Afghanistan: Taliban bestimmen neuen Chef

Afghanistan: Taliban bestimmen neuen Chef

Die Taliban ernennen einen neuen Anführer. Die Wahl fällt auf einen religiösen Gelehrten, der bekannt für extremistische Ansichten ist. Konstruktive Friedensverhandlungen mit Kabul könnten dadurch erschwert werden.

Nach dem Tod ihres Anführers Mullah Achtar Mansur haben die afghanischen Taliban einen Nachfolger ernannt. Neuer Chef ist der religiöse Gelehrte Mullah Haibatullah Achundsada, wie es am Mittwoch in einer Erklärung der Radikalislamisten hieß. Achundsada ist bekannt für seine extremistischen Ansichten. Es gilt als unwahrscheinlich, dass er den Friedensprozess mit der afghanischen Regierung unterstützt. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass er den aggressiven Kurs Mansurs fortsetzen wird.

Mansur war am Samstag bei einem US-Drohnenangriff getötet worden. Achundsada, zuvor einer der beiden Stellvertreter Mansurs, ist bekannt für Erklärungen, in denen er die Existenz der extremistischen Taliban und ihren Krieg gegen die afghanische Regierung rechtfertigt. Seine Ansichten werden als militaristisch betrachtet. Er wurde den Angaben zufolge bei einem Treffen von Taliban-Führern gewählt. Dieses fand vermutlich in Pakistan statt.

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Die Taliban teilten weiter mit, es seien auch zwei neue Stellvertreter gekürt worden. Bei ihnen handelt es sich um Siradschuddin Hakkani, der bereits Stellvertreter Mansurs war, und den Sohn des gestorbenen Talibanchefs Mullah Omar, Mullah Jakub. Zuvor galten diese beiden als Favoriten auf die Nachfolge von Mansur. Hakkani leitet das Hakkani-Netzwerk, das hinter den verheerendsten Anschlägen in Afghanistan seit Beginn des Kriegs 2001 steht. Mullah Jakub kontrolliert für 15 der 34 Provinzen in Afghanistan die Militärkommission der Taliban.

Die Radikalislamisten riefen alle Muslime zu einer dreitägigen Trauer für Mansur auf. Zudem wurde zu Einheit und Gehorsamkeit gegenüber dem neuen Anführer aufgerufen.

Mansur war am vergangenen Samstag getötet worden, als ein Fahrzeug auf einer Straße in Südwestpakistan von einer US-Drohne zerstört worden war, in dem er gesessen hatte. Die Regierungen in Washington und Kabul sowie Vertreter der Taliban waren sich sicher, dass Mansur ums Leben gekommen sei. Die Führung der afghanischen Taliban hatte den Tod allerdings noch nicht offiziell bekanntgegeben.

Mansur war etwas mehr als 50 Jahre alt und hatte die Führung der Aufständischen vor gut einem Jahr offiziell übernommen, nachdem der Tod des langjährigen Rebellenchefs Mullah Omar bekannt geworden war. Allerdings hatte es intern Streit über Mansurs Führungsanspruch gegeben. Zuvor war er Omars Stellvertreter gewesen.

Derweil gab es in der Hauptstadt Kabul einen erneuten Selbstmordanschlag, bei dem mindestens zehn Menschen ums Leben kamen. Ein Attentäter habe seinen Sprengstoffgürtel am Morgen in der Hauptverkehrszeit gezündet, als er an einem Minibus mit Gerichtsmitarbeitern vorbei gegangen sei, teilte das Innenministerium mit. Unter den Opfern seien auch Zivilsten. Darüber hinaus seien vier Menschen verletzt worden.

Zu dem Attentat bekannte sich zunächst niemand. Der letzte große Anschlag in Kabul hatte sich am 19. April ereignet. Damals starben 64 Menschen, Hunderte wurden verletzt.

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