auch die Steuern einnimmt, die er braucht, um seine Aufgaben zu erfüllen. Gleichzeitig muss natürlich das mit den Schlupflöchern rigoros beendet werden.

    Ein weiterer Punkt, wo eingespart werden könnte, ist bei den Personalausgaben. Das geht aber nur, wenn unsere Damen und Herren Politiker endlich einfache Gesetze machen, die auch leicht vollziehbar sind. Leider ist der Gegenteil der Fall. Damit man diese meist extrem komplizierten Gesetze überhaupt vollziehen kann, ist ganz einfach ein teuerer und großer bürokratischer Apparat notwendig. Mein Vorschlag für das Grundgesetz: "Gesetze, die ein normal gebildeter Mensch nicht versteht, sind nichtig". Als beamter, der ich mich tagtäglich mit diesem Müll herumschlagen muss, nehme ich mir heraus, das so drastisch zu beurteilen.

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