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„2016: Obama's America“: Der Michael Moore der anderen

von Nils Rüdel Quelle: Handelsblatt Online

Obama hasst Israel. Er sympathisiert mit Islamisten. Er will Amerika absichtlich schwächen. Diese Thesen vertritt der US-Intellektuelle Dinesh D'Souza in einer umstrittenen Doku. Sein Werk ist erstaunlich erfolgreich.

US-Präsident Barack Obama ist der Lieblingsfeind von US-Filmemacher Dines D'Souza. Quelle: Reuters
US-Präsident Barack Obama ist der Lieblingsfeind von US-Filmemacher Dines D'Souza. Quelle: Reuters

TampaDinesh D'Souza ist ein freundlicher Mann. Sein Blick hat etwas Schelmisches, ein bisschen sieht er aus wie Mister Bean. Doch anders als die britische Kunstfigur ist D'Souza nicht durch seinen Humor bekannt, sondern eher durch seine Wut. Der indisch-stämmige US-Intellektuelle ist der tiefsten Überzeugung, dass Linke, Liberale und Atheisten das Land ruinieren.

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D'Souzas Lieblingsfeind aber ist US-Präsident Barack Obama. Ihm hatte der Bestseller-Autor und Präsident des King's College in New York vor zwei Jahren ein Buch gewidmet („The Roots of Obama's Rage“ – „Die Wurzeln von Obamas Wut“), das er später verfilmte und als Dokumentation in die amerikanischen Kinos brachte. Nach der wenig beachteten Premiere Mitte Juli in einem einzigen Kino hat es „2016: Obama's America“ nun am Wochenende zu überraschendem Erfolg gebracht.

Rund 6,2 Millionen Dollar spielte der Streifen ein und erreichte damit Platz 8 acht der Bestenliste, die von Sylvester Stallones „The Expendables 2“ mit 18,5 Millionen Dollar angeführt wurde. „Es ist extrem selten, dass eine Dokumentation in die Top Ten gelangt“, sagte der Analyst Paul Dergarabedian von Hollywood.com. Beachtlich sei vor allem, dass es sich um einen konservativen Film handle: Normalerweise spielten liberale Produktionen wie die Filme Michael Moores das Geld ein. „Fahrenheit 9/11“ etwa erzielte in den USA insgesamt 119 Millionen Dollar.

D'Souzas Film, der inzwischen in mehr als 1.000 US-Kinos läuft und bislang lediglich durch konservative Radio- und TV-Sender wie Fox News und Mundpropaganda bekannt wurde, ist damit zugleich die erfolgreichste konservative Polit-Doku aller Zeiten. Gezeigt wurde er auch in den Hotels von Tampa, in denen diese Woche Delegierte des Parteitags der Republikaner abgestiegen sind. Nach dem Genuss des Films können sie ihrem Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney umso lauter zujubeln.

Der Anti-Michael-Moore, der zusammen mit John Sullivan Regie führte und den Film von Gerald Molden („Schindlers Liste“) produzieren ließ, malt ein Horrorszenario, was mit Amerika passieren würde, sollte Obama im November als Präsident wiedergewählt werden: Ein schwaches, überschuldetes Stück Elend. Dem zu Grunde liegt eine eigenwillige Theorie: D'Souza ist überzeugt, dass Obama Amerika absichtlich klein machen will. Die Wirtschaft soll schrumpfen, der Einfluss sinken.

Das Motiv für die geheime Agenda des Präsidenten: Sein kenianischer Vater, der die Familie früh verließ, war ein Streiter gegen den Kolonialismus, weshalb Sohn Barack den Einfluss des Westens in der Welt insgesamt schmälern wolle. Er sympathisiere mit Aufständischen und hege einen Hass auf Israel und Großbritannien, weil er sie als Symbole für Unterdrückung betrachte.

Wie zu erwarten war, gibt es Einspruch gegen den Film. „Sie glauben das doch selbst nicht wirklich, oder?“, fragte etwa CNN-Starmoderator Piers Morgan Mitte August seinen Gast D'Souza.

Es folgte ein Duell, bei dem die Worte „lächerlich“ und „kompletter Unsinn“ noch zu den harmlosen gehörte. „Ich sage nicht, dass Obama ein böser Mensch ist“, rechtfertigte sich D'Souza. „Er will nur den Fußabtritt Amerikas in der Welt verkleinern“. Weil er tief überzeugt davon sei, in der Welt gehe es ungerecht zu.

Doch könnte der Film Obama im Wahlkampf schaden? Nach Ansicht von David Marks , Autor des Buches („Going Dirty: the Art of Negative Campaigning“), werde „Obama's America“ zwar nicht unmittelbar die wichtigen unabhängigen Wähler beeinflussen, sagte Marks dem „Christian Science Monitor“. Dennoch solle man die Wirkung des Films nicht unterschätzen: „Er könnte die Basis anstacheln, die wiederum die Wähler beeinflussen kann“.

Mit Material von AP

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