Ägypten: Kaum Geld für den Neuanfang

Ägypten: Kaum Geld für den Neuanfang

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Wann kommen die Touristen wieder? Kairos alter Basar im Standby-Modus

von Hans Jakob Ginsburg

Die Klüngelwirtschaft des alten Regimes hat Ägyptens Wirtschaft gelähmt. Dieses Hemmnis ist weggefallen. Doch dafür gibt es zwei neue: die Rechtsunsicherheit und der Mangel an finanziellen Mitteln.

Ungewöhnliche Aussage an so einer Stelle: „Das tapfere ägyptische Volk hat Geschichte geschrieben: ein großer Moment für die Nation und eine historische Chance für die arabische Welt. Wir gratulieren und verneigen uns voller Respekt.“ Zu lesen ist das auf der Home-page der in Kairo residierenden Deutsch-Arabischen Industrie- und Handelskammer (DAIHK).

Aus dem Lob für das Gastland spricht Nervosität. Die Kehrseite der „historischen Chance“ sind gewaltige Risiken für einheimische und ausländische Unternehmen nach der Revolution am Nil. In den Tagen des Umsturzes im Januar und Februar war die Wirtschaft nahezu zum Stillstand gekommen. Die meisten europäischen Manager hatten das Land verlassen, einige haben sich bis heute nicht zurückgetraut. Aber selbst das lässt sich in der Rückschau auch positiv interpretieren: „In allen betroffenen Unternehmen haben die einheimischen Stellvertreter der Expats die Arbeit hervorragend fortgesetzt“, lobt Rainer Herret, Geschäftsführer der DAIHK.

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Hemmnis Klüngelwirtschaft fällt weg

An hoch qualifizierten Betriebswirten und Ingenieuren besteht in Ägypten kein Mangel. Was bis heute fehlt, sind vernünftige Arbeitsmöglichkeiten für diese Leute – wegen der lähmenden Klüngelwirtschaft des alten Regimes. Dieses Hemmnis ist jetzt weggefallen, doch dafür gibt es zwei neue: Das eine ist die Rechtsunsicherheit in revolutionären Zeiten, das andere der Mangel an finanziellen Mitteln.

Seit dem Aufstand Anfang des Jahres und dem Sturz des Diktators Hosni Mubarak vor gut vier Monaten sind ausländische Investitionen so gut wie versiegt. Die wichtigsten Investoren – reiche Araber aus den Ölstaaten – haben keinerlei Sympathie für die mögliche Demokratisierung des bevölkerungsreichsten arabischen Landes. Entsprechend sind die ägyptischen Devisenreserven seit Jahresanfang um 25 Prozent zurückgegangen. Das ägyptische Finanzministerium hat seine Wachstumsprognose für dieses Jahr von fünf auf zwei Prozent reduziert. Das Institute of International Finance rechnet gar mit einem Rückgang des ägyptischen Bruttoinlandsprodukts von 2,5 Prozent in diesem Jahr, wahrscheinlich die realistischere Schätzung.

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