Afghanistan: Taliban erobern Kundus

Afghanistan: Taliban erobern Kundus

, aktualisiert 28. September 2015, 18:53 Uhr
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Afghanische Soldaten stehen Wache in Kundus.

Knapp zwei Jahre nach dem Abzug des letzten Bundeswehr-Soldaten aus Kundus haben Kämpfer der radikalislamischen Taliban-Miliz die nordafghanische Provinzhauptstadt erobert.

Die Taliban haben nach Angaben afghanischer Regierungsstellen die Stadt Kundus im Norden des Landes am Montag eingenommen. Einem Reporter der Nachrichtenagentur Reuters zufolge hissten Taliban-Kämpfer auf dem zentralen Platz der 300.000-Einwohner-Stadt Kundus ihre Flagge. Regierungseinheiten und Taliban lieferten sich wenige hundert Meter entfernt vom Sitz des Gouverneurs heftige Kämpfe, wie dessen Stellvertreter, Abdullah Danischi, nach seiner Flucht zum Flughafen berichtete. Behörden und Polizeisprecher gaben sich überzeugt, dass es gelingen werde, die Taliban-Kämpfer zurückzuschlagen.

Die Islamisten nahmen die Stadt seit dem Morgen aus drei Richtungen in die Zange. Sie drangen am Nachmittag in das größte Gefängnis ein und befreiten nach Angaben aus Sicherheitskreisen Hunderte Kämpfer. In zwei Bezirken nahe am Gouverneurssitz tobten schwere Gefechte. Im Süden der Stadt standen Gebäude in Flammen. Artillerie- und Gewehrfeuer waren seit Tagesanbruch im Stadtzentrum zu hören. Hubschrauber der afghanischen Armee nahmen nach Darstellung eines Polizeisprechers in den Vororten Taliban-Kämpfer mit Raketen unter Beschuss.

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"Wir haben Verstärkungen aus anderen Gebieten im Anmarsch und werden die Taliban zurückschlagen", sagte Vizegouverneur Abdullah Danischi am Telefon. Ein Polizeikommandeur in der Nachbarprovinz Balch erklärte, Sondereinheiten von Polizei und Militär seien auf dem Weg nach Kundus.

Der Einmarsch in die Provinzhauptstadt ist für die Taliban ein Meilenstein in ihrem seit fast 14 Jahren dauernden Aufstand. Sie waren 2001 von einer Militärallianz unter Führung der USA zunächst aus dem Land vertrieben worden. Der Angriff auf Kundus ist der zweite in diesem Jahr: Im Juni wehrten die afghanischen Streitkräfte einen Vorstoß ab.

Die Bundeswehr betrieb in Kundus ab Oktober 2003 für zehn Jahre ein großes Feldlager. Die deutschen Soldaten waren Teil desNato-Kampfeinsatzes, der 2014 beendet wurde. Seither sind Nato-Soldaten überwiegend nur noch als Berater und Ausbilder im Lande. Auch die Bundeswehr ist mit bis zu 850 Soldaten vertreten. Sie sind nach Angaben des Einsatzführungskommandos in Masar-i-Scharif und in der Hauptstadt Kabul stationiert.

Die Gewalt in Afghanistan hat in den vergangenen Jahren wieder zugenommen. Auch die Zahl der nach Deutschland flüchtenden Afghanen ist gestiegen. Die deutschen Behörden rechnen einer Zeitung zufolge mit einer steigenden Zahl von Asylbewerbern aus dem Land. Derzeit verließen monatlich bis zu 100.000 Afghanen ihr Heimatland, berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Sicherheitskreise.

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