Abflauendes Wirtschaftswachstum : Was der Negativrekord in China wirklich bedeutet

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KommentarAbflauendes Wirtschaftswachstum : Was der Negativrekord in China wirklich bedeutet

von Philipp Mattheis

Chinas Wachstumszahlen enttäuschen. Doch droht der Volksrepublik nun eine Wirtschaftskrise? Was die Werte wirklich bedeuten und was China künftig ändern muss.

7,5 Prozent Wachstum klingt zunächst viel. Erst wenn man eine zweite Zahl zur Hilfe nimmt, wird deutlich, dass es sich bei den aktuellen Wachstumszahlen aus China schon um einen Negativrekord handelt: Als die zweitgrößte Volkswirtschaft das letzte Mal so wenig wuchs, schrieb man das Jahr 1999 und Bill Clinton war noch Präsident der USA. Auch andere Indikatoren deuten auf Probleme hin: Im Juni sanken die Exporte überraschend um 3,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Auch der Einkaufsmanagerindex der HSBC notiert auf einem Neun-Monats-Tief bei 48,2 Punkten. Droht der Volksrepublik eine Wirtschaftskrise?

Nicht unbedingt. Was in China gerade passiert, lässt sich am besten durch das viel zitierte chinesische Sprichwort beschreiben, wonach jede Krise eine Chance ist.

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Chinas Wirtschaft hat ein fundamentales Problem: Sie hängt zu stark an Investitionen und großen Infrastrukturprojekten. Das Problem verschärfte sich mit dem Konjunkturpaket, mit dem Peking die Folgen der Lehman-Krise bekämpfte. Damals pumpte die chinesische Zentralbank knapp 500 Milliarden Euro in Form billiger Kredite in die Wirtschaft. Von dem Geld profitierten vor allem die großen Staatsunternehmen, die damit den Bau vieler, teil ineffizienter, teil überflüssiger Infrastrukturprojekte vorantrieben. Wer einmal in einem chinesischen Provinznest in einen nagelneuen Bahnhof von der Größe eines Fußballstadions gestiegen ist, weiß, was das bedeutet.

Wachstum verlangsamt sich Chinas Exporte gehen überraschend zurück

Dem chinesischen Drachen fehlt Feuer: Ein abrupter Rückgang der Ausfuhren sowie eine enttäuschende Importnachfrage lassen ein schwächeres Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt erwarten.

Quelle: REUTERS

Das kann allerdings nicht mehr lange so weitergehen: In den letzten Jahren war immer mehr Geld für immer weniger Wachstum nötig. Von der lange und immer wieder angekündigten Transformation war bisher wenig zu merken: Im ersten Quartal wuchs die Wirtschaft 7,6 Prozent, davon waren 4,1 Prozentpunkte auf Investitionen zurückzuführen.

Ende Juni zeigte die Zentralbank erstmals Entschlossenheit. Sie drehte kurzerhand den Geldhahn zu. Panik entstand und die Frage kursierte: Droht China eine Lehman-Pleite? Das gilt mittlerweile als ausgeschlossen, denn die Zentralbank hat verlautet, keine Geschäftsbank pleite gehen zu lassen. Allerdings meint es Peking ernst mit der Einschränkung der Kreditvergabe. Die Aktion Ende Juni wird als Warnschuss an die Banken gewertet, ihre Kreditvergabe strengeren Kriterien zu unterlegen.

"Das Wachstum wird in den nächsten Jahren definitiv geringer ausfallen", sagt Michael Pettis von der Pekinger Universität. "Die gute Nachricht daran ist: Die Regierung ist entschlossen, die Wirtschaft auf mehr Konsum auszurichten."

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