Barack Obama: "Wir nicht da sind, wo wir sein müssten"

Abschiedsrede: Obama ruft Amerikaner zum Festhalten am Wandel auf

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Barack Obama hält seine Abschiedsrede in McCormick Place in Chicago

In einer emotionalen Rede nimmt Barack Obama Abschied von den Amerikanern. Leidenschaftlich beschwört er noch einmal die Botschaft vom Wandel - und versucht seinen Zuhörern die Angst vor dem Neuen zu nehmen.

US-Präsident Barack Obama hat in seiner Abschiedsrede seine politische Vision vehement verteidigt und seine Landsleute zu einem optimistischen Blick auf die Zukunft ermutigt. In der knapp einstündigen TV-Ansprache in seiner Heimatstadt Chicago erinnerte er an die Erfolge und Rückschläge seiner Amtszeit und an seine einstige Wahlkampfparole vom Wandel. An diese Botschaft glaube er weiterhin, erklärte Obama. In zehn Tagen reicht der scheidende Präsident den Staffelstab an den Republikaner Donald Trump weiter, der dann vereidigt wird.

Den Namen seines Nachfolgers erwähnte Obama nur flüchtig. Als er auf Bedrohungen für den von ihm beschworenen Wandel zu sprechen kam, buhte die Menge im Kongresszentrum McCormick Place in Chicago. Obama verbat sich das jedoch. Einer der Stärken der USA sei „die friedliche Machtübergabe von einem Präsidenten zum nächsten.“

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Zugleich nahm er die Bürger in die Pflicht. Bei der Bewältigung der zahlreichen Herausforderungen im Land komme es auf das Engagement von jedem an, sagte Obama. Mit Blick auf den erbitterten Wahlkampf im vergangenen Jahr richtete er zugleich mahnende Worte an die Politik. Das große Potenzial Amerikas „wird nur ausgeschöpft, wenn unsere Demokratie funktioniert. Nur wenn unsere Politik die Anständigkeit unseres Volkes widerspiegelt.“

Zugleich übte sich Obama in Selbstkritik. Die Fortschritte im Land seien „uneben“ verlaufen. Bisweilen wirke es auch, als ob auf „alle zwei Schritte nach vorn“ ein „Rückschritt“ erfolgt sei. Doch strebten die USA nach einer „Vorwärtsbewegung, einer konstanten Ausweitung unseres Gründungscredos, jeden einzuschließen, nicht nur einige wenige“, sagte er.

Gleichwohl beklagte der erste schwarze Präsident der USA, dass die Gräben zwischen den Ethnien längst nicht überwunden seien. Das Gerede vom postethnischen Amerika nach seinem Wahlsieg 2008 möge zwar gut gemeint gewesen sein, sei jedoch „nie realistisch“ gewesen. Er lebe lange genug, um zu wissen, dass die Beziehungen zwischen den Ethnien zwar besser seien als vor 30 Jahren. Doch wisse er auch, dass „wir nicht da sind, wo wir sein müssten“, ergänzte der 55-Jährige.

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Tränenreiche Abschiedrede von Michelle Obama

Das Land leide zudem an einer „krassen Ungleichheit“, die dessen demokratischen Prinzipien zersetze. Zu viele Familien in Brennpunkten von US-Städten und in ländlichen Gebieten seien zurückgelassen worden. Daher seien viele zu der Überzeugung gelangt, dass das „Spiel zu ihren Lasten manipuliert“ werde und dass die Regierung lediglich ihren eigenen mächtigen Interessen diene.

Diese Gemengelage sei ein „Rezept für mehr Zynismus und Polarisierung in unserer Politik“, ergänzte Obama. Mit seinen Worten schien er dem Umstand Rechnung zu tragen, dass unter anderem die wirtschaftliche Unsicherheit zum Wahlsieg Trumps im vergangenen November beitragen hatte.

Im Wahlkampf hatte Obama mit teils apokalyptischer Wortwahl vor dem milliardenschweren Politeinsteiger Trump gewarnt. Mit dessen baldigem Einzug ins Weiße Haus dürfte nun Obamas politisches Vermächtnis zur Debatte stehen. Dazu gehören unter anderem seine Gesundheitsreform, Bemühungen um den Umweltschutz und der Atomdeal mit dem Iran.

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