Arbeitsmarkt: Harte Zeiten für Berufseinsteiger

Arbeitsmarkt: Harte Zeiten für Berufseinsteiger

, aktualisiert 03. Dezember 2011, 08:08 Uhr
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Akademiker, die ihr Berufsleben in Krisenzeiten beginnen, haben unter lange dauernden Einkommenseinbußen zu leiden.

von Olaf StorbeckQuelle:Handelsblatt Online

Eine neue Studie hat den Karriereweg von mehr als 2.000 Vorstandschef ausgewertet. Das Fazit: Hochschulabsolventen, die in einer Rezession auf den Arbeitsmarkt kommen, verdienen noch Jahrzehnte später weniger Geld.

LondonAus der gesamten Republik reisen sie in diesen Tagen nach Köln: Tausende Studenten und Hochschulabsolventen auf der Suche nach ihrem ersten Job. Noch bis zum morgigen Freitag präsentieren sich in der Kölner Messe rund 300 Unternehmen den Berufseinsteigern. Das Spektrum der potenziellen Arbeitgeber auf Deutschlands größtem Absolventenkongress reicht von der trendigen Modefirma Abercrombie&Fitch bis hin zum Panzerhersteller Rheinmetall. 25000 freie Stellen haben diese Firmen im Angebot.

Eine unbequeme Wahrheit allerdings wird in Köln niemand laut aussprechen: Momentan ist ein denkbar schlechter Zeitpunkt, um in den Arbeitsmarkt einzusteigen – unabhängig davon, wie schnell man einen ersten Job findet.

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Warum der Zufall regiert
Denn Beschäftigte, die ihr Berufsleben in einer Wirtschaftskrise beginnen, haben in der gesamten Karriere schlechtere Karten auf dem Arbeitsmarkt. Zu diesem Ergebnis kommen Arbeitsmarktforscher in einer ganzen Reihe von Studien.

Antoinette Schoar und Luo Zuo von der Sloan School of Management des MIT haben die Karrierewege von mehr als 2000 Vorstandschefs börsennotierter US-Unternehmen ausgewertet. In einer Datenbank haben sie detaillierte Informationen zur Ausbildung, Karrierebeginn, der Zahl der Jobwechsel und dem aktuellen Jahreseinkommen zusammengetragen.

Die Analyse dieser einzigartigen Datensammlung legt ein klares Muster offen: Führungskräfte, die in einer Rezession ihren ersten Job angenommen haben, stehen noch Jahrzehnte später schlechter da als Kollegen, die in wirtschaftlich normalen Zeiten ins Erwerbsleben eingestiegen sind: Die Opfer des Abschwungs verdienen weniger, leiten kleinere Unternehmen und haben in ihrer Berufskarriere weniger lukrative Jobangebote von außen bekommen.

Die Gehaltsunterschiede sind enorm: Firmenchefs, die ihren ersten Job in einer Wirtschaftskrise gefunden haben, streichen pro Jahr rund 17 Prozent weniger Geld ein, stellen die Forscher fest. Die niedrigere Bezahlung lasse sich nicht allein damit erklären, dass diese Manager kleinere Firmen führen, betonen Schoar und Zuo. Das Fazit der beiden Forscher ist daher eindeutig: „Die ökonomischen Bedingungen zu  Beginn der Karriere eines Managers haben einen dauerhaften Effekt auf seinen späteren Karriereweg.“

Dieses Phänomen gilt nicht nur für Führungskräfte, die es ganz an die Spitze eines Unternehmens schaffen – sämtliche Hochschulabsolventen sind davon betroffen. Dafür spricht eine Studie eines dreiköpfigen Forscherteams um Till von Wachter, Professor an der Columbia University in New York. Die Wissenschaftler nutzten Daten aus Kanada, mit denen sie die Erwerbsbiografien fast aller männlichen Hochschulabsolventen nachvollziehen konnten, die zwischen 1976 und 1995 ihr Examen machten.


Hohe Einkommenseinbußen

Wer das Pech hatte, in einer Rezession erstmals auf Jobsuche zu gehen, musste deutliche Einkommenseinbußen hinnehmen: Das Einstiegsgehalt war im Schnitt neun Prozent niedriger. Auch wenn sich die Lage der Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt wieder normalisiert hat, bleibt diese Lücke noch jahrelang bestehen. Die Einbußen beim Lebenseinkommen sind daher beträchtlich. „Für Hochschulabsolventen hat selbst eine vergleichsweise kurze Schwächephase auf dem Arbeitsmarkt lang andauernde negative Effekte“, lautet das Fazit.

Zwei Gründe dürften dafür verantwortlich sein: Zum einen ist der Verzicht auf Neueinstellungen für Unternehmen einer der schnellsten Wege, um Personalkosten zu senken. Berufseinsteiger haben daher eine weit geringere Auswahl an offenen Stellen und müssen sich auf schlechtere, weniger gut bezahlte Posten einlassen. Zum anderen funktioniert der Arbeitsmarkt im wirklichen Leben nicht so effizient und reibungslos wie in den Lehrbüchern. Daher fällt es Berufseinsteigern, die sich unter Wert verkaufen mussten, nach dem Ende der Krise schwer, schnell eine attraktivere Stelle zu finden.

Paul Oyer, Professor an der Stanford Business School, führt diesen Mechanismus am Beispiel von Hochschulvolkswirten vor Augen. Der Wissenschaftler hat den Forschungsoutput und die Karrierewege von 2400 US-Ökonomen analysiert, die in den vergangenen drei Jahrzehnten an amerikanischen Hochschulen promoviert haben.

Der Zufall beeinflusst die Karrierewege massiv. Forscher, die nach ihrer Promotion in einer Hochkonjunktur zum ersten Mal auf Jobsuche gehen, landen unabhängig von ihren persönlichen Leistungen im Schnitt an einer renommierteren Universität. Und  je besser der erste Job, desto steiler auch der weitere Karriereweg.

Wer in schlechten Zeiten mit der Karriere beginnt, habe es schwerer, sein eigenes Können unter Beweis zu stellen, vermuten die MIT-Forscher Schoar und Zuo. Ein deutliches Indiz dafür ist, dass Manager, deren Karriere in einer Krise beginnt, deutlich seltener von anderen Unternehmen abgeworben werden. Wenn es mit dem gesamten Unternehmen bergab geht, ist es für den Einzelnen viel schwerer, mit einer guten Leistung aufzufallen.


Quelle:  Handelsblatt Online
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