
KabulBei den Protesten in Afghanistan gegen die Verbrennung von Koranen durch US-Soldaten sind sechs Menschen erschossen worden. Hunderte wütende Afghanen versammelten sich am Mittwoch den zweiten Tag in Folge in der Hauptstadt Kabul und skandierten antiamerikanische Parolen. Die Proteste griffen auch auf andere Städte über, wo die Demonstranten auch den Anführer der radikal-islamischen Taliban, Mullah Mohammed Omar, hochleben ließen.
Auch im Parlament riefen aufgebrachte Abgeordnete „Tod Amerika“. Damit scheiterte der Versuch der US-Regierung und des Kommandeurs der Nato-Streitkräfte in Afghanistan, mit einer raschen Entschuldigung die Wut zu besänftigen. Afghanistans Präsident Hamid Karsai forderte von seinen Landsleuten Besonnenheit. Demonstrationen seien ein Recht der Bürger, sie sollten aber Gewalt vermeiden. Auch von den Sicherheitskräften erwarte er, dass sie bei den Protesten keine Gewalt einsetzten sowie Leben und Eigentum der Menschen schützten.
Afghanische Arbeiter hatten am Dienstag beim Durchwühlen einer Müllhalde am US-Stützpunkt Bagram in der Provinz Parwan verkohlte Exemplare des Koran gefunden. Kurz darauf waren bis zu 2000 Menschen auf die Straße gegangen. Am Rande der Hauptstadt griffen Demonstranten die Polizei an, setzten Reifen in Brand, zerstörten Autos und warfen Scheiben ein. In Dschalalabad wurden amerikanisch Fahnen verbrannt und Tankwagen nahe des Flughafens der Stadt angezündet. Mindestens sechs Menschen wurden bei den Protesten getötet.
In der Vergangenheit haben ähnliche Vorfälle die Beziehungen zwischen den US-geführten Truppen und den Afghanen schwer belastet. Im April wurden elf ausländische UN-Mitarbeiter bei dreitägigen Protesten getötet. Damals hatte ein Pastor in Florida einen Koran verbrannt.













