Ägyptische Wirtschaft: Die Armee marschiert, kämpft – und verkauft Hühner

Ägyptische Wirtschaft: Die Armee marschiert, kämpft – und verkauft Hühner

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Ägyptische Soldaten und ein Offizier (M) mit Anti-Mubarak Demonstranten auf dem Tahrir Platz in Kairo

Dem Militär geht es nicht nur um Demokratisierung. Die Offiziere haben vor allem ihre Geschäftsinteressen im Blick. Denn sie sind auch Unternehmer und beherrschen die Wirtschaft des Landes.

Der unblutige Abgang von Präsident Hosni Mubarak ist zu großem Teil Ägyptens Generalen zu verdanken – und die Militärs haben sogar versprochen, die Demokratisierung des Landes mit voranzutreiben. Wenige im Ausland wissen jedoch, dass die Streitkräfte in Ägypten auch wirtschaftlich eine wesentliche Rolle spielen. Das wirft die Frage auf: Unterstützen die Offiziere Reformen auch dann, wenn die ihre Geschäftsinteressen beschneiden wollen?

Die Streitkräfte sind in der zivilen ägyptischen Wirtschaft an einer Reihe von Dienstleistern und verarbeitenden Unternehmen engagiert. Mindestens 14 davon stehen unter der Leitung des Ministeriums für Militärproduktion. Vom Militär betriebene Unternehmen sind in Bereichen wie Hausmeisterdiensten, Haushaltsgeräten, Schädlingsbekämpfung und Catering tätig. El Nasr Co. for Services and Maintenance zum Beispiel beschäftigt nach eigenen Angaben 7.750 Personen unter anderem in der Kinderbetreuung, der Reparatur von Automobilen und der Hotelverwaltung. Andere Militärunternehmen stellen Handfeuerwaffen her, Panzergranaten und Sprengstoffe – aber auch Sportgerät und Löschfahrzeuge.

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Fast ein Drittel der ägyptischen Wirtschaft steht unter der Kontrolle des Militärs

Die Unternehmen bilden zusammen „eine riesige, niemandem Rechenschaft schuldige Military Inc.", sagt Robert Springborg, Professor für nationale Sicherheit an der Militäruniversität Naval Postgraduate School im kalifornischen Monterey und Autor des Buches „Mubarak’s Egypt: Fragmentation of the Political Order". Die Militärs würden versuchen, die neue Ordnung so zu beeinflussen, dass keine zivile Kontrolle über die Streitkräfte entstehe, sagt er. „Dabei geht es nicht nur darum, die Einrichtung Militär an sich zu erhalten, sondern die finanzielle Grundlage seiner Angehörigen."

Bis zu ein Drittel der ägyptischen Wirtschaft steht unter Kontrolle des Militärs, sagt Joshua Stacher, Fachmann für das ägyptische Militär und Assistenzprofessor an der Kent State University in Ohio. Der Umsatz von Militärunternehmen sei dabei Staatsgeheimnis, ebenso wie der Haushalt der Streitkräfte.

Es ist nichts Ungewöhnliches, dass Staaten und Militärs eigene Rüstungsunternehmen und Waffenhersteller besitzen. Singapur und Israel beispielsweise stellen aus Gründen der nationalen Sicherheit in Staatsregie Militärgüter her. So bleiben sie von ausländischen Waffenlieferanten unabhängig. Anders als dort bieten die Unternehmen des ägyptischen Militärs – des größten in der arabischen Welt – jedoch auch die verschiedenen Produkte und Dienstleistungen für zivile Endverbraucher des Landes an – und dies ohne jegliche zivile Aufsicht.

Nach Angaben von General Ahmed El-Banna, dem Geschäftsführer von El Nasr, gehören 75 Prozent des Unternehmens dem Militär und der Rest ehemaligen Offizieren. Die beiden anderen Konsumgüteranbieter, die in den Berichten genannt werden, sind El Nasr Co. for Intermediate Chemicals, der Webseite zufolge ein Produzent von Chemikalien, Dünger, Industriegasen und medizinischen Gase sowie Pestiziden für Haushalte, sowie Arab International Optronics, ein Hersteller von Linsen und moderner optischer Ausrüstung.

Das Ministerium für Militärproduktion führt auf seiner Webseite über ein Dutzend „militärische Produktionsunternehmen" auf, darunter Abu Zaabal Co. for Engineering Industries, Benha Co. for Electronic Industries und Maadi Co. for Engineering Industries. Abu Zaabal wurde nach Angaben auf der Internetseite als Zulieferer für Artillerietechnik gegründet. Darüber hinaus stellt es Wasser- und Treibstofftanks her. Maadi produziert Teile für medizinische und landwirtschaftliche Ausrüstung, aber auch Hausgeräte, Heizkörper und Sportgeräte. Benha besitzt Fabriken und fertigt Telekomausrüstung, Mikrowellengeräte und PCs. Egyptian Tank Plant baut Feuerlöschfahrzeuge.

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