Abschuss von MH17: Russland fälschte Satellitenfotos

Abschuss von MH17: Russland fälschte Satellitenfotos

, aktualisiert 01. Juni 2015, 17:02 Uhr

Fast elf Monate sind seit dem Abschuss von Flug MH17 vergangen. Um die Schuldfrage wütet ein Propagandakrieg. Russland macht Kiew verantwortlich und legt Bilder vor. Doch was beweisen die?

Russland hat offenbar Beweismaterial zum Abschuss der Passagiermaschine mit Flugnummer MH17 über der Ostukraine gefälscht. Die von Moskau präsentierten Satellitenfotos als Beweis für eine Schuld der Ukraine seien manipuliert worden, berichtet die investigative britische Plattform Bellingcat. Der am Sonntagabend online veröffentlichte Bericht bestätigt frühere Analysen von Experten.

Das Flugzeug war am 17. Juli vergangenen Jahres über der Ostukraine vermutlich von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden. Alle 298 Menschen des Fluges MH17 wurden getötet. Die meisten Opfer kamen aus den Niederlanden. Russland macht die Ukraine verantwortlich.

Wie wahrscheinlich sind die MH370-Theorien?

  • Ein Jahr Stochern im Nebel

    Flug MH370 bleibt verschwunden. Niemand weiß, was sich in den letzten Stunden an Bord abgespielt hat. Die Theorien reichen von unglaublich bis absurd.  Ermittler und Experten, Wichtigtuer und Wahrsager bieten ihre Expertise in Sachen MH370 an. Was geschah mit dem Flug der Malaysia Airlines, der am 8. März 2014 mit 239 Menschen an Bord spurlos verschwand?

    Quelle: dpa

  • Technischer Defekt

    An Bord war zwar eine Ladung mit gut 200 Kilogramm hoch brennbaren Batterien. Ein Brand hätte womöglich die beiden Kommunikationssysteme zerstören können - aber die Piloten hätten zuvor im Cockpit Alarm gehört und über Funk eine Notsituation gemeldet, sagen Piloten. Hätten toxische Dämpfe oder ein Druckabfall Passagiere und Crew bewusstlos gemacht, hätte die Maschine nach dem letzten Radarkontakt nicht zwei abrupte Kursänderungen nehmen können.

  • Entführung durch Terroristen

    Als die Kursänderungen eine Woche nach dem Verschwinden enthüllt wurden, sagte Malaysias Regierungschef Najib Razak: „Diese Bewegungen deuten auf absichtliches Eingreifen durch jemanden an Bord hin.“ Die Ermittler haben alle Passagiere und Besatzungsmitglieder unter die Lupe genommen. Niemand hatte Terror-Sympathien oder -Verbindungen, auch die beiden Iraner nicht, die mit gefälschten europäischen Pässen an Bord waren. Sie träumten vom besseren Leben in Europa. Keine Terrororganisation hat sich je zu einem Anschlag bekannt.

  • Verwicklungen eines Schurkenstaats

    Kann ein Schurkenstaat dahinterstecken? Das behauptet der Amerikaner Christopher Green in einem auf YouTube populären Video, allerdings ohne jedwede Indizien. Ein Schurkenstaat habe die Maschine gekapert, wolle sie mit Atomwaffen ausstatten und eines Tages auf eine US-Stadt lenken. Der US-Autor Jeff Wise vermutet die Maschine dagegen in russischen Händen und spekuliert wild über abwegige Motive.

  • Machenschaften der Geheimdienste

    Das FBI taucht immer bei Verschwörungstheorien auf: Die USA seien hinter etwas her gewesen, das an Bord war, meint der chinesische Blogger He Xin. Die US-Botschaft in Kuala Lumpur sah sich sogar genötigt zu dementieren, dass das Flugzeug auf dem US-Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean landete. Ex-Airline-Chef und Buchautor Marc Dugain kombiniert diese Theorien zu seiner Version: Hacker manipulierten die Bordcomputer von außen und lenkten die Maschine auf den US-Stützpunkt, vor dem das US-Militär die Maschine abschoss.

  • Abschuss des Fliegers

    Kann die Maschine aus Versehen abgeschossen worden sein? Das behauptet der britische Autor Nigel Cawthorne in einem Buch. Bei einer damals stattfindenden thailändisch-amerikanischen Militärübung im Südchinesischen Meer sei scharfe Munition verwendet worden. Die Geschichte vom stundenlangen Flug in Richtung Süden sei erfunden worden, um sicherzustellen, dass das Wrack an falscher Stelle gesucht und nie gefunden wird. Seriöse Experten zweifeln nicht an den Angaben der Satellitenfirma Inmarsat, die Stunden nach dem Verschwinden Daten von der Maschine auffing.

  • Selbstmord des Piloten

    Hat der Pilot selbst die Maschine ins Verderben gelenkt? Das halten mehrere erfahrene Unfallermittler für die wahrscheinlichste Variante. Sie äußern sich in einer Dokumentation des Senders National Geographic: Der Pilot dirigiert den Kopiloten unter einem Vorwand aus dem Cockpit, nimmt eine Sauerstoffmaske, löst in der Kabine einen Druckabfall aus, der alle ins Koma versetzt und fliegt Richtung Süden, bis die Maschine mit leeren Tanks abstürzt. Warum würde aber jemand auf Suizid-Mission die Maschine so lange fliegen lassen?

Die Ukraine und auch westliche Staaten halten jedoch die pro-russischen Rebellen für verantwortlich und werfen Moskau eine Mitschuld vor. Auch die niederländische Staatsanwaltschaft hatte bereits Ton- und Videodokumente veröffentlicht, die die Rebellen belasten. Auf einen internationalen Zeugenaufruf waren mehrere hundert Hinweise eingegangen. Das russische Verteidigungsministerium hatte bereits wenige Tage nach dem Absturz die umstrittenen Satellitenbilder veröffentlicht, auf denen Abwehrraketen des Typs Buk in dem von der Ukraine kontrollierten Gebiet zu sehen waren. Die Fotos waren dann erneut Anfang Mai präsentiert worden. Danach befanden sich die Buk-Raketensysteme am 17. Juli auf ukrainischem Gebiet in der Nähe der Absturzstelle.

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„Die Satellitenfotos wurden nachweislich nicht am 17. Juli 2014 aufgenommen“, bestätigt nun Bellingcat. Die Recherche-Plattform hatte die Aufnahmen untersucht und sie mit im Internet verfügbaren Bildern etwa von Google Earth verglichen. Daraus werde deutlich, dass die Bilder aus dem Juni stammten. Außerdem seien mit Hilfe von Photoshop Buk-Raketensysteme hineinmontiert worden. So scheint es, als ob die Raketensysteme sich auf ukrainischem Gebiet befänden. Die Aufnahmen sollten auch den niederländischen Behörden übergeben werden, die die Untersuchungen zu Ursache und Schuldigen leiten. Konkrete unabhängige Untersuchungsergebnisse sollen bis spätestens Ende September veröffentlicht werden.

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