Ägypten: Der Triumph der Islamisten

Ägypten: Der Triumph der Islamisten

, aktualisiert 04. Dezember 2011, 18:12 Uhr
Bild vergrößern

Stimmenauszählung in Kairo.

Quelle:Handelsblatt Online

Nach den Wahlen sind Mehrheitsverhältnisse im neuen ägyptischen Parlament geklärt. Der Sieg der Islamisten im ersten Wahlgang ist deutlichen. Der Siegeszug von Muslimbrüdern und Salafisten beunruhigt Israel.

KairoIslamistische Kräfte werden im ägyptischen Parlament künftig über eine deutliche Mehrheit verfügen. Beim Auftakt der ersten Wahlen nach dem Sturz von Präsident Husni Mubarak erzielten die Parteien der Muslimbrüder und der als radikaler geltenden Salafisten zusammen mehr als 60 Prozent der Stimmen. Die Wahlkommission gab am Sonntag die Zahlen der Listenwahl bekannt. Zwei weitere Wahlgänge und Stichwahlen stehen aber noch aus. Der Wahlerfolg der Islamisten löste in Israel große Sorge auch um den Fortbestand des Friedensvertrags mit Ägypten aus.

Stärkste Kraft ist den Angaben nach die Partei der Muslimbruderschaft „Freiheit und Gerechtigkeit“. Sie kommt auf gut 3,5 Millionen der etwa zehn Millionen gültigen Stimmen und damit rechnerisch auf rund 37 Prozent. Die radikal-islamistische Nur-Partei verzeichnet etwa 24,5 Prozent mit etwa 2,3 Millionen Stimmen. Auf Platz drei landet die Ägyptische Allianz aus liberalen und linken Parteien mit knapp 1,3 Millionen Stimmen und damit gut 13 Prozent.

Anzeige

Im ersten Wahlgang haben am Montag und Dienstag vergangener Woche zunächst die Menschen in Kairo, Alexandria und sieben weiteren Provinzen gewählt. Am Montag folgen Stichwahlen, weil nur wenige Kandidaten auf Anhieb über 50 Prozent der Stimmen bekamen. Zwei Drittel der 498 Sitze im Parlament werden über Parteien- und Koalitionslisten besetzt, ein Drittel von Direktkandidaten. Die Wahlgänge zwei und drei folgen in den kommenden Wochen. Am 13. Januar wird das Endergebnis erwartet. Das neue Parlament wird die Aufgabe haben, eine neue Verfassung zu formulieren.


Friedensvertrag mit Israel muss eingehalten werden

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak sagte: „Der Prozess der Islamisierung in den arabischen Ländern ist sehr beunruhigend.“ Nach Angaben der Zeitung „Jediot Achronot“ (Sonntag) betonte er zudem: „Ich hoffe, dass jede Regierung, die in Ägypten gebildet wird, verstehen wird, dass es keine andere Wahl gibt, als den Rahmen der internationalen Abkommen einzuhalten, darunter auch der Friedensvertrag mit Israel.“

Einen Mitarbeiter des Außenministeriums in Jerusalem zitierte die Zeitung mit den Worten: Die Islamisten hätten in Ägypten die Revolution „gestohlen“. „Sie haben es den Jugendlichen erlaubt, das Regime zu stürzen - und sind dann als zweite Welle gekommen. Das ist genau das, was 1979 auch im Iran passiert ist.“

Der Vorsitzende der Partei Freiheit und Gerechtigkeit der Muslimbrüder, Mohammed Mursi, bat die Ägypter in einem Interview der Zeitung „Gulfnews“ (Samstag) um Vertrauen und ging auf die Ängste der koptischen Christen ein. „Wenn es um politische und soziale Alltagsthemen geht, wird es in Ägypten keine Spaltung zwischen Muslimen und Christen geben“, versicherte er. Vor dem Gesetz gebe es hier auch künftig keine Diskriminierung. Das islamische Recht, die „Scharia“, werde aber weiterhin die wichtigste Quelle der Gesetzgebung bleiben.

Die Partei „Freiheit und Gerechtigkeit“ bezeichnet sich selbst als islamisch-moderat. Eine klare Trennung von Staat und Religion wie in der Türkei lehnt sie aber ab. Unter Mubarak war die Muslimbruderschaft offiziell verboten. Radikaler sind die Salafisten. Sie eifern dem Leben des Propheten Mohammeds nach. Die Männer haben lange Bärte, die Frauen sind bis auf einen Augenschlitz bedeckt.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%