75 Jahre Pearl Harbor: Als Amerika in den Krieg gezwungen wurde

75 Jahre Pearl Harbor: Als Amerika in den Krieg gezwungen wurde

, aktualisiert 07. Dezember 2016, 06:44 Uhr
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Während Japans siegreiche Piloten auf den Flugzeugträgern mit Sake empfangen wurden, war Amerika gelähmt.

Quelle:Handelsblatt Online

Vor 75 Jahren stürzten sich Hunderte japanische Kampfflieger auf die US-Pazifikflotte. Mit dem „Tag der Schande“ wurden die USA in den Zweiten Weltkrieg gezogen. Gleichzeitig gab es eine Wende in der Kriegsführung.

OahuEine Zeitschrift hatte Hawaii gerade „eine Welt des Glücks in einem Meer des Friedens“ genannt, als zwei Soldaten etwas Seltsames bemerkten. Eigentlich hatten George Elliott und Joseph Lockard ihre brandneue Radaranlage nur zur Übung eingeschaltet, doch solche Ausschläge hatten sie noch nie gesehen. Die Vorgesetzten beschwichtigten, dass es wohl eigene Maschinen seien. Doch auf der Rückfahrt zu ihrem Stützpunkt wurden Lockard und Elliott Augenzeugen eines der berühmtesten Angriffe der Kriegsgeschichte: Hunderte japanische Flugzeuge stürzten sich in Pearl Harbor auf Hawaii auf die amerikanische Pazifikflotte und vernichteten ein gewaltiges Schlachtschiff nach dem anderen. Mit dem „Tag der Schande“ (Präsident Franklin D. Roosevelt) wurden die USA vor 75 Jahren in den Zweiten Weltkrieg gezogen.

Dabei wurde auch in Asien schon seit Jahren gekämpft. Die Japaner eilten von Sieg zu Sieg, besetzten weite Teile Chinas – und begingen entsetzliche Kriegsverbrechen. Washington verhängte daraufhin ein Öl-Embargo. Tokio sah nur zwei Möglichkeiten: Entweder klein beigeben – oder Krieg. Dabei war klar, dass man gegen den Riesen nur mit einem Überraschungsschlag eine Chance hatte.

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Der Mann der Stunde hieß Yamamoto Isoroku. Klein, dick, Brille, brillant. Der Admiral kannte die Amerikaner gut und bewunderte nicht nur ihren früheren Präsidenten Abraham Lincoln, sondern auch ihre Wirtschaftskraft. Er soll selbst überzeugt gewesen sein, dass Japan einen Krieg gegen die mächtige Nation nie gewinnen könne. Isoroku, dem Glücksspiel verfallen, setzte auch im Pazifik alles auf eine Karte. Er selbst schätzte die Erfolgschancen auf 50:50.

Sechs Flugzeugträger machten sich auf den 5000 Kilometer langen Weg. Weil jeder Funker auch beim Morsen seine eigene Handschrift hat, blieben sie in der Heimat und funkten sich gegenseitig Belanglosigkeiten zu, als würden sich die japanischen Matrosen in den Häfen langweilen. In den Morgenstunden eines Sonntags in Friedenszeiten überraschten dann fast 400 Flugzeuge die Amerikaner. Die Gegenwehr organisierte sich schneller als oft behauptet wurde. Dennoch war es ein ungleicher Kampf. Mit Bomben und Torpedos wurden die Schlachtschiffe, der Stolz einer Nation, auf Grund gesetzt.

Während Japans siegreiche Piloten auf den Flugzeugträgern mit Sake empfangen wurden, war Amerika gelähmt. 2400 Menschen waren tot, die Schlachtschiffe versenkt und die Japaner besetzten ohne ernsthafte Gegenwehr weite Teile Asiens. Doch die Monopolstellung währte nur ein halbes Jahr. Denn die US-Flugzeugträger waren auf hoher See dem Angriff entkommen. In der Schlacht von Midway, dem Stalingrad Asiens, versenkten sie gleich vier Flugzeugträger der Japaner.

Es war auch eine Wende in der Kriegsführung: Nicht eines der Schiffe hatte in Midway ein gegnerisches gesehen, die Schlacht wurde ausschließlich mit Trägerflugzeugen geführt. Japan baute bis Kriegsende noch sieben dieser gewaltigen Schiffe. Die USA 90.

Die USA führten den Pazifikkrieg fast allein - die Russen griffen erst im August 1945 ein, nur Tage vor der Kapitulation des Kaiserreichs. Entsprechend lebendig ist die Erinnerung noch in den USA und „Remember Pearl Harbor“ wurde erst 60 Jahre später von „Nine Eleven“ als Begriff für Wachsamkeit und Entschlossenheit abgelöst.

Beim Wort „Pearl Harbor“ fällt vielen gleich das Wort „USS Arizona“ ein. Das Schlachtschiff war nach einem Volltreffer in sieben Minuten gesunken und wurde das Grab für mehr als 1100 Menschen. Täglich setzen Dutzende Boote zu dem weißen Mahnmal über. „Sie weint noch immer“, heißt es, weil das nur wenige Meter unter der Wasseroberfläche liegende Wrack auch nach 75 Jahren noch Öl verliert. Angehörige und Touristen werfen hier Blüten ins Wasser und schweigen einfach.

Nicht alle. Manche japanische Touristen nutzen das Mahnmal für Selfies, mit breitem Grinsen und Victory-Zeichen. Die Ordner gucken ein bisschen gequält. „Andere Touristen sind bei diesem Anblick meistens sprachlos“, sagt einer. „Und wenn sich doch einer aufregt, zeigen wir einfach da rüber“, sagt er lächelnd: Gleich neben dem Mahnmal liegt die „USS Missouri“. Auf dem Schlachtschiff unterzeichnete Japan 1945 die bedingungslose Kapitulation – 1365 Tage nach Pearl Harbor.

Quelle:  Handelsblatt Online
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