Afghanistan: US-Luftangriff trifft Krankenhaus in Kundus

Afghanistan: US-Luftangriff trifft Krankenhaus in Kundus

, aktualisiert 03. Oktober 2015, 12:46 Uhr
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Bei dem Luftangriff kamen mindestens drei Klinikmitarbeiter ums Leben, mehr als 30 werden vermisst.

Seit die Taliban am Montag Kundus eroberten, versuchen afghanische Regierungstruppen mit Hilfe der Nato, die Stadt wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bekommen. Jetzt trafen US-Truppen vermutlich eine Klinik.

Fataler Fehler der US-Luftwaffe in Afghanistan: Bei einem Bombenangriff in Kundus haben amerikanische Kampfjets offensichtlich aus Versehen ein Krankenhaus der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) getroffen und dabei mindestens neun Klinikmitarbeiter getötet. Weitere 37 Menschen wurden schwer verletzt, wie die Organisation am Samstag weiter mitteilte. Unter den Schwerverletzten seien 19 Mitarbeiter des Krankenhauses. Mehrere Menschen würden noch vermisst. Die Opferzahl könne sich noch erhöhen.

Seit dem überraschenden Angriff der islamistischen Taliban auf Kundus versuchen Regierungstruppen mit Hilfe der Nato seit Tagen, die Stadt wieder komplett unter Kontrolle zu bekommen.

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Der Sprecher der Nato-Mission in Afghanistan, Sernando Estreooa, erklärte zu dem Unglück: „Die US-Streitkräfte haben am 3. Oktober um 2.15 Uhr Ortszeit einen Luftangriff nahe der Einrichtung durchgeführt, wo einzelne Personen die Truppen bedrohten.“ Dabei sei womöglich eine nahe gelegene Klinik beschädigt worden. Der Vorfall werde untersucht.

Afghanistan Taliban erobern Kundus

Knapp zwei Jahre nach dem Abzug des letzten Bundeswehr-Soldaten aus Kundus haben Kämpfer der radikalislamischen Taliban-Miliz die nordafghanische Provinzhauptstadt erobert.

Afghanische Soldaten stehen Wache in Kundus. Quelle: REUTERS

Ärzte ohne Grenzen und das internationale Rote Kreuz verurteilten den Angriff auf die Klinik scharf und forderten alle Konfliktparteien auf, die Sicherheit von Zivilisten und Helfern zu achten. MSF forderte eine umgehende Aufklärung des verheerenden Angriffs.

Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen wurden allen Konfliktparteien die genauen Geodaten ihrer Einrichtungen vorsorglich mehrfach übermittelt, zuletzt am 29. September. Nach Beginn des nächtlichen Angriffs habe man zudem das amerikanische und afghanische Militär erneut kontaktiert; dennoch habe das Bombardement noch mehr als 30 Minuten angehalten. Mehrere Treffer hätten das Gebäude schwer beschädigt. Die Organisation veröffentlichte Bilder von der in Flammen stehenden Klinik und den massiven Schäden.

„Wir sind über den Angriff, das Töten von Mitarbeitern und Patienten und die schweren Auswirkungen auf die Gesundheitsfürsorge in Kundus zutiefst schockiert“, sagte der Leiter der Organisation vor Ort, Bart Janssens. Er forderte alle Konfliktparteien auf, die Sicherheit von Gesundheitseinrichtungen und deren Personal zu respektieren.

Sicherheit von Zivilisten und Helfern gewährleisten

Seit am Montag sind nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen in der Klinik 394 Verletzte behandelt worden. Zum Zeitpunkt des Luftangriffs seien 105 Patienten, Angehörige und gut 80 Mitarbeiter in dem Gebäude gewesen.

Die Klinik wird ausschließlich aus Spenden finanziert und behandelt jeden - unabhängig von Herkunft oder Religion. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte: „Keiner unserer Kämpfer war zum Zeitpunkt des Angriffs ein Patient der Klinik.“

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) nannte die Gewalt gegen Patienten und medizinische Mitarbeiter erschreckend. Derartige Angriffe beeinträchtigten die Möglichkeiten von humanitären Organisationen, den Menschen in Afghanistan dringend benötigte Hilfe zukommen zu lassen, sagte der Chef des internationalen Roten Kreuzes in Afghanistan, Jean-Nicolas Marti. Auch er forderte alle Konfliktparteien auf, die Sicherheit von Zivilisten und Hilfskräften zu achten.

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